Glas, Verbundkarton oder PET – was ist wirklich umweltfreundlich?

Viele Menschen möchten möglichst umweltbewusst handeln und versuchen auch bei Lebensmittel- oder Getränkeverpackungen eine ökologische Alternative auszuwählen. Mineralwasser beispielsweise, gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland. Angeboten wird es, wie viele andere Getränke, in PET-, Glasflaschen oder im Verbundkarton (Tetra Pak ®). Doch welche Verpackung ist tatsächlich die umweltverträglichere?

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Plastikflaschen

Viele Europäer halten Glas für das nachhaltigste Verpackungsmaterial

Laut einer aktuellen Umfrage der Kampagne „Friends of Glass“, in welcher 17.300 Europäer aus 11 Ländern befragt wurden, recyceln 94 Prozent der Teilnehmer Haushaltsverpackungen. Dabei ist Glas, aus Sicht der Befragten, der nachhaltigste Wertstoff und somit auch die beliebteste Verpackung weit vor Plastik, Aluminium oder Pappkartons. Doch stimmt das? Ist Glas tatsächlich so viel umweltschonender?

Glas versus Verbundkarton 

Rundum recycelbar, doch beim Gewicht hapert´s: Glas
Zunächst das Gute: Glas ist zu 100 Prozent wiederverwertbar: Entweder werden die Glasflaschen dem Hersteller zur Neubefüllung zurückgegeben, eingeschmolzen und zu neuem Glasprodukten verarbeitet oder selbst weiterbenutzt, etwa zum Marmelade einkochen. Mehrwegglasflaschen können dabei bis zu 50-mal wieder befüllt werden und Einwegglas beliebig oft zu neuen Glasprodukten recycelt werden.

Allerdings ist für das Einschmelzen des alten Glases sowie der Herstellung von neuem ein hoher Energieeinsatz nötig. Zudem weisen Glasprodukte ein wesentlich höheres Gewicht auf, als etwa Verbundkarton. Dies schlägt sich besonders beim Transport von Lebensmitteln mit einer höheren CO2-Bilanz direkt nieder.

Sieger in der Gewichtsklasse: Verbundkarton
Zwar enthält Verbundkarton neben 75 Prozent Kartonage auch etwa 21 Prozent Kunstsoff sowie bei ungekühlt haltbaren Produkten zusätzlich ca. vier Prozent Aluminium, nichtsdestotrotz ist der CO2-Fußabdruck ungefähr 63 Prozent geringer als beim Verpackungsmaterial Glas. Ausschlaggebend hierfür ist, im Vergleich zur Glas-Alternative, das Gewicht dieser Lebensmittelverpackungen. Denn auf diese Weise verringert sich der Energieverbrauch auf dem Transportweg.

PET – Mehrweg oder Einweg, das ist hier die Frage

PET-Mehrweg
Ebenso wie die Mehrweg-Glasflaschen, können auch die Mehrweg-PET-Flaschen wieder befüllt werden. Mit bis zu 25-mal kommen sie jedoch leider noch nicht ganz an das Äquivalent aus Glas heran. Aber dennoch: Auch hier sorgt das leichtere Gewicht der PET-Flaschen zum Wiederverwenden für eine günstigere CO2-Bilanz.

Allerdings sind die Rohstoffe zur Herstellung der Mehrweg-PET-Flaschen nicht unbegrenzt vorhanden. Außerdem ist der Energieaufwand zur Herstellung der Flaschen zwar in den letzten Jahren deutlich verringert worden, aber dennoch nach wie vor sehr hoch.

PET-Einweg
Im Vergleich zur Mehrwegflasche, wird die PET-Einweg-Verpackung lediglich einmal befüllt. Ganz klar, dass alleine hier die wiederverwendbare Alternative wesentlich umweltfreundlicher abschneidet. Ebenfalls problematisch: Nur 25 Prozent der Einwegflaschen sind recycelbar und die Herstellung neuer Flaschen bedarf ebenfalls eines relativ hohen Energieaufwands. Zwar gilt das Granulat aus geschredderten PET-Einwegflaschen als wertvoller Rohstoff, dennoch kann nur die Hälfte des Granulats für die Herstellung neuer Flaschen verwendet werden. Grund dafür ist, dass bei den mechanischen Wiederaufbereitungsverfahren die Kunststoffmoleküle beschädigt werden.

Fazit

Mehrwegverpackungen aus der Region sind die unweltfreundlichste Verpackungsalternative. Hier werden unnötige Abfälle vermieden, ganz gleich, ob es sich bei der Mehrwegverpackung um PET oder Glas als Ausgangsmaterial handelt.

Außerdem verbrauchen Rücktransport und Reinigung der Mehrweg-Verpackungen weniger Energie, als die Herstellung von neuen Einwegflaschen. Je kürzer die Transportstrecken der Mehrweg-Flaschen, auch für den Rücktransport, umso besser schneidet zusätzlich die CO2-Bilanz ab. Deswegen sollte am besten beim Einkauf auf regionale Hersteller geachtet werden.

Ob Sie sich aber für Mehrweg-PET-Flaschen oder aber für Glasflaschen entscheiden, bleibt dann Geschmackssache.

Stand: September 2017

Was bedeutet eigentlich…

PET: PET steht als Abkürzung für den Kunststoff Polyethylenenterephthalat. Dieses Material dient nicht nur zur Herstellung von Verpackungen, sondern auch als Ausgangsmaterial von Fasern und Textilien. Weltweit werden jährlich etwa 13,5 Milliarden Flaschen aus diesem Kunststoff produziert.

CO2-Fußabdruck/CO2-Bilanz: Der CO2-Fußabdruck gibt die Bilanz der CO2-Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produktes an. Dies beinhaltet Herstellung, Gewinnung, Transport der Rohstoffe und Vorprodukte, Produktion, Nutzung, Nachnutzung, Entsorgung, Recycling etc.