Abzocke per SMS – Tipps damit Sie Kriminellen nicht auf den Leim gehen

Wer glaubt, Abzocke findet nur über Telefonanrufe oder Phishing-E-Mails statt, der irrt. Auch Smartphone- und Handy-Besitzer können Opfer krimineller Taten werden. Per SMS versuchen die Gauner den Besitzern von Mobilfunkgeräten Geld aus der Tasche zu ziehen. Welche Betrugsmaschen derzeit kursieren und wie Sie sich davor schützen können, hat VerbraucherFenster-Redaktionsmitglied Barbara-Maria Birke einen Experten gefragt: Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt.

Smartphone Zeigefinger bloomua - Fotolia.com_.jpg

Zeigefinger deutet auf das Display eines Smartphones, das eine neue SMS anzeigt

VF: Herr Schulte, neulich bekam ich eine SMS mit dem Wortlaut: „Es ist etwas schlimmes passiert. Ruf mich bitte an“. Danach folgte eine Handy-Nummer. Sollte ich hierauf reagieren?

Schulte: Das kommt darauf an. Wenn Sie die Nummer einer Ihnen bekannten Person zuordnen können, natürlich. Ansonsten gilt: auf keinen Fall zurückrufen. Denn hier könnte es sich um eine Abzock-Masche handeln. Das kann man bei SMSen schon daran erkennen, dass die Absender-Nummer und die Nummer, die angerufen werden soll, nicht identisch sind. Zudem ist in dieser SMS kein Name angegeben. Ihre Freunde oder Verwandten würden sicherlich ihr Kürzel oder ihren Nahmen dahinter schreiben. Löschen Sie die SMS und rufen Sie in keinem Fall die Nummer an.

VF: Was passiert, wenn man wie in meinem Fall doch die Nummer anruft?

Schulte: Im einfachsten Fall passiert Ihnen selbst nichts. Es kann sein, dass die angegebene Nummer nur missbraucht wird, um ein Unternehmen wie etwa einen Schlüsseldienst oder einen Rund-um-die Uhr-Dienst durch permanentes Anrufen lahmgelegt werden soll. Durch die ständigen Anrufe sind diese dann nicht mehr erreichbar und können keinen Kontakt mehr mit ihren eigentlichen Kunden aufnehmen.

VF: Okay. Und was ist der worst case?

Schulte: Dass Sie in eine teure Warteschleife geraten und bei Ihrer nächsten Telefonabrechnung mit eine hohen Summe konfrontiert werden. Der Wortlaut der Nachricht kann übrigens auch variieren wie „Ich brauche deine Hilfe. Ruf mich bitte kurz an“ oder „Wieso haben Sie Ihre TANnummern im Internet veröffentlicht? Bitte um Rückruf.“ Auch hier sollten Sie hellhörig sein und die Nummer sofort löschen und keinesfalls anrufen.

VF: Gibt es weitere gängige SMS-Abzock-Maschen, vor welchen Sie die Verbraucher warnen können?

Schulte: Ja, leider. Mit einer angeblichen SMS von DHL versuchen Abzocker derzeit, Besitzer von Android-Smartphones hereinzulegen. Hinter der vermeintlichen Nachricht des Paketdienstes steckt jedoch keine Paketsendung, sondern ein SMS-Trojaner, der nach der Installation Kurznachrichten an teure Premium-Services verschickt oder eigenständig kostenpflichtige Internet- und Mobilfunkdienste anruft oder Gutscheincodes bestellt. Der Betrug fällt oft erst mit dem Erhalt der nächsten Handy-Rechnung auf. Die Summe kann sich dann schnell auf mehrere Hundert Euro belaufen.

VF: Erkenne ich als Verbraucher, dass mit der SMS etwas nicht stimmt?

Schulte: Zum einen wissen Sie ja, ob Sie ein Paket bestellt haben oder nicht. Haben Sie kein Paket bestellt, brauchen Sie den Link, der in der SMS mitgesendet wird und die Schadsoftware enthält, auf keinen Fall öffnen. Zum anderen erkennen Sie bei dem Link auch an der Endung, ob etwas faul ist. Wenn da nicht .de steht, sondern .apk oder Sonstiges ist das ein Indiz. Wenn Sie unsicher sind, schauen Sie in einer Suchmaschine nach, ob weitere Menschen eine gleichlautende Nachricht erhalten bzw. Ihre Erfahrungen mitgeteilt haben.

VF: Jetzt weiß ich, dass es sich bei der erhaltenen SMS um einen Abzockversuch handelt. Soll ich die sofort löschen?

Schulte: Ja. Löschen Sie die SMS und klicken Sie auf keinen Fall auf den Link. Grundsätzlich sollten Sie Ihr Smartphone vorab so weinstellen, dass eine Installation von Apps aus unbekannten Quellen grundsätzlich nicht zugelassen wird. Wurde der SMS-Trojaner bereits heruntergeladen, löschen Sie die App und setzen Sie Ihr Handy gegebenenfalls auf Werkseinstellungen zurück. Warnen Sie zudem Ihre Freunde und Bekannte, die in Ihrer Kontaktliste verzeichnet sind. Erstatten Sie Strafanzeige, wenn Ihnen ein Schaden entstanden ist. Allgemein empfehle ich regelmäßig, eine sogenannte Drittanbietersperre einzurichten.

VF: Was ist denn eine Drittanbietersperre?

Schulte: Jeder Verbraucher hat die Möglichkeit, bei seinem Netzbetreiber eine Drittanbietersperre kostenlos einrichten zu lassen. Drittanbietersperre bedeutet konkret, dass die mobile Bezahlfunktion (Bezahlen über die Telefonrechnung), die Handybesitzer oft unwissentlich nutzen, unterbunden wird. Einen kleinen Nachteil hat eine solche Sperre. Ist sie eingerichtet, können Sie auch keine seriösen Angebote, bei denen ein Kaufbetrag über die Telefonrechnung eingezogen wird, nutzen.

VF: Eine Freundin erklärte mir neulich, dass sie aufgrund des Identitätendiebstahls einer Freundin bei Facebook auch fast in eine SMS-Abzockfalle getappt wäre. Können Sie kurz erklären, wie es dazu kommt?

 

Schulte: Dabei kopieren Kriminelle ein Facebook-Profil einer Person und senden neue Freundschaftsanfragen an die Kontakte, die mit der Person des kopierten Profils befreundet waren. Sie fordern diese dann auf, die Handynummer zu senden, weil sie diese verloren hätten. Ein paar Minuten später kommt dann eine SMS mit der Bitte eine bestimmte Summe zu bezahlen und einen Code einzugeben. Spätestens hier sollten Sie hellhörig werden. Leiten Sie keine Bezahlcodes weiter. Sollten Sie eine solche Kurznachricht erhalten, nehmen Sie persönlich mit Ihrem Mobilfunkanbieter Kontakt auf. Rufen Sie die vermeintliche Freundin, die um ihre Nummer bittet, an, ob sie eine derartige SMS verschickt hat und wenden Sie sich an die Polizei.

VF: Wir reden jetzt die ganze Zeit über SMS. Was ist denn mit anderen Messengerservices wie z. B. Whatsapp?

Schulte: Auch über andere Messenger können Sie Opfer der dargestellten Delikte werden. Die gleichen Tipps und Hinweise können sie auch hierauf übertragen. .

VF: Kaum zu glauben, wie dreist die Betrüger sind. Wo kann ich mich denn über aktuelle Betrugsmaschen und richtiges Verhalten informieren?

Schulte: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich über aktuelle Phänomene zu informieren. Einmal geben wir als hessische Polizei regelmäßig Informationen heraus, um Sie zu warnen und so durch Wissen zu schützen. Dann finden Sie unter www.polizei-beratung.de allgemeine Informationen zum sicheren Umgang mit dem Internet. Nicht zu vergessen sind die Verbraucherschutzeinrichtungen, die ebenfalls regelmäßig auf Phänomene hinweisen. Sollten Sie bei den genannten Adressen die gewünschten Informationen nicht finden, empfehle ich eine Recherche im Internet. Geben Sie einfach ein par Schlagworte, wie z. B. „Verdacht“, „Betrug“ und „SMS“ ein .Dann sehen Sie direkt, welche anderen User hierzu bereits Erfahrungen gemacht haben.

Weitere Tipps und Hinweise, wie Sie sich schützen können, Opfer einer Straftat zu werden, erhalten Sie unter www.polizei.hessen.de und www.polizei-beratung.de.

Stand: Februar 2015