Igel im Garten – Das sollten Sie wissen

Wie wird der Garten zu einem optimalen Winterquartier für den Igel? Darf man die stacheligen Insektenfresser füttern und was tut man, wenn man einen verletzten oder unterernährten Igel findet?

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Igel auf der Wiese

Naturbelassene Gärten – ein Igelparadies

Igel halten sich gerne in den heimischen Gärten auf – besonders dann, wenn diese naturnah sind und viele Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Schließlich gibt es hier meist ein reichliches Futterangebot, wie Regenwürmer, Spinnen oder Schnecken. Wachsen in den Gärten heimische Pflanzen, Hecken und Sträucher, gibt es einen Komposthaufen, ist der Rasen ungemäht oder bleiben Laubhaufen und Holzstapel auch mal liegen, fühlen sich die Igel wohl.

Igel sind in der Nacht kleine Wanderer und legen bis zu fünf Kilometer zurück. Wer seinen Garten eingezäunt oder eine Mauer ums Grundstück gezogen hat, kann über Öffnungen und Durchschlupfmöglichkeiten nachdenken, um den Tieren den Zugang nicht zu versperren. Möglichkeiten wären zum Beispiel kleine Tunnel unter Mauern hindurch zu buddeln oder katzenklappengroße Löcher in den Zaun zu schneiden. Generell eignen sich zur Eingrenzung von Gärten besonders gut Hecken und Lattenzäune. Engmaschige Drahtzäune, die bis auf den Boden reichen sind hingegen äußerst igelunfreundlich, denn hier können sich die kleinen Insektenfresser schnell drin verfangen.

Müssen Laub-, Reisig- oder Komposthaufen im Garten umgesetzt werden oder stehen Mäh- und Aufräum- oder Rodungsarbeiten an, sollte dies behutsam passieren, denn eventuell ist in den ein oder anderen Laubhaufen bereits ein Igel eingezogen.

Verzichten Sie außerdem im Garten auf Laubsauger, Vogel-Schutznetze oder chemische Schädlingsbekämpfung! Diese sind große Feinde des Igels.

Igel nur in den nahrungsarmen Jahreszeiten füttern

Ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot für die Igel knapp und die älteren Tiere beginnen mit der Unterschlupfsuche für ihren Winterschlaf. Jungtiere versuchen hingegen noch weiter an Gewicht zuzulegen und Futterreserven für den Winterschlaf anzufressen. In dieser Jahreszeit, und auch im nahrungsknappen Frühjahr, können den Igeln im Garten daher zusätzlich Futterstellen angeboten werden. Ein flaches Schälchen mit Igeltrockenfutter vermischt mit Katzendosenfutter, Weizenkleie oder Haferflocken ist hierfür ideal. Auf die Schalen mit Futter sollte allerdings gut Acht gegeben werden. Vernachlässigte oder verdreckte Futterstellen ziehen Ratten und somit Krankheitserreger an.

Gartenteiche und Vogeltränken stillen den Durst der Igel. Doch aufgepasst bei Teichen: Das Anbringen von „Rettungsplanken“ am Teichrand kann den Igeln bei einem Unfall helfen, wieder an Land zu kommen.

Milch sollten die Igel aber auf gar keinen Fall zu trinken bekommen, denn die stacheligen Gartenbewohner haben eine Laktoseintoleranz und können Milchzucker weder abbauen noch verwerten. Die Folge ist Durchfall, der sogar zum Tode führen kann. Auch Speisereste, Gemüse, Obst, rohes Fleisch und rohe Eier sind eher ungeeignet.

Ein Winterquartier für den Igel

Sobald die Bodentemperaturen null Grad erreichen, ist es für die niedlichen Tiere Zeit, sich in ihr Winterquartier zu begeben. Spätestens ab Mitte November schlafen die meisten Igel.

Wer Igeln in dieser kalten Jahreszeit etwas Gutes tun möchte, kann ihnen ab Herbst kleinere Unterschlupfmöglichkeiten für den Winterschlaf anbieten. Hierfür eignen sich zum Beispiel besonders gut Haufen aus Laub, Reisig und totem Holz in abgelegenen Gartenecken. Aber auch Steinhaufen, Hecken, Baumstümpfe und Erdmulden können gute Igelverstecke sein. Wer gerne kreativ ist, kann auch ein Igelhäuschen basteln. Eine Anleitung hierfür hat zum Beispiel der NABU.

Was tun bei kranken und verletzten Igeln?

Gesunden Igeln reicht ein gemütliches Winterquartier im Garten, mehr brauchen sie nicht. Der direkte Kontakt zum Menschen bedeutet für die Tiere Stress und sollte unbedingt vermieden werden. Auch sollten die Igel nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden, denn schnell gewöhnen sich die Tiere an die menschliche Versorgung und tun sich im Frühjahr schwer, in neuen Revieren zurecht zu kommen.

Anders sieht es jedoch aus, wenn Igel ein schütteres Stachelkleid haben, taumelnd auf der Seite liegen und eindeutig Verletzungen aufweisen. In diesen Fällen sollten die Tiere sofort zum Tierarzt oder in eine zugelassene Igelpflegestation gebracht werden. Hier kann den Igeln sachgerecht geholfen und vorab geprüft werden, ob ein aufgefundener Igel überhaupt menschliche Hilfe braucht. Dies gilt auch für auffallend unterernährte Jungtiere.

Wann ist ein Igel unterernährt?

Als unterernährt gelten Jungtiere dann, wenn sie unter 300 Gramm auf die Waage bringen. Meist kann man dies dem Tier bereits von der Seite ansehen: Hat der Igel hinter dem Kopf statt einem Hals eine Nackenfalte, ist er vermutlich sehr mager und bereits geschwächt.

Igel können Parasiten und Krankheiten übertragen

Wer einen kranken oder verletzten Igel zum Tierarzt gebracht hat oder anderweitigen Kontakt mit dem Tier hatte, sollte sich danach unbedingt gründlich die Hände mit warmem Wasser und Seife waschen und gegebenenfalls zusätzlich mit Handdesinfektionsmittel desinfizieren. Generell ist es ratsam den Igel nur mit Handschuhen anzufassen.

Ebenso ist eine gründliche Desinfektion der Igel-Behausung wichtig, um Erregerverbreitungen zu vermeiden.

Denn Igel können von zahlreichen Parasiten wie Zecken, Milben, Flöhen oder Würmern geplagt sein, die durchaus übergangsweise auch den Menschen befallen können. Neben Viren oder Hautpilzen ist auch eine Übertragung von bakteriellen Infektionserregern, wie beispielsweise Salmonellen, Listerien, oder den Erreger Diphterie-ähnlicher Erkrankungen Corynebacterium ulcerans, nicht auszuschließen.

Um derlei Krankheitserreger zu übertragen müssen die Tiere nicht einmal krank erscheinen. (Sie)

Stand: September 2019