Katzenfell oder Kunstpelz?

Kein Pelz ohne Tierquälerei. Eine Alternative zu echtem Fell ist der Kunstpelz. Leider sind echte Pelze von Kunstpelzen schwer zu unterscheiden, denn absichtlich falsch etikettierte Hunde- und Katzenfelle aus Asien werden bei uns als Kunstpelz verkauft. Es gibt jedoch ein paar Tricks, um Echtpelz von Kunstpelz zu unterscheiden.

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Frau im Pelzmantel

Millionen Tiere für Pelze getötet

100 Millionen Tiere werden pro Jahr allein für Pelze getötet - 85 Prozent davon auf Pelztierfarmen. Der Pelzhandel bleibt trotz Verboten und guter Vorsätze ein blutiges Geschäft. Ob für Nerzstola, Pelzkragen oder –mantel: Tiere, deren Fell zu Kleidungsstücken verarbeitet wird, werden weltweit tierquälerisch gehalten und getötet.

Hunde- oder Katzenfell statt Kunstpelz

Wer Tierquälerei ausschließen will, sollte Produkte tierischen Ursprungs meiden.

Die Alternative zu echtem Fell ist der Kunstpelz oder auch Webpelz genannt. Heute sind allerdings Kunstpelze von echten Pelzen oft kaum zu unterscheiden. Der Grund: Falsch etikettierte echte Felle von Hunden oder Katzen aus asiatischen Ländern wie China gelangen nach Europa und werden hier als Kunstpelz gehandelt. Warum? Ein Hundefell aus China wird billiger produziert als ein gut gemachter Webpelz hierzulande. Die als Kunstpelz getarnten Tierfelle gelangen trotz des am 1.1.2009 in Kraft getretenen EU-weitem Importverbot für Haustierfelle auf den europäischen Markt. Vor allem bei Mützen oder Jacken mit Fellbesatz können Katzen- oder Hundefelle verarbeitet sein. Willentliche Verstöße von größeren Firmen werden von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ aber für wenig wahrscheinlich gehalten.

Seit November 2014 gilt eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für Tierfelle. An den Kleidungsstücken – auch bei Importware – muss ein Etikett angebracht werden mit der Aufschrift „Enthält textile Teile tierischen Ursprungs“.

Klar ist: Die Herstellung von Kunstpelzen ist in jedem Fall umweltfreundlicher als die von Echtpelzen. Tierfelle müssen mit Chemikalien behandelt werden, die umwelt- und gesundheitsschädlich sind, wie Chrom oder Formaldehyd, weil die Felle sonst verrotten. Eine Studie der University of Michigan hat bewiesen, dass bei der Aufbereitung von Echtpelz dreimal so viel Energie verbraucht wird, wie bei der Herstellung von Webpelz. Das widerspricht einer Kampagne der Pelzindustrie, die Verbraucher glauben lässt, Pelze seien „natürlich“ und „ökologisch“.

So erkenne ich Kunstpelz

Kunstpelz ist von Echtpelz manchmal nicht  zu unterscheiden. Gerade bei Pelzbesatz ist oft nicht gekennzeichnet, worum es sich handelt. Aber es gibt ein paar Tricks, die funktionieren:

  • Der Wind-Test: Haare von echtem Pelz bewegen sich schon beim leisesten Lüftchen. Blasen Sie ganz vorsichtig über den Pelz. Wenn sich die Haare trotzdem bewegen, handelt es sich sehr wahrscheinlich um echten Pelz.
     
  • Der Unterwolle-Test: Ziehen sie die langen Oberhaare des Pelzes etwas auseinander und sehen Sie, was sich darunter verbirgt. Bei echtem Pelz zeigt sich meist die Unterwolle, bestehend aus ganz feinen und dichten Haaren, die die Tiere in der Natur gut wärmen.
     
  • Der Leder-Test: Das ist der einfachste und sicherste Test. Ziehen Sie die Haare ganz auseinander.  So können Sie erkennen, ob es sich um ein künstliches Gewebe handelt oder um Leder, denn unter echtem Fell befindet sich immer Leder.
     
  • Der Geruchs-Test: Hundertprozentig kann man Kunstpelz von echtem Pelz unterscheiden, wenn man ein paar Haare verbrennt. Wenn Sie einen synthetischen Geruch wahrnehmen und die Haare zu kleinen harten schwarzen Klümpchen schmelzen, dann ist es sicher Webpelz. Riecht es dagegen nach verbrannten Haaren und die Haare lösen sich in nichts auf, dann handelt es sich um natürlichen Pelz.

Fazit:

  1. Kein Pelz ohne Leid.
    Weder in Zuchtfarmen noch beim Fang wilder Tiere geht es ohne Tierquälerei ab. Vor allem preisgünstige Pelze stammen eher aus tierquälerischer Haltung. Wenn schon echter Pelz, dann beachten Sie die Kennzeichnung. Fachgeschäfte sind auf jeden Fall vertrauenswürdiger als Billigläden.
     
  2. Alternative: Kunstpelz.
    Entscheiden Sie sich für Webpelze, wenn Sie Tierleid  meiden wollen. Aber vergewissern Sie sich, dass ihr Kunstpelz nicht falsch deklariert ist. Unter dem Pelz sollte sich ein künstliches Gewebe befinden.
     
  3. Händlerliste.
    Im Fur Free Retailer Program ist eine Liste von Einzelhändlern aufgeführt, die sich verpflichtet haben, keine Pelze mehr zu verkaufen.
     


Hintergrund:

Der Europarat hat 1999 bereits eine Empfehlung für Pelztiere in Farmen verabschiedet, die aus Sicht des Tierschutzes allerdings völlig ungenügend ist. Die Käfighaltung auf engstem Raum bleibt damit weiterhin zulässig, beispielsweise bei Nerzen. Rund 27 Millionen Nerze werden jährlich weltweit zur Pelzverarbeitung getötet. Auch Füchse, Chinchillas und Hasen werden in Käfigen auf kleinstem Raum gehalten. Damit das Fell unversehrt bleibt, werden die Tiere durch Vergasen, Brechen des Genicks oder Stromschlag getötet.

Es gibt in Europa zwar große Unterschiede bei der Haltung, dagegen kontert jedoch Veronika Weissenböck von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: „Die in einer Pelzfarm herrschenden Haltungsstandards können den Ansprüchen der Tiere nicht gerecht werden und daher niemals tierschutzkonform sein:“ Die Tierschutzorganisation fordert eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für alle Pelzprodukte mit klaren Angaben der Tierart, der geografischen Herkunft und der Haltungsbedingungen der Tiere.


Stand: Dezember 2015