Ausweg aus dem Einweg – Einwegplastik wird verboten

Ab sofort sind viele Einwegprodukte aus Kunststoff verboten. So dürfen etwa To-Go-Becher aus Styropor, Trinkhalme oder Plastikteller nicht mehr von Handel und Gastronomie abgegeben werden. Nicht nur Produkte, die komplett aus Kunststoff hergestellt wurden, sind ab jetzt passé, auch Mischprodukte mit Kunststoffanteilen sind vom Verbot betroffen.

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Kunstwerk aus Holzgestell mit verschiedenen Plastikmüllteilen

Müllproblem Mikroplastik

Jede Stunde werden im Durschnitt 320.000 Einweg-Becher für Heißgetränke in Deutschland verbraucht. Rund 9,6 Milliarden Einweg-Flaschen landen nach dem Gebrauch direkt im Müll und jede Sekunde werden 150 Trinkhalme aus Plastik als Abfall entsorgt. Das Umweltbundesamt weist in seinem Faktenpapier Meeresmüll an der deutschen Nord- und Ostsee aus, dass an den Stränden der Nordsee pro hundert Meter im Mittel 389 Kunststoffteile gefunden werden. In der Ostsee, die weniger im Austausch mit den Weltmeeren steht, sind es immerhin noch 70 Teile. Das letztlich dieser Plastikmüll wieder zum Menschen zurückkommt, haben australische Wissenschaftler 2019 in einer Studie ermittelt. So nehmen je nach Lebensumständen und Umweltsituation Menschen pro Woche rund fünf Gramm Mikroplastik auf – in etwa das Gewicht einer Kreditkarte.

Welche Produkte sind betroffen

Das Verbot umfasst Plastik-Gegenstände zur Einmalverwendung :

  • Besteck
  • Geschirr
  • Trinkhalme
  • Wattestäbchen

Weiterhin betroffen sind Verpackungen aus Styropor und EPS (expandiertes Polystyrol) für warme Speisen und für Getränke, die häufig in der Take-away-Gastronomie eingesetzt werden.

Das Verbot umfasst auch alle oben genannten Artikel, wenn sie nur zum Teil aus Kunststoff bestehen. Einweg-Produkte aus den genannten Bereichen, die mit Kunststoffüberzügen versehen sind, dürfen künftig nicht mehr verkauft oder abgegeben werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Produkte kompostierbar sind oder durch Sonneneinstrahlung mit der Zeit zerfallen. Der Gesetzgeber möchte unbedingt vermeiden, dass sich in den Meeren und Gewässern weitere Mengen an Mikroplastik ansammeln.

Weiterhin erlaubt bleiben Einweg-Artikel aus Plastik, für die es aktuell keine Produktalternativen gibt. So dürfen bestimmte Hygieneartikel wie Tampons, Binden oder Feuchttücher weiter im Handel angeboten werden. Diese müssen entsprechend gekennzeichnet werden.

Hessen aktiv gegen Plastikmüll

Die hessische Landesregierung hat in ihrer Plastikvermeidungsstrategie vier Handlungsfelder definiert, in denen der Vermüllung der Umwelt entgegengetreten werden kann:

  • Weniger Einsatz von Plastik als Werkstoff: Wo immer möglich, soll erst gar kein Plastik zum Einsatz kommen. So könnten beispielsweise rund 20 Prozent der Plastikverpackungsmenge durch Produkte aus Wellpappe ersetzt werden.
  • Weniger Plastikmüll in die Umwelt: Abfälle gehören in den Entsorgungskreislauf und dürfen nicht achtlos in die Umwelt gelangen.
  • Weniger Mikroplastik: Der Einsatz von Mikroplastik muss unterbunden werden. Die Kleinstpartikel müssen auf ein absolutes Mindestmaß reduziert werden.
  • Mehr Wiederverwendung und Recycling: Kunststoffprodukte sollen als Mehrwegprodukte mit einer hohen Reparierbarkeit einen längeren Lebenszyklus erhalten und so durch wiederholte Nutzung die Abfallmenge reduzieren. Gelangen die Plastikprodukte in den Abfall, soll eine sortenreine Wiederaufbereitung möglich sein.

Mit ihren Aktionen und Maßnahmen werden vier Zielgruppen angesprochen und in die Strategie eingebunden:

  • Hersteller und Industrie: Mit Dialogforen gehen Verwaltung und Politik gezielt auf die Unternehmen zu.
  • Gastronomie, Handel und Lieferdienste: In Zusammenarbeit mit der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ werden die Betriebe aktiv angesprochen.
  • Öffentliche Hand: Die Kommunen in Hessen erhalten Unterstützung in der Beratungs- und Informationsarbeit vor Ort.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher: Jeder Einzelne kann durch bewusstes und nachhaltiges Handeln Plastik vermeiden. Dazu stellt die Landesregierung Informationen und Handreichungen zur Verfügung.

Beispiele für konkrete Maßnahmen in den Handlungsfeldern sind die Schaffung einer Plattform Plastikvermeidung im Einzelhandel, die Förderung von Einkäufen in eigenen Behältnissen oder die hessenweite Kampagne Sauberhaftes Hessen und weitere Maßnahmen.

Alternativen für Plastikbesteck und Strohhalme

Die beste Alternative für Einwegprodukte sind Utensilien für den Mehrweggebrauch. Meist ist nur eine gewisse Bequemlichkeit der Hauptgrund für den Einsatz von Einwegprodukten. Bei größeren Veranstaltungen lassen sich Teller und Besteck von einem Geschirrverleih beziehen. Diese können in der Regel ungespült zurückgegeben werden. Die Reinigung übernimmt der Verleihservice. Oder mehrere Personen tun sich zusammen und kaufen einmalig Mehrweggeschirr für Feste und Partys.

Die Stiftung Warentest hat Mehrwegprodukte als Ersatz für Strohhalme getestet. Die Untersuchung ergab, dass Halme aus Zuckerstoffen nicht zu empfehlen sind, da sie bis zu zwei Würfelzucker enthalten. Zu viel fürs tägliche Zuckerkonto und die Zahngesundheit. Besser schneiden die Produkte aus Hartweizen oder Reis und Tapioka ab. (eck)