Haben Sie schon von der Solidarischen Landwirtschaft gehört?

Die Umsetzung einer regionalen, ökologischen Lebensmittelversorgung durch eine bäuerliche Landwirtschaft mit fairen Löhnen und biologischer Vielfalt muss gar nicht so schwer sein. Der Zusammenschluss von Landwirten und Verbrauchern zu einer sogenannten solidarischen Landwirtschaft macht es möglich. Kennen Sie bereits das Konzept einer SOLAWI?

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Kinder ernten Kartoffeln

Was ist solidarische Landwirtschaft?

Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft, kurz: SOLAWI, ist denkbar einfach: Ein fester Kreis an Verbrauchern schließt sich mit einem landwirtschaftlichen Betrieb in der näheren Umgebung zu einer Gemeinschaft (Verein oder Genossenschaft) zusammen. Die Verbraucher finanzieren dann diesen Betrieb und stellen so die nötigen Mittel zur Lebensmittelerzeugung zur Verfügung, wie etwa Saatgut, Maschinen oder Arbeitskräfte.  Im Gegenzug erhalten die Verbraucher die erwirtschafteten Lebensmittel des Hofes. So entsteht ein eigener unabhängiger Wirtschaftskreislauf und das Einkommen des Landwirts ist gesichert. Besonders kleine und regionale Betriebe können durch das Konzept der solidarischen Landwirtschaft mit einem arbeitsintensiven aber dennoch abwechslungsreichen Lebensmittelangebot bestehen und gefördert werden.

Wie funktioniert SOLAWI?

Zu Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres berechnet der Landwirt seine anfallenden Betriebskosten für die jeweiligen Lebensmittelproduktionen und stellt diese den SOLAWI-Mitgliedern und Interessierten vor. Zu den Kosten zählen neben den Produktions- und Anbaukosten auch neue Investitionen, Personal- und Reparaturkosten – eben alle Aufwendungen, die über das Jahr bei der Bewirtschaftung des Hofes anfallen. Um diese Betriebskosten decken zu können, erwerben die  SOLAWI-Mitglieder sogenannte Ernteanteile.

Der Preis des Ernteanteils ist ein durchschnittlicher Betrag aus den Betriebskosten, der Mitglieder-Anzahl sowie der gewünschten Menge an Ernteanteilen. Je nach finanzieller Möglichkeit können die Mitglieder etwas mehr oder auch etwas weniger zahlen. Einige Solidargemeinschaften entscheiden dann mittels  einer sogenannten solidarischen Bieterrunde über den jeweiligen Preis des Ernteanteils. Sobald die Summe der anfallenden Betriebskosten feststeht, bietet jedes Mitglied anonym den Betrag, den es bereit ist für einen Ernteanteil zu zahlen. Wenn die nötige Summe zur Finanzierung des Hofes nicht durch den Gesamtbetrag aller abgegebenen Gebote der Mitglieder gedeckt werden kann, wird nochmal neu geboten. Wichtig ist, dass am Ende die Gesamtkosten des Hofes abgedeckt sind. Dann ist es unerheblich, wer welche Summe für den Ernteanteil zahlt.

Ein Ernteanteil reicht dabei in etwa für eine erwachsene Person. Die wöchentliche Lebensmittelmenge eines Ernteanteils ist jedoch abhängig davon, wie viel reifes Obst oder Gemüse geerntet werden konnte. Dieses wird dann gleichermaßen je nach Ernteanteilen unter den Mitgliedern der SOLAWI aufgeteilt. Wer beispielsweise zwei Ernteanteile besitzt, kommt die doppelte Menge der Lebensmittel.

Welchen Nutzen bietet eine Mitgliedschaft?

Wer einen sogenannten Ernteanteil bei einer SOLAWI gekauft hat, bekommt für das jeweilige Anbaujahr wöchentlich frisches ökologisch erzeugtes, saisonales und regionales Gemüse direkt vom Produzenten. Des Weiteren können die Mitglieder Einblick in die Lebensmittelerzeugung erhalten und diese sogar mitgestalten, beispielsweise indem sie bewusst auf einen natur-und klimaverträglichen Landbau setzen. Durch den persönlichen Bezug der Verbraucher zum Hof und zu den erwirtschafteten Lebensmitteln wird den Mitgliedern die gegenseitige Verantwortung bewusst. Nicht zuletzt fördern die SOLAWI-Mitglieder regionale Nachhaltigkeit und stärken die lokale Landwirtschaft.

Was hat der Landwirt von der solidarischen Landwirtschaft?

Die Landwirte produzieren ihre Lebensmittel nicht mehr für den regulären Markt, sondern für eine feste Anzahl an Konsumenten. Diese wiederum verpflichten sich für jeweils ein Jahr einen regelmäßigen Betrag an den landwirtschaftlichen Betrieb zu zahlen und gegebenenfalls  für gelegentliche Arbeiten auf dem Hof bereitzustehen. Auf diese Weise erhält der Landwirt eine gewisse Planungssicherheit und teilt mögliche Risiken der Landwirtschaft mit anderen, beispielsweise eine schlechte Ernte aufgrund der Witterungsbedingungen. Zudem erhält der Landwirt einen größeren Gestaltungsspielraum bei der Arbeit wie etwa eine tiergerechtere Haltung, eine gute landwirtschaftliche Praxis oder die Förderung der Bodenfruchtbarkeit, aber auch mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Wie gelangen die Lebensmittel vom Hof zum Verbraucher?

Die Lebensmittel werden wöchentlich vom Landwirt oder von den SOLAWI-Mitgliedern selbst verteilt. Auch hier gibt es unterschiedliche Handhabungen. So gibt es zentrale Sammelstellen, von wo aus die Mitglieder ihren Ernteanteil abholen können oder sogenannte Abholgemeinschaften, die abwechselnd die Lebensmittel am Hof abholen.

Wie kann ich bei der SOLAWI mitmachen?

Eine SOLAWI ganz in Ihrer Nähe finden Sie im Internet beispielsweise unter ernte-teilen.org. Mittels einer Deutschlandkarte können Sie hier nach einem Betrieb in Ihrer Umgebung suchen. Die Karte wird laufend aktualisiert.

Stand: Januar 2018