Bienenhaltung – biologisch oder konventionell?

Wollen Sie Hobby-Imker werden? Sie wären in guter Gesellschaft. 2010 gab es in Hessen rund 7.500 Imkerinnen und Imker, heute sind es schon 10.000. Einer davon ist Dieter Schott (Idstein). Im VerbraucherFenster erklärt er Monat für Monat die Grundlagen der Bienenhaltung. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise durchs Bienen-Jahr.

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Biene auf einer Blüte

Es ist völlig natürlich und vollkommen logisch – aber ich sage es trotzdem: Natürlich können und werden auch biologisch gehaltene Bienen konventionell bewirtschaftete Felder anfliegen. Wie könnte es auch anders sein! Dennoch gibt es Unterschiede in der Bienenhaltung von Bio-Imkern und konventionellen Imkern. Um diese unterschiedlichen Wirtschaftsweisen geht es in diesem Teil der Serie.

Der Standort ist wichtig

Biologisch wirtschaftende Imker arbeiten nach den Richtlinien ihrer Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland - oder einfach nach der EG-Bio-Verordnung. In allen diesen Vorgaben wird besonderer Wert auf den Standort der Bienenvölker gelegt. Insbesondere sollen die Beuten – also die Behausungen – in der Nähe von biologisch bewirtschafteten Flächen oder Wildflächen aufgestellt werden. Also werden die Bienen aller Voraussicht nach auch zuerst dort den Nektar sammeln. Da aber Deutschland ein dicht besiedeltes Land ist, die meisten Ackerflächen nach wie vor konventionell bewirtschaftet werden und Bienen einen Flugradius von etwa zwei Kilometer besitzen, ist klar, dass sie auch Nektar von nicht-biologisch angebauten Pflanzen sammeln können. Warum der von Bio-Imkern gewonnene Honig trotzdem die Bezeichnung „Bio-Honig“ verdient? Das erkläre ich jetzt.

Die Haltung ist alles

Vielleicht erinnern Sie sich, dass ich in dem dritten Teil dieser Serie über das Schwärmen der Bienen geschrieben habe. Dass sich der Imker entscheiden muss, ob er mit dem Schwarmtrieb seiner Völker arbeitet oder ob er versucht, diesen mit diversen Tricks zu unterbinden. Für Imker, die nach den Demeter-Richtlinien für die biologisch-dynamische Bienenhaltung arbeiten, stellt sich diese Frage nicht. Für sie ist vorgegeben, dass „möglichst nah am Schwarm“ gearbeitet werden muss, dass also das Schwärmen grundsätzlich akzeptiert wird und der Imker überlegt, wie er mit diesem natürlichen Verhalten umgeht. Und eben nicht überlegt, wie er das Schwärmen verhindern kann. Auch bei den anderen Bio-Verbänden ist vorgegeben, dass Völker unter Berücksichtigung des Schwarmtriebs vermehrt werden sollen. Der konventionelle Imker ist an diese Vorgaben nicht gebunden.

So ist es auch mit vielen anderen Arbeiten, die der Imker mit seinem Nutztier, der Biene, durchführt: In der biologischen Bienenhaltung stehen die Haltung der Bienen und der Umgang mit ihrem natürlichen Verhalten im Mittelpunkt. Und weniger eine möglichst effiziente Bienenhaltung mit einem möglichst hohen Honigertrag.

Beschneiden eines Königinnenflügels ist in der Bio-Imkerei tabu

Auch unter konventionell arbeitenden Imkern stark umstritten ist das Beschneiden eines Teils eines Königinnenflügels. Es dient dazu, die Königin flugunfähig zu machen und so das Schwärmen zu unterbinden oder es zumindest stark zu erschweren. Das Beschneiden eines Teils eines Flügels ist wohl schmerzfrei für die Königin und es wird berichtet, dass die Königin nach diesem Beschneiden im Volk selbst kein anderes Verhalten an den Tag legt. Trotzdem ist das Beschneiden für Bio-Imker aber auch für viele konventionelle Imker tabu. Für sie steht die Königin als Lebewesen im Mittelpunkt, deren natürliches Verhalten auch beim Schwärmen nicht durch einen solch massiven Eingriff unterbunden werden darf.

Wohnung aus Styropor?

Bienenbeuten aus Styropor sind leicht und haben eine prima Isolierung. Allerdings besteht bei ihnen, genau wie bei einem Wohnhaus, das hervorragend isoliert ist, die Gefahr von Schimmelbildung. Bei einem Haus wird dieses Problem dadurch gelöst, dass z. B. Niedrigenergiehäuser eine Lüftungsanlage besitzen. Bienen können Ihre Beute ebenfalls lüften, indem sie viel Luft hineinfächeln. Allerdings reicht das gerade bei Styroporbeuten manchmal nicht mehr aus und deswegen sind oft gerade nach dem Winter die Randwaben in diesen Beuten verschimmelt. Dieser Schimmel kommt zwar nicht mit dem Honig in Kontakt – trotzdem ist in der biologischen Imkerei vorgegeben, dass die Beuten ausschließlich aus natürlichem Material bestehen dürfen. Oft handelt es sich dabei um das Holz der Weymouth-Kiefer, das relativ leicht ist.

Das Wachs läuft im Kreis

Viele biologisch arbeitende Imker sind bestrebt, einen eigenen Wachskreislauf aufzubauen. Wachs ist der Universal-Baustoff der Bienen in der Beute. Aus ihm werden die Waben gebildet, die der Lagerung von Pollen und Honig sowie der Aufzucht des Nachwuchses dienen. Im Laufe der Zeit sammeln sich im Wachs Überreste aus der Larvenentwicklung und es verfärbt sich dunkel. Außerdem können sich im Wachs fettlösliche Rückstände, wie etwa Pestizide, anreichern. Aus diesen Gründen müssen die Waben in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden.

In der Natur geschieht dies durch das Schwärmen und die regelmäßige Neubildung von Völkern. In der Bienenhaltung entnimmt der Imker alte Waben und ersetzt sie durch neue Rähmchen. In diesen Rähmchen können schon Wachsplatten, sogenannte Mittelwände, befestigt sein, auf denen die Bienen ihre Waben nur noch aufbauen müssen. Alternativ – und bei den Bio-Imkern fast immer – können nur kleine Anfangs-Mittelwandstreifen in den Rähmchen befestigt werden, sodass die Bienen den größten Teil der Mittelwände sowie die Waben selbst herstellen müssen. Letzteres kostet die Bienen Zeit und Energie und führt zu einem geringeren Honigertrag, ist aber der natürlichere Umgang mit dem Bautrieb der Bienen.

Das Wachs für die neuen Mittelwände wird von konventionellen Imkern oft im Imkerfachhandel gekauft - immer verbunden mit dem Risiko, dass nicht bekannt ist, was dort ggf. noch beigemischt wurde. Die meisten biologisch wirtschaftenden Imker schmelzen nach der Honigernte Waben aus dem Honigraum ein und erhalten so von den Bienen selbst gebildetes, garantiert reines Wachs, das dann wieder zum Beispiel für Mittelwandstreifen verwendet werden kann. Es entsteht ein sogenannter Wachskreislauf.

Varroa und Einfütterung

Mit dem Thema Varroa und Einfütterung der Bienenvölker werde ich mich erst im nächsten Teil dieser Serie beschäftigen. Dennoch möchte ich jetzt schon kurz darauf eingehen, weil auch hierbei Unterschiede zwischen der konventionellen und der biologischen Imkerei bestehen.

Die Varroamilbe ist ein Parasit, der in nahezu jedem Bienenvolk in Europa vorhanden ist. Sie überträgt verschiedene Krankheiten. Völker, die nicht gegen diese Milbe behandelt werden, werden nach wenigen Jahren sterben. Somit ist eine Behandlung gegen Varroa sowohl in der konventionellen als auch der biologischen Imkerei unumgänglich. Der Unterschied ist, dass in der biologischen Imkerei ausschließlich organische Säuren (Ameisen-, Milch- und Oxalsäure) als Arzneimittel erlaubt sind, wohingegen in der konventionellen Imkerei auch chemisch-synthetische Mittel eingesetzt werden dürfen.

Honig, der durch die Bienen eingelagert wird, soll dem Bienenvolk eigentlich als Futtervorrat für den kommenden Winter dienen. Entnimmt der Imker Honig, muss er seinen Bienen einen Futterersatz geben: In der Regel ist dies Zucker. Der Unterschied zwischen konventionell und biologisch wirtschaftenden Imkern ist, dass der biologisch wirtschaftende Imker den Bienen oft noch einen Teil des Honigs belässt. Er verzichtet also bewusst auf einen Teil der Ernte. Außerdem verwendet der Bio-Imker für das Einfüttern Zucker aus biologischer Landwirtschaft.

Zusammengefasst gilt, dass Bio-Honig an sich nicht immer und unbedingt nachweislich „besser“ ist. Allerdings hält und behandelt ein Bio-Imker seine Völker in der Regel naturnäher als ein konventionell wirtschaftender Imker.

Im nächsten und letzten Teil der Serie geht es um die Vorbereitungen der Bienenvölker für den kommenden Winter. (scho)

Stand: Juli 2020