Bienenvölker im Frühjahr

Wollen Sie Hobby-Imker werden? Sie wären in guter Gesellschaft. 2010 gab es in Hessen rund 7.500 Imkerinnen und Imker, heute sind es schon 10.000. Einer davon ist Dieter Schott (Idstein). Im VerbraucherFenster erklärt er ab jetzt Monat für Monat, worum es geht, was der Imker zu tun hat und wie er aktuell mit „Corona“ umgeht. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise durchs Bienen-Jahr.

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Biene auf Salweide

Der Winter ist vorüber, die Natur erwacht und auch die Honigbienen verlassen wieder Ihren Bienenstock. Für sie beginnt eine arbeitsame Zeit, die ich Ihnen näherbringen möchte, liebe Leserinnen und Leser des VerbraucherFensters. Wir Imker selbst haben aktuell zum Glück noch nicht viel zu tun. Wir können in Zeiten wie diesen, wo wir wegen Corona Begegnungen meiden sollen, die fleißigen Bienen erst einmal machen lassen. Denn die kriegen das ganz gut alleine hin. Zumindest jetzt im Frühjahr.

Es wird wieder wärmer

Wenn die Temperaturen auf über 10 Grad Celsius Lufttemperatur steigen, es nicht zu windig und außerdem trocken ist, verlassen die Arbeiterinnen ihren Bienenstock zu einem ersten kurzen Ausflug. Dieser kann schon im Januar an einem sonnigen Wintertag erfolgen oder auch erst an einem warmen Frühlingstag im März, wenn der Winter lang und kalt war.

Der erste Flug nach der Winterpause dient der Stockhygiene: Auf dem Reinigungsflug entleeren die Arbeiterinnen ihre Kotblasen. Erfolgt das in der freien Natur, fällt das nicht weiter auf, stehen die Bienen in der Nähe von Wohngebieten, gibt es schon mal den ein oder anderen kleinen braunen Fleck auf der Wäsche, die zum Trocknen aushängt oder auf dem Autolack. Aber keine Angst: Mit ein bisschen warmen Wasser lässt sich das wieder abwaschen.

Was macht der Imker?

Er muss zu diesem Zeitpunkt nichts tun – aber er freut sich, dass seine Völker den Winter überlebt haben und wieder ausfliegen. Ein gelegentlicher Futter-Check ist empfehlenswert. Der Rest geschieht im Bienenstock.

Bienen, Honigbienen, Arbeiterinnen, wer ist wer?

Bienenstock ist ein gutes Stichwort. Klären wir doch erst einmal, wer da so alles herumfliegt. Die wichtigste Unterscheidung bei den Bienen ist die in die Wild- und Honigbienen.

Wildbienen leben meist einzeln oder in sehr kleinen Gruppen, in der freien Natur und ohne, dass sie vom Menschen betreut werden. Häufig sind sie Spezialisten, die nur an ganz bestimmten Standorten existieren können, für die sie sehr gut angepasst sind.

Honigbienen sind die vom Menschen gehaltenen und auch zur Honiggewinnung genutzten Insekten. Sie sind staatenbildend. Das heißt, sie leben in großen Gemeinschaften, den Völkern, die jeweils eine Königin, viele Arbeiterinnen sowie Drohnen umfassen. Um die Honigbiene wird es in diesem und folgenden Beiträgen gehen.

Das Bienenvolk im Winter

Die kalte Jahreszeit haben die Arbeiterinnen der Honigbiene mit ihrer Königin aber ohne Drohnen (männliche Bienen) im Bienenstock verbracht, dicht zusammengedrängt in der sogenannten Wintertraube: In der Mitte sitzt die Königin des Volkes, die von ihren Arbeiterinnen umgeben und warmgehalten wird. Die Arbeiterinnen fressen das eingelagerte Futter, verbrennen die darin enthaltenen Kalorien und erzeugen dadurch Wärme. Damit die Arbeiterinnen, die auf der Außenhaut der Wintertraube sitzen, nicht zu stark auskühlen, herrscht in der Traube ein ständiges Kommen und Gehen: Die Arbeiterinnen von außen drängen in die Mitte, die von der Mitte gehen nach außen, so dass alle genug Wärme abbekommen und keine erfriert.

Das im vorherigen Spätsommer in den Bienenstock eingelagerte Futter, von dem das Volk jetzt lebt, muss bis etwa Ostern reichen – solange, bis es in der Natur wieder Nektar aus den ersten Blüten von Apfel, Pflaume oder Kirsche und etwas später dann auch vom Raps, geben wird.

Was macht der Imker?

Er reinigt in der kalten Jahreszeit die Kästen, repariert kleinere Schäden an seinem Bienenstand und bereitet alles für das neue Jahr vor: In die Rähmchen werden dünne Wachsplatten (Mittelwände) eingelötet, die es den Bienen erleichtern, schon zeitig im Frühjahr mit dem Wabenbau zu beginnen. Ein wenig handwerkliches Geschick schadet nicht.

Eiweißnahrung im Frühjahr

Das kalorienreiche Futter ist aber nur das Eine. Mindestens genauso wichtig und im Frühjahr für die Aufzucht von jungen Bienen dringend erforderlich, ist Pollen als Eiweißlieferant. Schon lange bevor die Arbeiterinnen wieder Nektar, die zuckerhaltige Flüssigkeit aus Blüten, sammeln können, gibt es den Pollen von den Frühblühern, allen voran der Salweide.

Dass die Arbeiterinnen Pollen finden und in den Stock tragen, ist an ihren gelben Höschen bei der Rückkehr in den Bienenstock zu erkennen. Diese Höschen sind eine Mischung aus den Pollen aller Blüten, die die Arbeiterin angeflogen hat.

Doch sie tragen den Pollen nicht nur in den Stock, sondern verteilen den Pollen auch zwischen allen angeflogenen Blüten - sie bestäuben diese und ermöglichen den Pflanzen damit, Früchte zu tragen. Diese Bestäubungsleistung mit den daraus resultierenden Erntemengen von Obst und Gemüse macht Wild- und Honigbienen zu einem sehr wichtigen Teil im Kreislauf der Lebensmittelerzeugung.

Was macht der Imker?

Er freut sich an seinen Bienen und engt den Platz im Bienenstock so weit ein, dass er der Größe des Bienenvolkes nach der Winterpause angemessen ist und die Arbeiterinnen nicht zu viel wärmen und reinigen müssen. Viel zu tun für den Imker gibt es jetzt noch nicht.

Beginn des Bienenjahres

Mit der Blüte der Salweide hat das Bienenjahr begonnen. Jetzt kommt es für das Bienenvolk darauf an, dass das über den Winter geschrumpfte Volk schnell wieder erstarkt, um viele Arbeiterinnen für die Brutpflege, den Transport von Pollen und Nektar im Bienenstock selbst, das Sammeln von Pollen und Nektar, die Bewachung des Bienenstocks und noch für viele andere Aufgaben zu haben.

Sobald durch die Arbeiterinnen Pollen der Frühblüher eingetragen wird, beginnt die Königin verstärkt Eier zu legen. Aus diesen schlüpfen nach 21 Tagen neue Arbeiterinnen. Diese können dann bei der Brutpflege helfen, so dass die Königin noch mehr Eier legen kann, woraus auch wieder Arbeiterinnen schlüpfen.

Später im Jahr wird die Königin neben Eiern, aus den sich die Arbeiterinnen entwickeln, auch Eier legen, aus denen männliche Bienenwesen, die Drohnen, schlüpfen. Und zur Schwarmzeit im Mai entscheidet das Volk, ob es mehrere neue Königinnen heranziehen möchte, die dann neue Bienenvölker gründen können.

Ist das Bienenvolk stark genug geworden, trägt es neben dem Pollen dann auch Nektar ein. Dieser wird vom Volk im Frühjahr als Energielieferant benötigt, wenn das im Vorjahr eingelagerte Futter aufgebraucht ist und kann im Sommer dann vom Imker als Honig geerntet werden.

Beim nächsten Mal lesen Sie: Arbeiterin, Drohn und Königin

Im nächsten Teil der Serie wird es um darum gehen, wie die Entstehung von Arbeiterinnen, Drohnen und Königinnen vom Bienenvolk und seiner Königin gesteuert wird, welche Aufgaben diese verschiedenen Bienenwesen haben und wie sie unterschieden werden können. (scho)

Stand: März 2020