Infos zum Streusalzverbot und Alternativen

Der weiße Winter ist zwar noch nicht in Sicht, doch das kann sich über Nacht ändern. Der Weg zur Arbeit oder der Spaziergang können dann schnell zur Rutschpartie werden. Ein verbreitetes Mittel ist Streusalz, um zügig für Sicherheit auf Straßen und Gehwegen zu sorgen. Doch es schadet der Umwelt, Autos und Häusern sowie Hunden und ist deshalb in den meisten Städten und Gemeinden verboten. Welche gravierenden Schäden verursacht Streusalz und welche Alternativen gibt es?

Schild_Winterdienst CA. Königsberg - Fotolia.de_.jpg

Winterdienst verteilt Steusalz

Sowohl im privaten Bereich als auch im kommunalen und staatlichen Winterdienst steht das Räumen von Schnee und Eis immer an erster Stelle. Entsprechend der Gefahrenlage können nach der Schneeräumung abstumpfende oder auftauende Mittel zusätzlich zum Einsatz kommen. Viele Städte und Gemeinden verbieten aber, Salz zu streuen. Alternativ sollten abstumpfende Mittel wie Splitt, Sand oder Granulat verwendet werden. Umweltfreundliche salzfreie Streumittel gibt es im Handel mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“.

Auch wenn der wirklich weiße Winter noch auf sich warten lässt, sind die Straßenmeistereien gut vorbereitet auf die kalte Jahreszeit. Hessen investierte kräftig in Streusalz-Lagerhallen. Zusammen mit Hallen, die dem Bund gehören, kann Hessen 93 000 Tonnen Salz einlagern (Quelle: Focus). Doch Schaden und Nutzen liegen hier dicht beieinander und beim Streuen gilt nicht „gleiches Recht für alle“, auch wenn überall Streusalz zum Kauf angeboten wird.

Was ist Streusalz?

Unter Streusalz (auch Auftausalz oder Tausalz) versteht man Salze, die auf Straßen und Gehwegen Glättebildung verhindern sollen oder zum Auftauen von Eis und Schnee dienen. Als Streusalz wird vor allem „technisches“ Natriumchlorid verwendet (NaCl, eigentlich „Kochsalz“, jedoch nicht zum Verzehr geeignet), aber auch Calcium- (CaCl2)und Magnesiumchlorid ( MgCl2) oder andere Salze. Streusalz enthält auch geringe Mengen an natürlichen Begleitstoffen und künstlichen Zusätzen, wie zum Beispiel Rieselhilfsstoff.

Wirksam ist Streusalz bei NaCl im Temperaturbereich bis etwa minus 10 °C und bei CaCl2 bis minus 20 °C.

Die jährlich auf Verkehrswegen ausgebrachte Menge an Streusalz hängt naturgemäß stark von der Witterung ab. In den letzten zehn Jahren wurden in Deutschland durchschnittlich jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Streusalz gestreut; in harten Wintern kann sich die Menge auf über vier Millionen Tonnen belaufen, so das Umweltbundesamt.

Welche Probleme entstehen durch Streusalze?

Streusalz schadet Bäumen und anderen Pflanzen an Straßen und Wegen. Es kann Böden und Gewässer belasten.

Die Beseitigung der Schäden verursacht jährlich hohe Kosten. Deshalb sollte der Einsatz von Streusalz möglichst vermieden werden. Die mechanische Räumung von Schnee und Eis steht deshalb sowohl im privaten als auch im kommunalen und staatlichen Winterdienst immer an erster Stelle.

Streusalze greifen auch Materialien zum Beispiel von Fahrzeugen und Bauwerken an. Betonbauwerke werden beschädigt durch die korrosive Wirkung der Salze auf das darin enthaltene Eisen. Bei Ziegelbauwerken können Zersetzungen auftreten, was besonders bei Baudenkmälern problematisch ist, weil das Salz nach dem Eindringen nicht mehr aus dem Mauerwerk entfernt werden kann.

Bei Haustieren führt Streusalz zu schmerzhaften Entzündungen an den Pfoten, die im Winter ohnehin besonders empfindlich sind durch Schnee, Eisklumpen und Streusand. Durch das Ablecken der Pfoten kann das Salz zu Verdauungsproblemen führen. Bei Wildtieren sind dieselben gesundheitlichen Probleme anzunehmen.

Wie kann ich privat im Winter auf Streusalz verzichten?

Für private Anlieger ist es am umweltschonendsten, angepasst an die aktuelle Situation vorzugehen:

  • Vor allem den Schnee räumen. Zu beachten ist dabei, dass der geräumte Schnee durch Tausalze und Schmutz sowie sonstige Schadstoffe verunreinigt sein kann.
  • Deshalb sollte er grundsätzlich nicht in die Nähe von Bäumen und anderen Pflanzen oder in Gewässer geschoben werden.
  • Abstumpfende Mittel auf den Gehwegen streuen, wie Sand, Splitt oder Granulat. Dabei sollten bevorzugt Produkte verwendet werden, die mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ (RAL-UZ 13) gekennzeichnet sind.
  • Energieintensiv hergestellte Streumittel, wie zum Beispiel Blähton sollten wenig eingesetzt werden.
  • Salz vermeiden oder in geringen Mengen verwenden: Als Richtgröße sollten 10 Gramm Salz pro Quadratmeter und Streuung nicht überschritten werden. Gesalzt werden dürfen nur besondere Gefahrenstellen, wie z.B. starke Steigungen oder Treppen.

Private Anlieger müssen die speziellen Vorschriften ihrer Gemeinde beachten:

  • zu welchen Zeiten Schnee geräumt werden muss,
  • ob und in welchem Umfang der Einsatz von Streusalz überhaupt erlaubt ist. In vielen Kommunen ist das Streuen von Salz grundsätzlich verboten.

Welche alternativen Streumittel stehen zur Verfügung?

Als abstumpfende Mittel werden vor allem gebrochene Gesteine, wie „Splitt“ und Spezialsande verwendet. Sie schmelzen das Eis nicht ab, sondern erhöhen die Griffigkeit, indem sie sich mit der Glätteschicht verzahnen. Nach dem Abtauen werden sie aufgekehrt. Ist der Schwermetallgehalt gering, führt der Einsatz von Splitt kaum zu Beeinträchtigungen von Gewässern, Böden oder der Vegetation. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, müssen abstumpfende Mittel aber reichlich gestreut werden. In der Energiebilanz ist der Aufwand für das Einsammeln und gegebenenfalls Reinigen am Saisonende zu berücksichtigen. Auf umweltfreundlichen, salzfreien, abstumpfenden Streumitteln ist das Umweltzeichen „Blauer Engel“.

Streumittel mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" 

Wie wird Streusalz im Straßendienst verwendet?

Bevor Streusalz und Splitt gestreut werden, müssen Straßen und Wege geräumt werden.

Beim staatlichen und kommunalen Winterdienst wird je nach Witterung, den spezifischen Straßenverhältnissen und der umgebenden Vegetation entschieden werden, welches Verfahren eingesetzt wird: Vom gänzlichen Verzicht auf das Streuen (nur mechanisches Räumen) über den Einsatz abstumpfender Mittel oder der zusätzlichen Verwendung von Streusalzen. Angestrebt wird, Streusalz so selten wie möglich und durch den Einsatz entsprechender Technik gezielt und mit einem möglichst geringen Salzverbrauch pro Quadratmeter zu verwenden.

Großstreuer:

Was auf den Straßen ausgestreut wird, ist aber nicht das reine Salz. Es handelt sich meist um eine Mischung aus Natriumchloridsalz und Magnesiumchloridsalz. Dadurch haftet es besser auf der Straße. Außerdem ermöglicht die Technik der Streufahrzeuge eine wesentlich exaktere Dosierung, als dies per Hand möglich ist. Die Großstreuer können zehn Gramm Salz pro Quadratmeter dosieren, was etwa einem Teelöffel entspricht. Das lässt sich auf bis zu 40 Gramm erhöhen. Die Natur wird ebenfalls dadurch geschont, dass die Streuweite auf die jeweilige Straßenbreite eingestellt werden kann.

Die Verwendung von Streusalz ist daher immer ein Kompromiss zwischen den Anforderungen der Verkehrssicherheit und Umweltbelangen. Im privaten Bereich und auf Gehwegen ist der Einsatz von Streusalz in der Regel ganz verboten (vgl. Tipps für den Winterdienst).

Was passiert mit dem verwendeten Streusalz?

Laut Umweltbundesamt bestehen die Salze Natrium-, Calcium- und Magnesiumchlorid aus Ionen („geladene Teilchen“), die nicht zersetzt werden, sondern in der Umwelt verbleiben. Beim Streuen auf innerörtlichen Straßen fließt das Streusalz mit dem Schmelzwasser in das Kanalsystem ab und gelangt nach der Kläranlage in Bäche und Flüsse. Es kann auch direkt mit dem Schmutzwasser in Oberflächengewässer gelangen. Auf überregionalen Straßen sickert etwa die Hälfte des Salzes über die Luft (mit verspritztem Schnee oder Wasser) in die Straßenrandböden ein. Der Rest kommt mit dem Schmelzwasser in die Straßenentwässerung und versickert entweder oder wird über Rückhalte- beziehungsweise Filterbecken in Oberflächengewässer eingeleitet.

Zu welchen Schäden führt Streusalz?

In Gewässern:

Durch das Versickern gelangt salzhaltiges Schmelzwasser in das Grundwasser. Messstellen in der Nähe großer Straßen weisen daher häufig erhöhte Konzentrationen von Chlorid auf. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung (250 mg/L) wird aber in der Regel deutlich unterschritten. Da sich Grundwasser nur sehr langsam erneuert und unsere wichtigste Trinkwasserquelle ist, müssen chemische Beeinträchtigungen -soweit technisch möglich- vermieden werden.

Das im Schmelzwasser gelöste Salz wird in den Entwässerungssystemen, wie Abwasserreinigungsanlagen, kaum zurückgehalten und gelangt daher in die Bäche und Flüsse. Gewässerorganismen können ab Konzentrationen über 200 mg/L von Chlorid-Ionen geschädigt werden. Eine biologische Verödung tritt ab 5 g/L ein. In Rückhaltebecken wurden Konzentrationen bis zu 40 g/L gemessen. Deshalb können dort, wo das salzhaltige Wasser einfließt, die kritischen Konzentrationen auch in Bächen und Flüssen überschritten werden. Weiträumig entstehen durch die Einleitung streusalzhaltiger Abwässer laut Umweltbundesamt aber in der Regel keine bedenklich hohen Konzentrationen.

An der Vegetation und in Böden?

Streusalz kann am Straßenrand wachsende Pflanzen schädigen. Gravierender ist, dass sich das mit dem Schmelzwasser versickerte Streusalz in den Straßenrandböden über viele Jahre anreichert. Schäden an der Vegetation zeigen sich oft erst zeitverzögert. Besonders betroffen sind daher zum Beispiel Pflanzen an Fußwegen oder in Alleen. Da Alleenbaumarten, wie Ahorn, Linde und Rosskastanie, zudem salzempfindlich sind, sind sie besonders gefährdet. Neben Schäden an der Vegetation können hohe Salzgehalte die Stabilität des Bodens beeinträchtigen (Verschlämmung) und Lebewesen im Boden schaden.

Bei der Feinstaubbelastung

Der Einsatz von Streumittel macht sich in schneereichen Wintern auch in der Staubbelastung der Luft bemerkbar: Streusalzlösungen und kleine Partikel der abstumpfenden Mittel werden von der Fahrbahnoberfläche in die Luft aufgewirbelt.

Auf Nachfrage des VerbraucherFensters zu den Vorschriften in Gießen/Mittelhessen erhielten wir von der Behörde folgende Auskünfte:

„Auf versiegelten Flächen darf zur Bekämpfung außergewöhnlicher Glätteverhältnisse ein Gemisch aus mindestens neun Teilen abstumpfendem Material und einem Teil Streusalz verwendet werden.

Reines Streusalz darf nur an Rolltreppen und in Fußgängerzonen verwendet werden. Pflanzstreifen und Wurzelbereiche sind davon freizuhalten“.

Tipps für den Winterdienst 

Quellen:

  • Umweltbundesamt
  • Bayerisches Landesamt für Umwelt
  • Stadtreinigungs- und Fuhramt Gießen