Bäume pflanzen fürs Klima – wirklich nachhaltig oder Greenwashing?

Viele Unternehmen werben damit Bäume zu pflanzen und in Aufforstungsprojekte zu investieren. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher spenden häufig für Baumpflanzaktionen und kompensieren so beispielsweise ihre Urlaubsreisen mit dem Flugzeug. Doch ist das wirklich nachhaltig oder nur ein grüner Anstrich?

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Gepflanzte Setzlinge

Bäume pflanzen, um den Klimawandel zu verlangsamen oder sogar umzukehren – klingt gut und simpel. Kein Wunder, dass viele Unternehmen in Aufforstungsprojekte von speziellen Anbietern investieren. So sollen CO2- Emissionen - zumindest rechnerisch - ausgeglichen werden und Produkte als „klimaneutral“ vermarktet werden. Aber nicht nur Firmen haben Aufforstungsprojekte für sich entdeckt. Immer mehr Privatpersonen spenden für Ausgleichsvorhaben oder beteiligen sich an Baumpflanzaktionen bei Umweltschutzorganisationen. Ganz einfach wird so für manchen mit dem gepflanzten Baum ein Konsum ohne Reue möglich. Bei vielen Menschen kommt dieses grüne Versprechen gut an, denn sie wollen beim Einkauf darauf achten, wie nachhaltig oder klimafreundlich die Produkte und Hersteller sind.

Wahllos Bäume pflanzen ist nicht sinnvoll

Das Prinzip bleibt immer das gleiche: Organisationen pflanzen im Auftrag der Firmen und Privatleuten Bäume und stellen entsprechende Zertifikate aus. Ob ein frisch gepflanzter Baum tatsächlich eine nachhaltige Auswirkung aufs Klima hat, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Fest steht aber: Wahlloses Pflanzen von Bäumen ist nicht wirklich zielführend. Deshalb ist es sinnvoll, genau hinzuschauen, wo und vor allem wie die Aufforstungsprojekte arbeiten.

Den Klimawandel bereits mitdenken

Da sich durch den Klimawandel auch die Bodenverhältnisse und klimatischen Bedingungen verändern, muss immer wieder neu bedacht und geprüft werden, welche Bäume in welcher Region am besten aufgeforstet werden sollten. Nur so haben die Bäume auch in den nächsten Jahrzehnten eine Chance gegen Hitzeperioden, Wassermangel oder Schädlingsbefall. Jedes Jahr schwinden die potenziellen Flächen zum Anpflanzen ein bisschen mehr, etwa durch das Austrocknen von Gebieten, Rodungen für Weideflächen oder durch Flächenversiegelungen, zum Beispiel für Wohnraum und Infrastruktur. Sinnvoll ist es daher, Bäume dort zu pflanzen, wo sie auch tatsächlich über einen langen Zeitraum stehen bleiben können.

Viel hilft nicht unbedingt viel

Die Aufforstung von bestehenden Wäldern und Naturschutzgebieten ist eher kontraproduktiv. Waldeigentümer erhalten in Deutschland für Flächen, die bereits als Wald gelten, ohnehin staatliche Unterstützung, um zum Beispiel neue Bäume anzupflanzen. In Naturschutzgebieten hingegen sollte nicht von Menschen eingegriffen werden, damit sich die Natur hier frei entfalten kann. Am besten eignen sich daher Flächen, auf denen bislang kein Wald wächst für Aufforstungsprojekte.

Mischwald statt Monokulturen

Häufig wird bei Aufforstungsprojekten auf wenige Baumarten gesetzt, sodass durch die Verpflanzung Monokulturen entstehen können. Mit ökologischer Vielfalt hat dies wenig zu tun. Monokulturen können Kohlenstoff nicht so gut speichern und an den Boden abgeben wie Mischwälder,  sie sind auch aufgrund einer schlechteren Nährstoffversorgung anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer und können Unwettern oder Stürmen nicht gut trotzen.

Je älter der Baum, desto besser die Klimawirkung

Bis ein Baum ausreichende Mengen CO2 aus der Atmosphäre speichern und somit einen Beitrag für das Klima leisten kann, vergehen einige Jahre. Ob es der frisch gepflanzte Setzling allerdings jemals soweit schafft, bleibt fraglich. Dürren, Waldbrände oder Schädlingsbefall sind nur schwer vorhersehbar und gefährden das Wachstum. Bei den meisten Baumpflanzprojekten werden daher mehr Bäume gepflanzt – als eine Art Baumpuffer. Außerdem brauchen die Setzlinge Wasser und Pflege zum Wachsen.

Siegel geben Hinweise über Aufforstungsprojekte

Wer sich finanziell bei einem Aufforstungsprojekt engagieren oder prüfen möchte, auf welche Pflanzaktionen bestimmte Unternehmen setzen, dem können zum Beispiel Siegel wie der Gold Standard und der Verified Carbon Standard weiterhelfen. Die Siegel geben darüber Auskunft, wie nachhaltig die durchführenden Organisationen oder die Projekte sind.

Soziale Aspekte berücksichtigen

Auch der Blick auf soziale Aspekte sollte dabei nicht vernachlässigt werden – etwa inwiefern die lokale Bevölkerung mit in das Projekt eingebunden wird - besonders dann, wenn es sich um Baumpflanzaktionen in Entwicklungsländern handelt. Nicht zuletzt sollte immer die Frage gestellt werden: Wie wird in der Organisation oder bei dem jeweiligen Projekt mit den Spendengeldern umgegangen? Bleibt diese Frage unklar, ist es besser Abstand von der Baumpflanzaktion zu nehmen.

Achtung, Greenwashing!

Nur weil die Firmen in Aufforstungsprojekte investieren, sind sie nicht automatisch klimaneutral, sozialverträglich und umweltfreundlich. Gerne stellen Unternehmen nämlich sich selbst und ihre Produkte als umweltfreundlich und nachhaltig dar und hängen sich aus Marketinggründen ein grünes Mäntelchen um. Doch für diese Werbetricks gibt es bei näherer Betrachtung oft keine hinreichende Grundlage. Sinnvoll ist es daher, genau zu schauen, wie umweltfreundlich die vertriebenen Produkte tatsächlich sind oder wie verantwortungsvoll das Unternehmen unabhängig vom Aufforstungsprojekt wirtschaftet. Siegel können hierbei hilfreich sein.(Sie)

Stand: August 2021

Aufforstung geht auch in Hessen

Wer gezielt in Deutschland Bäume pflanzen möchte, kann sich privat an Baumpflanzaktionen von Umweltverbänden oder Forstverwaltungen beteiligen. In Hessen gibt es zum Beispiel die Aktion „Unser Wald“, bei der Bürgerinnen und Bürger mit Spenden oder Spaten dem hessischen Forst helfen können, geschädigte Waldflächen mit klimaangepassten Baumarten wieder zu bewalden.