Fahrraddiebstahl: So schützen Sie sich vor Langfingern

Leider gibt es keinen absoluten Schutz gegen Fahrraddiebstahl. Denn oftmals werden Fahrräder an unbeobachteten Plätzen abgestellt und viele Diebe gehen zudem hoch professionell vor. Fahrradbesitzer können aber versuchen, es den Langfingern so schwer wie möglich zu machen.

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Dieb schneidet Fahrradschloss mit Bolzenschneider auf

Wo stelle ich das Rad am besten ab?

Zu Hause ist das Fahrrad in umschlossenen Räumen am sichersten, zum Beispiel in einem Kellerabteil, der Garage oder in der Wohnung. Vor der Haustür, im Hinterhof oder draußen in einem Abstellschuppen sind Räder, auch wenn sie angeschlossen werden, vergleichsweise weniger diebstahlgeschützt.

Ist man unterwegs gilt: Besser das Rad gut sichtbar und einzeln an belebten Plätzen abzustellen. Diebe haben es leichter, wenn Räder eng aneinander abgestellt sind, da es dann weniger auffällt, wenn sie sich an fremden Schlössern vergreifen.

Das richtige Fahrradschloss – Stiftung Warentest hat geprüft

Das Fahrradschloss ist zum Schutz gegen Diebe aber das wichtigste Mittel. Hier ist es lohnenswert sich vor dem Kauf gut zu informieren. Stiftung Warentest testete hierzu im Mai 2019 beispielsweise 20 Fahrradschlösser, davon acht Bügel-, sieben Falt- und fünf Kettenschlösser auf Aufbruchsicherheit und Schadstoffgehalt der verwendeten Materialien. Lediglich zwei Bügelschlösser, zwei Kettenschlösser und ein Faltschloss erhielten dabei die Note „gut“.

Wurde nur die Aufbruchsicherheit betrachtet, schnitten vier Bügelschlösser mit „sehr gut“ bis „gut“ ab, drei Kettenschlösser und nur ein Faltschloss mit „gut“. Dabei wird schnell deutlich, dass gute Schlösser häufig schwer sind – so bringen die sichersten getesteten Schlösser zwischen 1,3 und 2,6 Kilogramm auf die Waage.

Bügelschlösser sichern nach dem Ergebnis zwar am besten, allerdings gibt es auch Nachteile. So war es laut Stiftung Warentest mit keinem der getesteten Modelle möglich, den Fahrradrahmen und das Vorderrad zusammen an einem stabilen Gegenstand zu befestigen.

Zahlenschlösser sind zwar praktisch, da hier kein Schlüsselsuchen mehr nötig ist oder mehre Personen das Schloss verwenden können. Allerding schnitten von sechs geprüften Zahlenschlösser in puncto Sicherheit fünf mit „befriedigend“ ab und nur eins mit „gut“.

Tipp für die Vergabe des Zahlencodes: Besser keine Geburtsdaten verwenden, denn diese können leicht erraten werden.

Von Panzerkabelschlösser rät Stiftung Warentest hingegen ganz ab, da sich diese in Untersuchungen der letzten Jahre als leicht „knackbar“ erwiesen.

Sicherheitsstufen für Schlösser kein sicheres Merkmal

Manche Hersteller geben für ihre Schlösser eine Sicherheitsstufe innerhalb einer Skala an. Für diese Klassifizierung gibt es keine Norm. Die Skalen sind deshalb auch je nach Hersteller unterschiedlich. Bei manchen Herstellern ist die höchste Sicherheitsstufe 6, bei anderen 15. Stiftung Warentest stellte bereits 2014 bei seiner Untersuchung von Fahrradschlössern fest, dass die Sicherheitsangaben sich als wenig aussagekräftig gezeigt haben. Beispielsweise konnten Modelle innerhalb weniger Sekunden geknackt werden, obwohl sie eine hohe oder gar die höchste Sicherheitsstufe hatten.

Richtig anschließen – Sicher ist sicher

  • Doppelt hält besser: Wer sein Rad mit zwei unterschiedlichen Schlosstypen sichert, macht es Dieben richtig schwer, denn Fahrraddiebe spezialisieren sich häufig auf einen Schlosstyp und haben entsprechend auch nur das dafür geeignete Werkzeug dabei.
  • An einen stabilen Gegenstand fixieren: Die Schlösser sollten groß genug sein, um das Rad an einem festen Gegenstand anschließen zu können, zum Beispiel an einem Fahrradständer. Nur das Vorder- und Hinterrad zu blockieren, reicht als Schutz vor Dieben nicht aus. Diese können blockierte Räder mühelos wegtragen oder verladen. Wenn es mit einem Schloss nicht geht, lieber zusätzlich ein Zweitschloss verwenden.
  • Rad und Rahmen: Besser ist es, nicht nur das Vorder- und Hinterrad an einen festen Gegenstand zu fixieren, sondern, wenn möglich, auch das Vorderrad. Ist das Schloss nicht groß genug Rad, Rahmen und Gegenstand zu fassen, besser zusätzlich ein Zweitschloss verwenden.
  • Hoch anketten: Das Fahrradschloss sollte möglichst weit oben am Gegenstand befestigt werden. So haben Diebe weniger Deckung und können ihre Werkzeuge, wie etwa den Bolzenschneider, nur schwer am Boden abstützen.

Codieren, Registrieren, Fotografieren und Versichern

Um den Verbleib eines gestohlenen Fahrrads ermitteln zu können, benötigt die Polizei alle verfügbaren Kennzeichen, mit denen das Rad zweifelsfrei identifizieren werden kann.

  • Rahmennummer: Die Rahmennummer ist bei vielen in Deutschland verkauften Rädern in den Rahmen eingeschlagen und stellt eine Buchstaben- und Zahlenkombination dar, welche vom Fahrradhersteller eingestanzt oder als Etikett am Fahrrad angebracht wird. Ihr Rad hat keine Rahmennummer? Radbesitzer oder eine Fahrradwerkstatt können eine individuelle Kennzeichnung anbringen.
  • Codierung: Die Polizei empfiehlt zusätzliche eine Fahrradcodierung. Dabei wird mit einer Graviermaschine oder einem speziellen Aufkleber auf dem Rahmen des Rads zusätzlich ein verschlüsselter personenbezogener Code angebracht. Diese Codierung gibt an, wer der Eigentümer des Rads ist und setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen und einem Gemeindecode des Wohnortes, einer fünfstelligen Zahlenkombination für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer sowie die Initialen des Eigentümers. Auf diese Weise wird der Weiterverkauf des Diebesguts insbesondere über Flohmärkte oder über das Internet erschwert, denn durch den Code sinkt der Verkaufswert erheblich.
  • Fahrradpass: Ein Fahrradpass hilft, gestohlene Räder zweifelsfrei zu identifizieren, den Täter zu überführen und den rechtmäßigen Eigentümer ausfindig zu machen. Im Pass sind neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radbesitzers notiert. Viele Händler stellen beim Fahrradkauf einen herstellerseitigen oder polizeilichen Fahrradpass mit der individuellen Rahmennummer aus. Käufer sollten gezielt danach fragen, rät die Polizei. Der vollständig ausgefüllte Pass mit einem Foto des Fahrrads ist dann einem sicheren Ort aufzubewahren. Praktisch: Den Fahrradpass gibt es auch als App fürs Smartphone.
  • Fahrradversicherung: Besonders für teurere Räder kann eine Fahrradversicherung sinnvoll sein. Im Falle eines Diebstahls kann man hier zumindest finanziell entschädigt werden. Weitere Infos hierzu: „Fahrradversicherung – sinnvoll oder überflüssig?“. (Sie)

Stand: Juli 2019