Wie schütze ich mich vor Einbrechern und Kriminellen?

Die dunkle Jahreszeit ist die Zeit für Einbrecher und Kriminelle. Und in der fünften Jahreszeit – Karneval – haben nicht nur die Narren Saison, sondern auch Kriminelle. Jeder einzelne sollte sich daher entsprechend schützen und umsichtig verhalten.

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Taschendiebstahl

Über die Maschen der Ganoven und mögliche Schutzmaßnahmen hat Barbara-Maria Birke mit Christoph Schulte gesprochen. Er ist Pressesprecher beim Hessischen Landeskriminalamt.

VF: Demnächst starten die Fastnachtsveranstaltungen. Willkommene Tatorte für Kriminelle?

Schulte: Wie bei allen öffentlichen Veranstaltungen bieten auch Fastnachtsveranstaltungen eine Vielzahl von Tatgelegenheiten. Insbesondere Taschen- und Trickdiebe nutzen das Gedränge und die Sorglosigkeit der Besucherinnen und Besucher für ihre Taten aus.

VF: Was muss ich bei Fastnachtsveranstaltungen beachten? Wie kann ich mich schützen?

Schulte: Oftmals ist Gedränge nicht zu vermeiden. Deshalb sollte ich mir schon vor dem Besuch Gedanken machen, was ich alles mitnehme: Muss ich wirklich alle Giro-/Kreditkarten, Ausweisdokumente, Gesundheitskarte, Führer-/ Kraftfahrzeugscheine usw. dabei haben? Was ich nicht dabei habe kann auch nicht gestohlen werden. Gleiches gilt natürlich auch für Bargeld, hunderte von Euro sind bestimmt nicht nötig.

VF: Und wie verstaue ich meine 50 Euro am besten?

Schulte: Tragen Sie Geld, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper. Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen verschlossen auf der Körpervorderseite oder klemmen Sie sie sich unter den Arm. Benutzen Sie einen Brustbeutel, Bauchtasche oder eine am Gürtel angekettete Geldbörse.

VF: Welche Vorsichtsmaßnahmen empfehlen Sie noch?

Schulte: Grundsätzlich ist es nie verkehrt, in größeren Gruppen Faschingsveranstaltungen zu besuchen und gegenseitig auf sich Acht zu geben. Auch sollte dem Alkoholkonsum nicht übermäßig gefrönt werden. Im Idealfall wird auch der Heimweg bereits im Vorfeld durchgesprochen. So ist gewährleistet, dass alle nach den tollen Tagen wohlbehalten nach Hause kommen.

VF: Sollte ich als Frau ein Pfefferspray oder sonstige Mittel zur Gefahrenabwehr bei mir tragen?

Schulte: Die polizeiliche Erfahrung hat gezeigt, dass sich das Mitführen von Waffen oder Abwehrgeräten eher kontraproduktiv auswirkt. Zum einen gaukelt ein solches Gerät eine Sicherheit vor, die den Träger oder die Trägerin eventuell leichtsinnig werden lässt. Beispielsweise wird der sichere gut beleuchtete Weg entgegen des Bauchgefühls nicht genommen. Da man ja „bewaffnet“ ist, kann auch die Abkürzung über beispielsweise eine nicht beleuchtete Seitenstraße oder einen Park genommen werden. Zum anderen muss die Benutzung so eingeübt werden, dass in einer Stresssituation richtig reagiert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Täter beim Einsatz von Pfefferspray noch aggressiver oder gewaltbereiter wird, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Auch die Windrichtung und -stärke spielen eine nicht unerhebliche Rolle, da sich die nebelige Wirkung bei unsachgemäßer Anwendung oftmals gegen das Opfer wenden und dabei Tränenblindheit verursachen kann. Zudem ist Reizgas zum Einsatz in geschlossenen Räumen (auch: Pkw etc.) nicht geeignet.

VF: Darf ich Pfefferspray eigentlich so ohne weiteres mit mir führen? Auf der Dose steht immer der Hinweis zum Einsatz gegen Wildtiere.

Schulte: Das Führen einer PTB-gekennzeichneten Schreckschuss- bzw. Reizstoffwaffe (Signal-/ Gaswaffe) außerhalb der eigenen Wohnung, den Geschäftsräumen oder dem sicher eingezäunten Grundstück erfordert den so genannten "Kleinen Waffenschein". Andernfalls macht man sich strafbar.

VF: Auch Wohnungseinbrüche nehmen im Winter zu. Was sollten Mieter oder Hauseigentümer beachten, um nicht Opfer von Einbruchstätern zu werden?

Schulte: Einen optimalen Schutz erhalten Sie durch ein aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken von mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik, sicherheitsbewusstem Verhalten sowie einer aufmerksamen Nachbarschaft.

VF: Das heißt?

Schulte: Wenn Sie Ihr Haus verlassen – auch nur für kurze Zeit – schließen Sie unbedingt Ihre Haustür ab. Verschließen Sie immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster. Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen. Einbrecher finden jedes Versteck. Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren, wechseln Sie den Schließzylinder aus. Achten Sie auf Fremde in Ihrer Wohnanlage oder auf dem Nachbargrundstück. Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei. Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit, beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Ihrem Anrufbeantworter.

VF: Was muss ich noch beachten?

Schulte: Die Polizei empfiehlt eine mechanische Sicherung aller Fenster und Türen, damit ungebetene Gäste erst gar nicht hineinkommen. Ergänzende Sicherheit bietet zum Beispiel eine Einbruch- und Überfall-Meldeanlage. Damit werden Einbruchsversuche automatisch gemeldet und man kann den Alarm bei Gefahr auch selbst auslösen. Jede hessische Bürgerin und jeder hessische Bürger hat die Möglichkeit, sich kostenlos in unseren Beratungsstellen über Möglichkeiten der Sicherungstechnik zu informieren.

VF: Senioren sind besonders gefährdet, da ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Was raten Sie diesen, um sich vor möglichen Kriminellen zu schützen?

Schulte: Diese Aussage ist so nicht ganz richtig: Die vielen reißerischen Berichte in den Medien über Gewaltverbrechen lassen einen solchen Eindruck entstehen. Statistisch gesehen sind ältere Menschen deutlich weniger gefährdet. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung sind sie oft besonders vorsichtig und sicherheitsbewusst. Aber dennoch gibt es Situationen, in denen gerade Senioren Risiken ausgesetzt sind.

VF: Ihre Hilfsbereitschaft wird oft ausgenutzt. An der Tür klingelt es und schon stehen die Fremden bei den Menschen in der Wohnung, die sich oft nicht zu helfen wissen und die Gefährlichkeit der Lage nicht einschätzen können. Was sollten sie tun?

Schulte: Der oberste Grundsatz lautet: Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung!

  • Sehen Sie sich Besucher vor dem Öffnen durch den Türspion oder mit einem Blick aus dem Fenster an und machen Sie von Ihrer Türsprechanlage Gebrauch.
  • Öffnen Sie die Wohnungstür niemals sofort - legen Sie immer Sperrbügel oder Sicherheitskette an.
  • Ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu, wenn unbekannte Besucher vor der Tür stehen, oder bestellen Sie die Besucher zu einem späteren Termin, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.
  • Machen Sie bei Fremden in hilfebedürftiger Lage an der Tür das Angebot, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser etc.) hinauszureichen und halten Sie dabei die Tür gesperrt.
  • Fordern Sie von Amtspersonen immer den Dienstausweis und prüfen Sie ihn sorgfältig (nach Druck, Foto und Stempel). Sorgen Sie dazu für gute Beleuchtung und benutzen Sie, wenn nötig, eine Sehhilfe.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an. Suchen Sie dazu die Telefonnummer selbst heraus und ziehen Sie telefonisch eine Nachbarin oder einen Nachbarn hinzu.
  • Lassen Sie Handwerker nur dann herein, wenn Sie sie selbst bestellt haben oder wenn sie von der Hausverwaltung angekündigt worden sind.
  • Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher notfalls auch energisch. Sprechen Sie sie laut an und rufen Sie um Hilfe.

VF: Hilft ein guter Kontakt zu Nachbarn?

Schulte: Ja. Pflegen Sie Kontakt zu Ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern. Machen Sie ihnen das Angebot, bei fremden Besuchern an der Wohnungstür zur Sicherheit hinzuzukommen und übergeben Sie für solche Fälle die eigene Telefonnummer.

VF: Auf der Straße scheinen Senioren häufig Opfer von Straftaten zu sein. Zu welchen Situationen kommt es hier?

Schulte: Das ist statistisch nicht belegt. Senioren sind eher weniger Opfer von Straßenkriminalität als andere Altersgruppen. Es gibt aber Delikte bei denen sie stärker betroffen sind, unter anderem beim Handtaschenraub und beim Trick- und Taschendiebstahl. Die nachfolgenden Tipps können helfen, solchen Situationen aus dem Weg zu gehen oder den persönlichen Verlust so gering wie möglich zu halten. Ihre Vorsicht sollte aber nicht auf Kosten Ihrer Lebensqualität gehen. Schließlich besteht die Welt nicht nur aus Räubern. Unternehmen Sie möglichst viel mit Bekannten und Freunden: Eine Gruppe ist der beste Schutz und bringt zudem eine Menge Spaß und Abwechslung.

Tipps:

  • Eine Begleitung bietet Ihnen unterwegs guten Schutz. Fragen Sie Nachbarn, Bekannte oder Verwandte, ob diese Sie bei Besuchen oder Besorgungen (Post, Bank, Sparkasse, Einkauf) begleiten.
  • Nehmen Sie generell nur Dinge mit, die Sie wirklich benötigen und verstauen Sie diese sicher.
  • Lassen Sie sich Ihr Geld, wenn möglich, nicht am Kassenschalter, sondern in einem separaten Raum auszahlen.
  • Heben Sie Bargeld möglichst nur an Automaten in Innenbereichen von Banken ab. Zählen Sie Ihr Geld nicht in der Öffentlichkeit nach.

VF: Vielen Dank fürs Gespräch und die hilfreichen Informationen.

Stand: Februar 2017

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