Smart-TV – wirklich so smart?

Apps nutzen, im Internet surfen: Das ist mit sogenannten Smart-TVs möglich. Dennoch sollte man den Kauf eines Smart-TVs nicht überstürzen, denn es lauern Gefahren. Welche sind es und wie geht man damit um?

RS9712_Mann mit Chips vorm Fernseher © Peter Atkins - Fotolia.com_.jpg

Fernsehgerät

VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke hat mit Niklas Trottner vom Hessischen Landeskriminalamt gesprochen, welche Gefahren Smart-TVs in sich bergen und wie man mit diesen umgeht. Er ist beim Hessischen Landeskriminalamt für Kriminalität im Internet zuständig.

VF: Ist der Smart-TV der PC der Neuzeit mit Fernsehfunktion?

Trottner: Soweit würde ich nicht gehen. Der Fokus dieser Geräte liegt noch immer bei der eigentlichen Fernsehfunktion, allerdings haben „smarte“ Fernsehgeräte im Vergleich zu einem klassischen Fernseher diverse zusätzliche Schnittstellen, insbesondere W-LAN, USB und natürlich für Speicherkarten.

Für die Hersteller ist die Anbindung ans Internet und die damit verbundene  HbbTV-Funktion wohl am bedeutendsten.

VF: Wobei handelt es sich bei der HbbTV-Funktion?

Trottner: HbbTV steht für „Hybrid broadcast broadband TV“. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung und Erweiterung des bekannten Videotextes. Der Nutzer kann so über das Internet zusätzliche Informationen zum aktuellen Programm abrufen und einblenden lassen. Zudem besteht die Möglichkeit, weitere interaktive Inhalte zu nutzen. Es werden also Rundfunkinhalte und Informationen aus dem Internet miteinander verknüpft.

VF: Was können Smart-TVs alles?

Trottner: Neben der bereits angesprochenen HbbTV-Funktion ermöglicht ein Smart-TV dem Nutzer beispielsweise das Surfen im Internet oder den Abruf von Filmen oder Serien direkt aus einer Onlinevideothek.

Zudem ist es auch möglich, Videotelefonate über den Fernseher zu führen oder Musik-, Bild- oder Videodateien von einem angeschlossenen PC anzeigen zu lassen.

Die Steuerung kann hierbei sowohl über die Fernbedienung, aber auch über ein Tablet oder Smartphone erfolgen.

VF: Das klingt fantastisch. Aber welchen Haken hat die Sache?

Trottner: Gegenwärtig bestehen noch Defizite beim Schutz vor Viren, beim Datenschutz und beim Schutz vor Spionage. Da diese Geräte jedoch ebenso von Schadsoftware befallen werden können wie PCs, Laptops oder mobile Endgeräte, ist es besonders wichtig, sich vor dem Kauf über die Schwächen oder Gefahren, die solche Geräte mit sich bringen, auseinanderzusetzen.

VerbraucherFenster: Welche Gefahren lauern denn genau?

Trottner: Grundsätzlich lauern die gleichen Gefahren wie bei jedem internetfähigem Gerät auch. Technisch gesehen wäre es zum Beispiel möglich, sogenannte „Ransomware“ (Erpressungsoftware), die bereits mobile Endgeräte und Computer befällt, auch gegen Smart TVs einzusetzen. Anstatt des Fernsehprogramms würde der Smart TV dann einen Sperrbildschirm zeigen und den Besitzer auffordern, Geld für die Entsperrung zu bezahlen.

Ein weiteres Problemfeld besteht im Bereich des Datenschutzes und des Schutzes vor Spionage: Erlangen Kriminelle beispielsweise die Kontrolle über die Sprachsteuerung und die Webcam eines Smart TVs können sie die Nutzer im Wohnzimmer ausspionieren.

Abgesehen davon ist dem Nutzer häufig nicht bewusst, welche Daten das Gerät erhebt und an wen sie weitergeleitet werden.

VerbraucherFenster: Und was kann ich als Fernsehnutzer tun?

Trottner: Verzichten Sie auf Apps von Drittanbietern und installieren Sie grundsätzlich solche Apps, die aus sicheren Quellen stammen. Zudem sollten Sie, wie auch bei mobilen Endgeräten, kritisch prüfen, ob Sie die installierten Apps auch wirklich benötigen.

VerbraucherFenster: Was muss ich noch beachten?

Trottner: Da „klassisches Fernsehen“ auch ohne Onlinezugang möglich ist, sollten Sie zum Beispiel die Internetverbindung trennen, wenn Sie diese nicht unbedingt benötigen. Gleiches gilt auch für weitere Funktionen wie die Webcam, die Sprachsteuerung oder Funktionen zum Fernzugriff: Werden diese Funktionen nicht benötigt, sollten Sie diese abschalten.

VerbraucherFenster: Wie steht es um den Datenschutz?

Trottner: Durch die Internetanbindung ist es möglich, personenbezogene Daten und das Nutzungsverhalten zu protokollieren und an Informationsanbieter und sonstige Dritte  weiterzuleiten.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten, bei denen der Fernseher ein reines Empfangsgerät darstellt, wird der Nutzer jetzt aus der Anonymität geholt. Es werden nicht nur Daten empfangen, sondern auch Daten verschickt. Der Nutzer und sein Nutzungsverhalten sind so identifizierbar. Besonders kritisch wird es bei der Sprachsteuerung: In der Vergangenheit haben Anbieter sogar vor ihren eigenen Geräten gewarnt, da diese bei eingeschalteter Sprachsteuerung möglicherweise vertrauliche Informationen aus Gesprächen an Partnerunternehmen weiterleiten könnten. 

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte aus Datenschutzgründen die Spracherkennung der Geräte ausschalten und zudem die HbbTV-Funktion abschalten, wenn sie nicht benötigt wird.  

VF: Wie sieht es aus mit Virenschutz?

Trottner: Wie auch beim heimischen PC und mobilen Endgeräten sollten regelmäßige Firmware-Updates gemacht werden. Hierdurch schließen Hersteller mögliche Sicherheitslücken und verringern die Gefahr, dass das Gerät mit Schadsoftware infiziert wird. Leider ist Virenschutzsoftware für Smart-TVs noch nicht so weit verbreitet wie für den heimischen Computer.

VF: Als Erwachsener kann ich diese Empfehlungen beherzigen. Aber wie sieht es mit meinen Kindern aus, die ja auch Zugang zum PC haben?

Trottner: In einem Haushalt mit Kindern sollten Sie sich mit den Jugendschutzeinstellungen vertraut machen, um Zugriff auf jugendgefährdende Inhalte zu unterbinden. Hierzu empfiehlt es sich, in der Senderliste gezielt ungeeignete Programme zu sperren. Informieren Sie sich zudem, ob sich bei Ihrem Gerät bestimmte Internetfunktionen per Passwort sperren lassen.

Bei manchen Modellen lassen sich auch mehrere Nutzerkonten einrichten, die sich dann in den Zugriffsrechten und erlaubten Nutzungszeiten unterscheiden.

VF: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Weitere Tipps und Hinweise, wie Sie sich davor schützen können, Opfer einer Straftat zu werden, erhalten Sie unter www.polizei.hessen.de und www.polizei-beratung.de, sowie unter www.verbraucher.de

Stand: Januar 2017

NiklasTrottner

Niklas Trottner