Keine Pflanzen als Urlaubs-Souvenir mitbringen

Wer sich oder anderen aus dem Urlaub Orchideen, Rosen, Mangos oder Chili mitbringen möchte, sollte sich vorher gut informieren, denn für importierte Schnittblumen, Pflanzen, Obst und Gemüse, Samen oder Erde – auch im Urlaubsgepäck - gibt es strenge Vorschriften, um das Einschleppen von Schädlingen oder Krankheiten zu verhindern.

Wurm im Apfel - Roman Ivaschenko - Fotolia.com_.jpg

Wurm kriecht aus einer Erbse

Wer jetzt eine Fernreise antritt, sollte schon vor Reisebeginn wissen, dass die Einfuhr von pflanzlichen Souvenirs bei der Heimreise problematisch werden kann.
Beim Kauf im Herkunftsland wird oft der Eindruck vermittelt, dass das Mitbringen der pflanzlichen Geschenke unkompliziert sei. Dies entspricht jedoch nicht den aktuellen Bestimmungen.
Wer aus dem Urlaub Pflanzen oder Pflanzenteile mitbringen möchte, sollte sich vorher bei den zuständigen Behörden über die Einfuhrbestimmungen informieren. Darauf macht der hessenweit agierende Pflanzenschutzdienst beim Gießener Regierungspräsidium (RP) wieder aufmerksam.


 

Finger weg von pflanzlichen Urlaubsandenken

Für importierte Schnittblumen, Pflanzen oder Pflanzenteile – auch im Urlaubsgepäck - gibt es strenge Vorschriften. Auch Gemüse, Samen oder Erde fallen darunter.
Die Einfuhr dieser Produkte ist in der Pflanzenbeschauverordnung geregelt, um das Einschleppen von gefährlichen Schadorganismen oder Krankheiten zu verhindern. Gerade für Fernreise-Passagiere  ist das wichtig, denn sie müssen die oft teuer bezahlten Urlaubsmitbringsel am Flughafen abgeben, wenn deren Einfuhr verboten ist.

Wolfgang Willig vom RP-Pflanzenschutzteam berichtet, dass seine Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen sehr häufig auf Souvenirs aus sogenannten Drittländern stoßen, deren Einfuhr in die EU verboten ist. Es droht zwar kein Bußgeld wie in anderen Ländern, aber das Mitbringsel wird konfisziert.

Keine rein theoretische Gefahr

In einer Mango oder einem Zimtapfel aus Thailand könnten beispielsweise Larven einreisen, aus denen Hunderte von Fruchtfliegen schlüpfen, die dann unser heimisches Obst gefährden. Auch für die Einfuhr von Auberginen, Kartoffeln oder Chili gelten Willig zufolge strenge Einfuhrbedingungen. Seit kurzem auch für die Okraschote, in der ein Schmetterling – die Baumwolleule - mitreisen könnte. Selbst das Kürbisgewächs Luffa oder frischen Koriander entsorgen die Pflanzenschützer, wenn sie bei Stichproben am Flughafen fündig werden, denn sie könnten die Minierfliege einschleppen.

Aber nicht nur Privatgepäck wird am Frankfurter Flughafen kontrolliert. Alle dort eingeflogenen kommerziellen Lebensmittel kommen nicht ungeprüft weiter in den Handel. Da kann es schon vorkommen, dass wegen ein paar Fruchtfliegen einige Tonnen köstlicher indischer Mangos vernichtet werden - was natürlich ein herber Verlust für die Händler ist.

Auch Rosen oder Wasserpflanzen sind potenzielle Schädlingsträger. Viele tragen Fadenwürmer in sich, die unter anderem für die Krankheit mit dem Namen „Rosenmüdigkeit“ verantwortlich gemacht werden.

Von Orchideen in Wasserröhrchen, die es beispielsweise in Bangkok am Flughafen zu kaufen gibt, sollten Urlauber auf dem Weg nach Deutschland ebenfalls absehen: Der damit häufig eingeschleppte Fransenflügler schafft es nämlich, komplette Ernten zu zerstören.

Wolfgang Willig zählt die Schädlinge auf, die nach Deutschland eingeschleppt wurden mit verheerenden Auswirkungen, wie zum Beispiel die Kirschessigfliege, der asiatischer Laubholzbockkäfer oder der Maiswurzelbohrer.

Ohne Pflanzengesundheitszeugnis keine Einfuhr

Für viele Pflanzen aus Drittländern, wozu auch die Kanaren oder Madeira zählen, gelten Einfuhrverbote. Häufig sind die im Internet kursierenden Hinweise und Merkblätter, die Ausnahmen zum Beispiel für Kleinmengen beschreiben, leider nicht auf dem aktuellen Stand. So unterliegen beispielsweise alle Pflanzen, die zum Setzen oder zur Weiterkultur bestimmt sind, genauso wie bestimmte Schnittblumen wie Orchideen oder Rosen den besonderen EU-Einfuhrbestimmungen.

Unter bestimmten Bedingungen dürfen mitgebrachte Produkte in die EU eingeführt werden, wenn sie durch die Pflanzenbeschauverordnung geregelt sind. Passagiere müssen dann bei der Einfuhr – auch im Handgepäck – ein Pflanzengesundheitszeugnis, das sogenannte „phytosanitary cerificate“, das im Herkunftsland ausgestellt wurde, vorweisen können. Ein Behandlungshinweis, wie zum Beispiel „fumigated“ auf der Ware ist nicht ausreichend. Ohne ein gültiges Pflanzengesundheitszeugnis wird die Ware bei der phytosanitären Kontrolle im Flughafen nicht zur Einfuhr zugelassen.



TIPP: Das RP-Team nimmt Anfragen oder Beratungswünsche entgegen unter: planthealth@rpgi.hessen.de


Stand: März 2016

Fliegen, Raupen, Würmer

Die Baumwolleule ist ein in den Tropen lebender Schmetterling. Die Raupen ernähren sich bevorzugt an BIüten und Früchten.

Die Minierfliege ernährt sich durch Pflanzensäfte, die sie nach Anstechen der Blätter saugt. Die Larven leben in Pflanzenteilen und fressen sie von innen auf.

Fadenwürmer (Nematoden) dringen in die Wurzeln ein und beeinträchtigen den Pflanzenstoffwechsel stark.

Fransenflügler (Thripse), auch Gewitterfliegen oder Blasenfüße genannt, bohren ihre Eier ins Pflanzengewebe oder heften sie an Triebe und Blätter.