Hohe Rechnungen müssen nicht sein (Tarifwahl, Unechtes Prepaid, Tarifvergleich, Roaming)

Auch in Zeiten von Flatrates und Prepaidtarifen sind hohe Mobilfunk-Rechnungen keine Seltenheit. In Einzelfällen erreichen die Rechnungsbeträge den Wert eines Kleinwagens. Doch schon mit einfachen Maßnahmen lassen sich hohe Kosten vermeiden.

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Smartphone in Hand

Smartphones wollen sich updaten: Tarifwahl entscheidet über Kosten

Smartphones ersetzen inzwischen nahezu überall die Standardmobiltelefone. Sie haben keine Tastatur und werden über den Bildschirm bedient. Alle Smartphones sind ab Werk so eingestellt, dass sie automatisch eine Internetverbindung herstellen, um sich selbst auf dem neuesten Stand zu halten – sie wollen sich updaten.

Durch den Ausbau der Mobilfunknetze können innerhalb weniger Sekunden große Datenmengen übertragen werden. Die neueste Generation der Funktechnik heißt Long Term Evolution und ist der UMTS-Nachfolger. Die LTE-Technik lässt Übertragungsraten von bis zu 300 Mbit/s (Megabits pro Sekunde) zu. Internetverbindungen über das Smartphone werden in der Regel nach der Menge des übertragenen Datenvolumens abgerechnet.

Wer ein Smartphone kauft, sollte daher keinesfalls die SIM-Karte aus einem alten Mobiltelefon einlegen, sondern einen Mobilfunkvertrag inklusive Internet-Flatrate für ein ausreichend großes Datenvolumen abschließen. Internet-Flatrates sind ab 99 Cent als Tagesflat oder ab 10 € monatlich buchbar. Ohne Internet-Flatrate können bei der modernen Übertragungsgeschwindigkeit innerhalb einer Minute schnell dreistellige Rechnungsbeträge auflaufen.

Smartphones können zwar grundsätzlich über das Menü vom Internet getrennt werden, allerdings kann diese Einstellung von einem Softwareupdate überschrieben werden. Es ist auch möglich, den Internetzugang anbieterseitig sperren zu lassen. Dies widerspricht aber dem Sinn und Zweck eines Smartphones. Wer diese Möglichkeit in Erwägung zieht, sollte vor Anschaffung eines Smartphones überlegen, ob das alte Mobiltelefon nicht die bessere Wahl ist.

Kosten senken: durch Tarifvergleich und Anbieterwechsel

Verträge mit Flatrates für Internet, Festnetz und Mobilfunk bieten weitgehende Kostenkontrolle – vorausgesetzt, man telefoniert nicht zu Sonderrufnummern, die von der Flatrate nicht umfasst sind. Dennoch lohnt es sich, die Angebote der Mobilfunkbetreiber in regelmäßigen Abständen zu prüfen, denn immer wieder kommen neue Vertragsmodelle auf den Markt. Diese unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander, zum Beispiel in der Ausgestaltung der Internet-Flatrate und in der Menge der Inklusivminuten. Es ist auch möglich, weitere Optionen zu buchen, beispielsweise eine Auslandsflatrate. Häufig findet man auch bei seinem aktuellen Vertragspartner Angebote, die günstiger sind als der bisherige Vertrag. Wer den Tarif ändern will, sollte unbedingt auf die Kündigungsfrist achten, denn die Verträge verlängern sich meist um ein weiteres Jahr, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden.

Tipp:

In der Regel gibt es zu den Mobilfunkverträgen gesponserte Smartphones. Auch wenn diese kostenlos angeboten werden, umsonst sind sie nicht. Mobilfunkanbieter rechnen die Kosten für die Anschaffung des Smartphones zum Beispiel in das monatliche Grundentgelt ein. Bei einem monatlichen Zusatzentgelt in Höhe von 10 €, lassen sich bei Verzicht auf das gesponserte Smartphone über die Laufzeit von 24 Monaten insgesamt 240 € sparen. Möglicherweise bekommt man das gleiche Smartphone bei einem anderen Anbieter auch für weniger als 240 €. 

Unechtes Prepaid: Hohe Kosten auf Bestellung

Wer besonderen Wert auf Kostenkontrolle legt, kauft oft eine Prepaidkarte. Das System ist einfach: man zahlt Geld auf das Kundenkonto ein und verbraucht dieses nach und nach. Ist das Guthaben verbraucht, kann man solange nicht telefonieren, bis die Karte wieder aufgeladen wird.

Wer jedoch einen sogenannten unechten Prepaidvertrag nutzt, kann auch dann noch telefonieren oder surfen, wenn das Guthaben aufgebraucht ist. Es entsteht ein negativer Saldo, der in der Regel vom Konto abgebucht wird.

Unechte Prepaidverträge unterscheiden sich von den klassischen Prepaidkarten durch folgende Merkmale:

  • Es gibt am Kiosk keine „Rubbelkarten“. Das Guthaben wird nur im Fachhandel aufgeladen.
  • Die Guthabenabfrage funktioniert nicht über einen USSD-Code. Das ist eine Symbol- und Zeichenfolge, mit der bestimmte Funktionen am Mobiltelefon geändert werden können. Diese werden meistens genutzt, um Mailbox, Rufumleitung oder PIN zu ändern. Um sich beim klassischen Prepaid das vorhandene Guthaben anzeigen zu lassen, gibt man *100# ein.
  • Der Kunde muss eine Bankverbindung bei Vertragsschluss hinterlegen.
  • Der Anbieter weist in seinen AGB darauf hin, dass Mehrwertdienste, Roaming- und Datenverbindungen verzögert abgerechnet werden können.

Letzteres führt dazu, dass man über das aufgeladene Guthaben hinaus telefonieren oder surfen kann. Die entstandenen Kosten werden einem meist erst mit der Rechnung und der Abbuchung vom Konto bewusst.

Man kann auch vereinbaren, dass  das Guthabenkonto jedes Mal um 15 € aufgeladen wird, wenn das Guthaben kleiner als 2 € ist. Da beim unechten Prepaid eine Bankverbindung hinterlegt ist, findet dieser Vorgang automatisch statt. Doch Vorsicht: Wird eine SIM-Karte mit einem unechten Prepaidvertrag ohne Internetflatrate in ein Smartphone eingelegt, werden im Sekundentakt Abbuchungen in Höhe von jeweils 15 € vom Girokonto abgebucht. In einer Minute können so Kosten in Höhe von 900 € entstehen.

Mobiltelefon im Ausland: „roam like at home“

Hohe Telefonrechnungen nach dem Auslandsurlaub gehören seit dem 15.06.2017 wohl weitgehend der Vergangenheit an – jedenfalls innerhalb der Europäischen Union. Seitdem gilt der Grundsatz "roam like at home". Die Kosten fürs Telefonieren, Nachrichten verschicken und surfen dürfen also im Ausland nicht teurer sein als die vereinbarten, nationalen Tarife – so die Regelungen der Roaming-Verordnung der Europäischen Union.

Die Netzbetreiber wenden diese Roaming-Regelungen automatisch an. Wer jedoch einen speziellen Roaming-Tarif vereinbart hat, kann nun in den EU-Roaming-Tarif wechseln.

Ausnahmen:

  • Aufpassen muss man jedoch bei Nicht-EU-Mitgliedern wie der Schweiz. Die EU-Roamingverordnung gilt hier nicht. Es fallen daher Auslandsgebühren an.
  • Wer sein Mobiltelefon auf Schiffen oder in Flugzeugen nutzt, muss ebenfalls weiterhin mit hohen Kosten rechnen.
  • In einigen Fällen können die Anbieter das Datenvolumen während des Roamings begrenzen. Nämlich immer dann, wenn ein sehr preiswerter Tarif abgeschlossen wurde oder einer mit einem unbegrenzten mobilen Datenvolumen. In diesem Fällen dürfen die Anbieter ein „Fair Use“-Limit für die Datenverwendung festlegen.
  • Wer sich innerhalb von vier Monaten mehr im EU-Ausland als im Inland aufhält und dort mehr telefoniert, Nachrichten verschickt oder surft als im heimatlichen nationalen Netz, muss damit rechnen, dass er nicht mehr unter das Roaming fällt. Der Netzbetreiber muss den Verbraucher darüber informieren, in welchem Zeitraum er das Nutzerverhalten beobachtet.

Grundsätzlich gilt: Der Anbieter muss mitteilen, wie viel Datenvolumen im Ausland verbraucht werden kann. Informiert der Anbieter nicht ausdrücklich über ein Roaming-Datenlimit, kann im Ausland das volle Datenvolumen verwendet werden.

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Kostenfalle Smartphone, Teil 2: WAP-Abo, Kurzwahldienste & Co. 

Kostenfalle Smartphone, Teil 3: Handy-Rechnung richtig reklamieren 

Beratungsangebot der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Beratung zu Verbraucherrecht montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr 0900 1 972010. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Auskunfts- und Servicetelefon:
    Terminvereinbarung und Information über das Beratungsangebot und das Beratungsstellennetz der Verbraucherzentrale Hessen unter 0180 5 972010. 0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunk maximal 0,42 € pro Minute.
  • Homepage: www.verbraucher.de

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt, Juni 2017