Fragen zu Recyclingpapier?

Recyclingpapier spart nicht nur Energie, Holz und Papier, seine Qualität wird auch immer besser. Welche Eigenschaften hat Recyclingpapier heute? Das VerbraucherFenster klärt die häufigsten Fragen und Antworten rund um Recyclingpapier: Welche Vorteile hat es, kann man es archivieren, wie ist die Optik, welches ist empfehlenswert oder ist es teurer?

Pappe Papier Recycling dbvirago - fotolia.com_.jpg

Pappe, Papier und Kartonagen gebündelt

Welche Eigenschaften hat Recyclingpapier heute und warum ist es umweltfreundlicher?

Die Produktion von Recyclingpapier hat sich enorm weiter entwickelt. Danach besitzt Recyclingpapier heute zahlreiche Vorteile. Welche sind das genau? Wie weiß ist heute Recyclingpapier? Lässt es sich gut archivieren? Gibt es Empfehlungen für Kauf und Verwendung? Diese und weitere Fragen beantwortet das Umweltbundesamt (UBA) in einem aktuellen Hintergrundpapier:

10 Fragen – zehn Antworten

Welche Vorteile hat die Herstellung von Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier? Bei Recyclingpapier überwiegen die ökologischen Vorteile deutlich gegenüber Frischfaserpapier. Zur Herstellung (aus Altpapier durch Auflösen und Reinigen) muss kein Holz gerodet werden. Recyclingpapier wird auch nicht so intensiv gebleicht wie Frischfaserpapier. Zur Gewinnung wird somit nur ca. die Hälfte an Energie benötigt und auch eine weitaus geringere Wassermenge. Dadurch verringert sich die Nachfrage nach Holz, Wälder werden geschont. Da Altpapier wiederverwertet werden kann, wird mit recyceltem Papier gleichzeitig Abfall vermieden.

Wie weiß ist heute Recyclingpapier? Verbraucher und Arbeitgeber können zwischen Recyclingpapier mit 60er, 70er oder 80er Weiße (nach ISO 2470) wählen. Wenn sehr weißes Papier gewünscht ist, gibt es sogar Recyclingpapier mit 100er Weiße. Aus ökologischer Sicht sollte das Papier nur so weiß wie nötig sein, weil mit einer höheren Weiße auch aufwendigere Aufbereitungsmaßnahmen (Bleiche) und höhere Faserverluste verbunden sind.

Hat Recyclingpapier eine gute Optik? Ja, das belegt sogar eine Untersuchung. In einer bundesweit repräsentativen Statistik von TNS Emnid wurde gezeigt, dass ein auf Recyclingpapier gedrucktes Magazin gleich gut bewertet wird, wie ein inhaltlich identisches Magazin auf Frischfaserpapier. Optik, Farbwiedergabe und Bildqualität sind bei Recyclingpapier mit dem Blauen Engel so hervorragend, dass es die Firma Xerox sogar in einem Zertifikat bestätigt hat.

Lässt sich Recyclingpapier ohne Probleme archivieren? Ja, Recyclingpapier lässt sich genauso gut archivieren wie Papier aus frischen Holzfasern. Die Archivierbarkeit von Papier ist an zwei verschiedenen Normenkennzeichnungen zu erkennen, die die Papierqualität ausweisen. Dies sind die so genannte DIN ISO 9706 und die DIN 6738 mit der LDK 24-85. LDK steht für Lebensdauerklassen. Papierprodukte, die diesen Normen entsprechen, sind für eine dauerhafte Aufbewahrung optimal geeignet.

Werden aus Recyclingpapier Stoffe emittiert? Ja, es kommt zu Emissionen aus Recyclingpapier. Dies sind flüchtige organische Verbindungen (VOC=Volatil Organic Compounds), die während des Kopierens durch das Erhitzen des Papiers entstehen können. Diese Verbindungen stammen aus dem verwendeten Altpapier (z. B. Druckfarben und Beschichtungen, die nicht vollständig entfernt werden konnten). Recyclingpapier mit dem Blauen Engel wird auf dieses Emissionspotential geprüft und darf bestimmte Werte nicht übersteigen. Damit kümmert sich der „Blaue Engel“ nicht nur Umweltgesichtspunkte, sondern auch um den vorsorgenden Verbraucherschutz.

Welches Papier empfiehlt das Umweltbundesamt?

Das Umweltbundesamt empfiehlt für den grafischen Bereich Recyclingpapier, das den Kriterien des Blauen Engels nach RAL-UZ 14 entspricht. Dieses Recyclingpapier verbindet hohe Ansprüche an die Archivierbarkeit und an die Optik mit den Zielen des Umweltschutzes am besten. Recyclingpapierprodukte mit dem Blauen Engel haben unterschiedliche Weiße-Grade. Papier mit dem höchsten Weiße-Grad 100 (nach ISO 2470) empfiehlt das Umweltbundesamt nicht, da dies nur durch einen hohen Anteil besserer Altpapiersorten zu erzielen ist. Für Institutionen, die nicht auf hohe Weiße verzichten wollen, sind 70er und 80er Weiße empfehlenswerte Alternativen. 

Wofür steht der „Blaue Engel“ beim Recyclingpapier?

Der „Blaue Engel“ ist ein Umweltzeichen. Für grafische Papiere nach RAL-UZ 14 müssen mindestens 65 Prozent an Altpapiersorten eingesetzt werden. Damit trägt dieses Papier zur Ressourcenschonung durch eine moderne Verwertung dieser Abfälle bei. Die bei der Aufbereitung eingesetzten Chemikalien müssen sicher sein. Besonders kritische Chemikalien und solche die technisch vermeidbar sind, wie optische Aufheller, dürfen nicht verwendet werden. D. h. viele Stoffe, die im Frischfaserpapier enthalten sein können, dürfen für Recyclingpapier mit dem Blauen Engel nicht verwendet werden. Außerdem werden viele Chemikalien, wie zum Beispiel Weichmacher, durch die Reinigungsprozesse (Deinking) bei der Altpapieraufbereitung ausgeschleust.

Wie lässt sich konsequent Papier sparen?

Einsparungspotentiale, die leicht zu realisieren sind, gibt es vor allem im Büroalltag. Effizient ist, das Betriebssystem von Druckern am Arbeitsplatz auf doppelseitiges Drucken voreinzustellen. Wenn dabei energieeffiziente Drucker, Kopierer, Multifunktionsgeräte und Faxgeräte mit Duplexfunktion verwendet werden, wird nicht nur der Papierverbrauch gesenkt, sondern auch Strom an den Geräten gespart. Zusätzlich hilft es, überflüssige Ausdrucke zu vermeiden.

Nicht mehr benötigte Papiere und Verpackungen sollten in das Altpapier wandern. Viele Informationen lassen sich digital archivieren oder sind tagesaktuell im Internet zu finden, so dass die Papierflut eingeschränkt werden kann.

Bei Publikationen lassen sich Einsparungen auch durch leichtere, dünnere Papiere und knapp kalkulierte Auflagen realisieren.

Ist Recyclingpapier teurer als Frischfaserpapier?

A4-Recyclingpapiere mit dem Blauen Engel in 70er und 80er Weiße kosten fünf bis zehn Prozent weniger als vergleichbare Frischfaserpapiere. Die 90er Weiße kostet etwa gleich viel. Die 100er Weiße kostet knapp zehn Prozent mehr.

Wie sollen Papierhandtücher entsorgt werden?

Gebrauchte, nur leicht verschmutzte Papierhandtücher, Küchentücher sowie Servietten, Papiertaschentücher und ähnliche Papierprodukte können genauso wie Papier recycelt und in den dafür vorgesehenen Behältern für Altpapier entsorgt werden. All diese Produkte enthalten zwar sogenannte Nassfestmittel, damit sie sich beim Kontakt mit Wasser nicht gleich auflösen, für die Altpapieraufbereitung stellt das aber kein Problem dar. Eine Ausnahme bilden stark verschmutzte Papierhandtücher: In kleineren Mengen können sie als Bioabfall entsorgt werden, größere Mengen gehören in den Restmüll.

Quelle: Umweltbundesamt (17.02.2015) / Auszug aus dem Hintergrundpapier