Rauchmelder mit radioaktiven Stoffen abgeben statt nachrüsten

Viele bis in die 1990er Jahre eingesetzte Rauchmelder enthalten einen radioaktiven Stoff. Werden diese Rauchmelder beschädigt, kann Strahlung austreten. Daher empfiehlt es sich diese Rauchmelder durch moderne, optische Rauchmelder zu ersetzen statt mit radioaktiven Ersatzteilen nachzurüsten.

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Rauchmelder

In Hessen gilt seit 2005 eine Rauchmelder-Pflicht für alle Neubauten. Seit 2015 müssen auch alle Bestandsbauten mit Rauchmeldern ausgerüstet sein. Während heute im Wesentlichen optische Rauchmelder genutzt werden, wurden bis in die 1990er Jahre häufig sogenannte Ionisationsrauchmelder (auch Ionisationsmelder, I-Melder, IRM) verwendet. Heute kommen solche Geräte zumindest in Deutschland nur noch in sehr speziellen Bereichen wie zum Beispiel an extrem explosionsgefährdeten Orten zur Anwendung, während sie in anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA auch noch in Privathaushalten eingesetzt werden.

Die Funktionsweise der Ionisationsrauchmelder

Der Vorteil von Ionisationsrauchmeldern ist, dass sie sehr empfindlich bereits auf kleine Rauchpartikel, Brände mit offener Flamme und Flüssigkeitsbrände reagieren. Der Nachteil: Sie enthalten einen radioaktiven Stoff, zumeist Americium-241 (Am-241).

Die Funktionsweise des Ionisationsmelders beruht darauf, dass der enthaltene radioaktive Stoff Strahlung aussendet, welche die Luft innerhalb des Melders ionisiert. Durch Anlegen einer elektrischen Spannung entsteht ein Ionisationsstrom, der sich ändert, sobald Rauchpartikel in den Melder eindringen. Daraufhin wird ein Alarm ausgelöst.

Im intakten Zustand keine Gefahr

In der Regel stellen diese Geräte keine Gefahr dar. Bei einem intakten Ionisationsrauchmelder ist unter normalen Betriebsbedingungen nicht mit einer Freisetzung des radioaktiven Stoffes zu rechnen und auch die davon ausgehende Strahlenbelastung für den Menschen ist sehr gering, insbesondere, da durch die Installation des Melders an der Decke ohnehin ein gewisser Abstand eingehalten wird.

Vorsicht bei Beschädigungen

Eine Gefahr für die Gesundheit kann aber dann entstehen, wenn die Umhüllung des radioaktiven Stoffes beschädigt ist und dieser freigesetzt wird. Dadurch kann es beispielsweise dazu kommen, dass radioaktive Stoffe inhaliert oder mit der Nahrung aufgenommen werden. Aus diesem Grund dürfen Ionisationsrauchmelder in Deutschland nicht frei verkauft werden und der Umgang mit solchen Meldern bedarf in der Regel einer behördlichen Genehmigung. Keinesfalls sollten solche Geräte unnötigerweise in der bekannten Kramschublade herumliegen oder gar in die Hände von Kindern geraten.

Beim Kauf genau hinschauen

Wer heute auf der Suche nach einem Rauchmelder ist kann beispielsweise im Baumarkt oder im Online-Handel fündig werden. Hier werden Melder in den verschiedensten Ausführungen angeboten, meist handelt es sich dabei um die heute gängigen optischen Rauchmelder. Auf diversen Internetseiten werden derzeit unter der Bezeichnung „NAP 07“ aber auch Ionisationskammern zum Kauf angeboten, die scheinbar für den Einsatz in Ionisationsrauchmeldern gedacht sind.

Die genaue Bezeichnung des Artikels variiert von Seite zu Seite, einige erwecken gar den Eindruck es handle sich um einen kompletten Rauchmelder (zum Beispiel „Rauch Sensor Ionisation Rauchmelder“ oder „Ionization Detector“). Verkauft wird in der Regel allerdings nur das Bauteil, welches den radioaktiven Stoff enthält. Die Preise solcher Angebote liegen dabei zwischen etwa 2,50 € und 20 €.

Rauchmelder mit radioaktiven Bauteilen ersetzen statt zu reparieren

Vom Kauf solcher Artikel ist dringend abzuraten, ebenso von dem Versuch ältere I‑Melder mit neuen Ionisationskammern zu ertüchtigen. Mängel oder Beschädigungen an dem Bauteil können nicht ausgeschlossen werden und könnten zu einer Freisetzung und der Aufnahme des radioaktiven Stoffes in den Körper führen.

Aufgrund der Strahlung, die von den im Internet angebotenen Produkten ausgeht, bedürfte der Umgang mit diesen Meldern bzw. Ersatzteilen ohnehin einer Genehmigung. Für die Einfuhr eines solchen Artikels aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland wäre außerdem eine Anmeldung bei den Zollbehörden erforderlich.

Was tun mit Ionisationsrauchmeldern oder Ersatzteilen?

Sollten Sie selbst zu Hause auf einen alten Ionisationsrauchmelder stoßen (erkennbar am Strahlenzeichen, dem sogenannten „Flügelrad“), oder ein solches oder ähnliches Produkt irrtümlich erworben haben, können Sie sich an das jeweils für Sie zuständige Regierungspräsidium wenden. Die Fachkräfte aus dem Bereich Strahlenschutz werden in diesem Fall dafür sorgen, dass die betreffenden Geräte bei ihnen abgeholt und anschließend zur hessischen Landessammelstelle transportiert werden. Eine solche Abholung erfolgt unkompliziert und für Privatpersonen kostenfrei.

Strahlenzeichen schwarz


Stand:  September 2021