Heimreisende aufgepasst: Pflanzliche Souvenirs aus dem Ausland oft kritisch

Auf Marktständen und in Geschäften, bei fliegenden Händlern und sogar am Flughafen – vielerorts in fernen Ländern außerhalb der EU werden Touristen mit farbenprächtigen Angeboten von Blumen, exotischen Pflanzen und Früchten zum Kauf animiert. Doch Vorsicht – viele dieser Produkte dürfen nicht als Mitbringsel nach Deutschland eingeführt werden, ansonsten drohen empfindliche Bußgelder. Wo können sich Urlauber über die Einfuhrbestimmungen informieren?

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Hibiskusblüte

Pflanzengesundheitszeugnis ist Pflicht

Was viele nicht wissen: Viele Pflanzen und deren Teile – dazu gehören beispielsweise Schnittblumen, Früchte, Gemüse, Saatgut, aber auch Erde – dürfen nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen in die EU eingeführt werden. Das betrifft auch Mitbringsel und Geschenke, die im (Hand-)Gepäck von Flugpassagieren auf der Heimreise aus Nicht-EU-Ländern mitgebracht werden.

Der hessenweit tätige Pflanzenschutzdienst beim Gießener Regierungspräsidium (RP) macht darauf aufmerksam und rät Urlaubern, sich nicht von dem im Urlaubsland vermittelten Eindruck täuschen zu lassen, dass pflanzliche Mitbringsel ohne weiteres eingeführt werden dürfen. Das Gegenteil ist der Fall, denn viele dieser Produkte unterliegen der so genannten Pflanzenbeschauverordnung. Das bedeutet, dass Flugpassagiere bei der Einreise gegebenenfalls ein Pflanzengesundheitszeugnis (Phytosanitary Certificate) der zuständigen Behörde des Landes vorweisen müssen, aus dem die Ware stammt. Andernfalls werden die Produkte nicht zur Einfuhr zugelassen und müssen am Flughafen zur Vernichtung abgegeben werden. Damit nicht genug: Zusätzlich kassiert der Fluggast für diese Ordnungswidrigkeit eine gebührenpflichtige Verwarnung in Höhe von derzeit 55 Euro.

Schutz vor invasiven Arten

Hintergrund der Pflanzenbeschauverordnung ist, dass bereits mit einer Pflanze oder Frucht hierzulande nicht heimische Pflanzen und gefährliche Krankheiten, Schädlinge sowie Fruchtfliegen und/oder deren Larven eingeschleppt werden. Diese invasiven Arten oder Krankheiten bedrohen die heimische Umwelt und Landwirtschaft mit zum Teil verheerenden Folgen.

Verschärfte Einfuhrbedingungen

Ab September 2019 dürfen Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren sowie Weintrauben nur mit einem gültigen Pflanzengesundheitszeugnis in die EU eingeführt werden. Das gilt auch für den Handel über das Internet. Die Einfuhr von bestimmten Pflanzen, Schnittblumen sowie von Früchten und Gemüsen wie Mango oder Chili, Papaya, Kiwi und Avocado ebenso wie von Kartoffeln oder auch Erde ist dann komplett verboten. Das RP Gießen warnt vor im Internet kursierenden Hinweisen und Merkblättern, die Ausnahmen beispielsweise für Kleinmengen beschreiben. Diese seien nicht auf dem neuesten Stand.

Das RP Gießen weist darauf hin, dass ab 14. Dezember 2019 die neue EU- Pflanzengesundheitsverordnung in Kraft tritt. Ab diesem Zeitpunkt sind alle Pflanzen und deren lebende Bestandteile sowie alle Früchte – außer Ananas, Kokosnuss, Datteln, Durian und Bananen – von dieser für Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern geltenden Regelung betroffen.

„Oft denken die Reisenden, dass Pflanzen die auch bei uns wachsen, kein Problem sind. Dem ist aber nicht so, denn auch hier können gefährliche Schaderreger eingeschleppt werden“, so das RP Gießen.

Wie wird die Einhaltung der Bestimmungen überwacht?

Zukünftig wird der Pflanzenschutzdienst am Flughafen Frankfurt vermehrt Passagierkontrollen durchführen. Ziel ist, die Reisenden für das Thema zu sensibilisieren. Im Jahr 2020 ist geplant, mehr Aufklärungsarbeit über Videoclips und Poster in Kooperation mit Fraport und Lufthansa zu leisten.

Beratung

Bei Fragen können sich interessierte Verbraucher an den Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen wenden. Dort werden Anfragen oder Beratungswünsche per E-Mail entgegengenommen. (ack)

Stand: Juli 2019