Honig und mehr

Wollen Sie Hobby-Imker werden? Sie wären in guter Gesellschaft. 2010 gab es in Hessen rund 7.500 Imkerinnen und Imker, heute sind es schon 10.000. Einer davon ist Dieter Schott (Idstein). Im VerbraucherFenster erklärt er Monat für Monat die Grundlagen, was der Bienenzüchter zu tun hat und wie er aktuell mit „Corona“ umgeht. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise durchs Bienen-Jahr.

Bees_with_Pollen_landing.jpg

Bienen mit Pollenhöschen bei der Rückkehr in den Bienenstock

Beim letzten Mal haben wir uns mit den „technischen Daten“ des Honigs beschäftigt. Diesmal wird es praktisch. Es geht um Geschmack, Rezepte und praktische Tipps. Also, los!

Honig als Zuckerersatz: Bienenstich & Co.

Honig als Ersatz für den Zucker in Keksen und Kuchen – natürlich geht das! Den Unterschied beim Süßen von Backwaren haben auch schon viele Generationen vor uns gekannt. Süßes Gebäck kam vom Bäcker und wurde in der Regel mit Zucker gebacken. Die Spezialisten für die Verarbeitung von Gebäck mit Honig hatten eine eigene Berufsbezeichnung, man nannte sie die Lebküchler oder Pfefferküchler. Und heute erfreuen wir uns an einem guten Stück Bienenstich. Der heißt so, weil bei der klassischen Art dieses Kuchens Honig verwendet wird. Vor allem obendrauf in der Mandelmasse.

Wenn er zu warm wird, ist Honig einfach nur noch süß

Man kann einfach den Zucker durch die entsprechende Menge Honig ersetzen. Das geht immer und gibt einen guten Geschmack, aber gesünder wird das Gebäck dadurch nicht unbedingt. Honig besteht zum größten Teil auch aus Zuckern (die allerdings nicht industriell aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen wurden) sowie aus Wasser und diversen Enzymen – aber Letztere werden durch Temperaturen über 40 Grad Celsius zerstört. Somit bleibt nach dem Kochen oder Backen zwar immer noch der süße, leckere Honiggeschmack. Andere Inhaltsstoffe und die mit ihnen verbundenen gesundheitlichen Vorteile von Honig haben sich da dann aber schon verflüchtigt. Deswegen: Honig für den Geschmack ist immer gut (Stichwort Bienenstich), einfach nur als Süßungsmittel ist er aber eigentlich viel zu schade!

Und deshalb habe ich hier ein Rezept, zum Ausprobieren.

Cantuccini mit Honig

Die Zutaten:

175 g ganze Mandeln, gehäutet und getrocknet
250 g Mehl, gerne zur Hälfte als Vollkornmehl
75 g Zucker
75 g Honig
Vanille
Salz
25 g Butter
2 Eier

Und so geht es weiter:

Alle Zutaten verkneten und den Teig für 30 Minuten kaltstellen. Aus dem Teig Rollen mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimeter herstellen und diese auf Backpapier für etwa 12 Minuten bei 200 Grad Celsius vorbacken. Nachdem die Rollen abgekühlt sind, jeweils etwa einen Zentimeter dicke Scheiben schneiden und diese noch einmal für etwa zehn Minuten bei 180 Grad Celsius rösten. Sobald die Scheiben anfangen, braun zu werden, sind die Cantuccini fertig.

Honig zum Trinken: Wie wäre es mal mit Met?

Den Trunk kannten schon die Wikinger. Echter Met entsteht durch das Vergären des Honigs. Entweder als unerwünschte Spontangärung, wenn der Honig noch zu feucht ist oder wenn er Luftfeuchtigkeit aufgenommen hat, oder gezielt durch die Zugabe von Hefen und Wasser, so dass eine kontrollierte Gärung in Gang kommt. In jedem Fall entsteht aus dem Zucker des Honigs Alkohol. Und je nach verwendetem Honig hat der Met einen mehr oder weniger starken Eigengeschmack und auch eine charakteristische Farbe. Für noch mehr Geschmack können verschiedene Kräuter oder Gewürze hinzugegeben werden oder auch Früchte. Honig, der zusammen mit Kirschen vergoren wird, ergibt das sogenannte Wikingerblut.

Aber Achtung, falschen Met gibt es auch: Dabei handelt es sich um Wein, der einfach zusammen mit Honig aufgekocht wurde. Schmeckt ähnlich, ist in der Herstellung wesentlich einfacher und sollte deswegen auch wesentlich weniger kosten als der echte Met.

Weil die Gefahr beim Selbstansetzen mit Blick auf Schimmelbildung und Fehlgärungen nicht auszuschließen ist, rate ich dazu, den echten Met zu kaufen. Gerne auch bei einem Imker, der das Produkt selbst herstellt und anbietet.

Wenn der Honig fest wird: einfach aufschmelzen

Manche Honige bleiben monatelang flüssig, andere werden schon nach wenigen Wochen fest. Das hängt davon ab, aus welchem Nektar die Bienen den Honig gewonnen haben. Ist der Honig dann einmal fest geworden, kann er einfach wieder „aufgeschmolzen“ werden. Dafür stellt man das Honigglas in eine Schüssel mit handwarmem Wasser und wartet ein paar Stunden. Zwischendurch immer mal wieder warmes Wasser nachfüllen und nach einiger Zeit ist der Honig wieder flüssig geworden. Solange das Wasser handwarm bleibt, passiert dabei auch den wertvollen Inhaltsstoffen des Honigs nichts. Für das Bebrüten der Eier und Maden im Bienenstock halten die Bienen selber eine Temperatur von etwa 35 °C. Wenn diese nicht überschritten wird, ändert sich auch an dem Honig nichts.

Pollenkörner im Glas
Pollenkörner im Glas

Ein echtes „Abfallprodukt“: Pollen

Die Arbeiterinnen sammeln den Pollen als Eiweißquelle zur Zubereitung des Futtersaftes. Im Gegensatz zu dem Nektar, den sie in Ihrem Honigmagen transportieren, hängt der Pollen als „Höschen“ an ihren Beinen. Von dort kann ihn der Imker ernten, indem er vor dem Anflugloch des Bienenstocks ein Gitter anbringt, das so eng ist, dass die Bienen gut durchkommen, der Pollen jedoch abgestreift wird und in einer darunter stehenden Schale aufgefangen wird.

Pollen enthält etwa 30 Prozent Proteine und lebenswichtige Aminosäuren, viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, Enzyme und auch antibiotisch wirksame Bestandteile. Er wird gerne als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Für ihn gilt genau wie für Honig: Regional geht vor international – Achten Sie beim Kauf zum Beispiel im Reformhaus darauf, woher der Pollen kommt. Pollen, der in Deutschland angeboten wird, stammt häufig aus Übersee. Dort ist die Blütenlandschaft meist noch reicher als bei uns und auch die Erzeugung billiger. Ob dieser Vorteil den langen Transportweg aufwiegt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der heimischen Bienenhaltung mit all ihren Vorteilen für uns vor Ort helfen weit gereiste Bienenprodukte sicherlich nicht.

Propolis als Kittharz in einer Bienenbeute
Propolis als Kittharz in einer Bienenbeute

Ein Antibiotikum von den Bienen: Propolis

Propolis ist das Kittharz der Bienen. Es wird von den Bienen dadurch gewonnen, dass der harzige Überzug von Baumknospen abgetragen wird. Im Bienenstock wird das Harz dann zusammen mit Wachs und Pollen zu Propolis weiterverarbeitet. Propolis enthält viele Spurenelemente und wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze. Genau das ist der Grund, weshalb es im Bienenstock zum Verkitten und Auskleiden von Ritzen, Flächen und Hohlräume verwendet wird – natürliche Stockhygiene.

Propolis löst sich gut in Alkohol und findet beim Menschen Anwendung z. B. als Tinktur zur Behandlung kleinerer Wunden. Beim Kontakt mit reiner Propolis ist Vorsicht geboten: Menschen mit einer Neigung zu Allergien reagieren, ebenso wie bei Pollen, manchmal ziemlich stark auf dieses Bienenprodukt.

Im nächsten Beitrag dieser Serie geht es um die biologische und konventionelle Bienenhaltung. (scho)

Stand: Juni 2020