Haben Sie schon mal vom Wasserfußabdruck gehört?

In Deutschland werden durchschnittlich 3.900 Liter Trinkwasser pro Tag und pro Person verbraucht! Eine gewaltige Summe, denken Sie nun und fragen sich, wie diese Zahl zustande kommt und was Sie dagegen tun können?

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Wassertropfen troppft ins Wasser

Virtuelles Wasser und der Wasserfußabdruck

Wir nutzen Wasser nicht nur, wenn wir den Wasserhahn aufdrehen, etwa beim Duschen, Baden, Putzen, Waschen oder für die Toilettenspülung. Auch bei der Produktion von Lebensmitteln, Textilien und anderer Güter werden große Wassermengen eingesetzt, verschmutzt oder verdunsten. Davon bekommen wir zwar nicht direkt etwas mit, dennoch geht auch dieses Wasser auf unser Konto. Dieser unsichtbare Wasserverbrauch wird als virtuelles Wasser bezeichnet.

Mittels des sogenannten Wasserfußabdrucks kann die Gesamtmenge Wasser, welche von einer Nation, einem einzelnen Verbraucher, einem Unternehmen oder durch die Herstellung eines Produktes verbraucht wird, berechnet und dargestellt werden. Dabei bezieht der Wasserfußabdruck auch das virtuelle Wasser mit ein.

Der Wasserverbrauch hängt von verschiedenen Faktoren ab

Jedes Produkt hat seinen eigenen Wasserfußabdruck und die verbrauchten Wassermengen können unterschiedlich hoch sein. So sind die benötigten Wassermengen zum Beispiel abhängig vom Klima in der Anbauregion, der Produktionsstätte und dem dortigen Wassermanagement, den jeweiligen Herstellungsprozessen und genutzten Rohstoffen.

Da wir viele Güter importieren, verbrauchen wir auch viel Wasser, welches sich außerhalb Deutschlands befindet. Dies ist in wasserreichen Regionen weniger problematisch als in Wüstengebieten oder Regionen, die bereits mit Wasserknappheit zu kämpfen haben.

Deutschland hinterlässt besonders für Produkte aus Brasilien, der Elfenbeinküste oder Frankreich einen großen Wasserfußabdruck.

Einige Beispiele:

Für die Bewässerung des Baumwolle-, Getreide-, Obst- und Gemüseanbaus werden große Mengen Wasser verwendet, die je nach Region und Jahreszeit in der Bevölkerung fehlen können.
Werden die Pflanzen zudem mit Pestiziden behandelt, belasten diese zusätzlich die Böden und verschmutzen Gewässer. Dies führt unter anderem zu einem großen Wasserfußabdruck von Baumwolle (etwa 11.000 Liter pro Kilogramm).
Die Rindfleischproduktion hat ebenfalls einen großen Wasserfußabdruck. Schuld sind hier Trinkwasser, Stallreinigung oder die Bewässerung beim Anbau von Futtermitteln wie Heu oder Silage in Südamerika. Schnell kommen so 15.000 Liter Wasser für ein Kilogramm Fleisch zustande. Entstehende Abwässer und Wasserverschmutzungen sind hierbei noch nicht eingerechnet.

Um ein Blatt Papier herzustellen bedarf es zehn Liter Wasser, für eine Tasse Kaffee sind 140 Liter erforderlich. Bei der Herstellung eines Neuwagens liegt der Verbrauch bei bis zu 400.000 Liter Wasser.

Der Wasserfußabdruck Deutschlands in Zahlen

Deutschland verbraucht rund 117 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr. Damit entspricht der Wasserfußabdruck hierzulande mehr als dem Zweifachen des Bodensees. Umgerechnet auf die Einwohner bedeutet dies, dass am Tag pro Person 3.900 Liter Wasser verbraucht werden. Zum Vergleich: Der weltweite tägliche Wasserfußabdruck liegt bei knapp 3.800 Litern pro Person.

Nur 121 Liter entfallen davon auf den direkten Wasserverbrauch beim Putzen, Kochen oder Duschen. Den Großteil macht das virtuelle Wasser aus.

In Deutschland ist Wassersparen schon fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden. So ist der Verbrauch an sichtbarem Wasser in den Privathaushalten bereits seit 1991 um 23 Liter pro Kopf und Tag gesunken.

Den eigenen Wasserfußabdruck verringern – so einfach geht´s!

  • Beim Kauf von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen: Achten Sie auf Regionalität, Saisonalität sowie faire und ökologische Produktionsbedingungen.
  • Vor der Tonne bewahren: Beugen Sie Lebensmittelverschwendung vor, indem Sie einen bedarfsgerechten Lebensmitteleinkauf beherzigen.
  • Heute ist Veggietag: Wer seinen Fleischkonsum reduziert oder auf Biofleisch zurückgreift, kann ebenfalls Wasser einsparen.
  • Papier sparen ist Wasser sparen: Versuchen Sie möglichst wenig Papier zu verwenden. Vieles geht bereits online und per Apps auf dem Smartphone. Wenn doch mal eine Rechnung, Zugticket oder eine Konzertkarte ausgedruckt werden müssen, ist Recyclingpapier die wassersparende Option.
  • Muss es immer das neueste Smartphone oder die aktuellste Jeans sein? Wer technische Geräte, Autos und Textilien länger nutzt, kann auch hierüber seinen persönlichen Wasserfußabdruck verringern.
  • Und wenn doch mal was kaputt geht? Werkstätten, Handy-Doktor, Schneider und Repair-Cafés  können helfen!
  • Immer und überall: Wasser sparen sollte nicht nur für die eigenen vier Wände gelten, sondern auch auf der Arbeit und im Urlaub.

Stand: Januar 2019