Wenn Lederwaren, dann ohne Chrom: Warum?

Immer wieder werden Produkte aus Leder wie Schuhe oder Handschuhe wegen zu hoher Chrom-Belastung zurückgerufen, denn Chrom VI ist hochallergen. Wie kommt dieser Schadstoff in das Leder? Gibt es auch Lederjacken oder -schuhe auch ohne Chrom VI?

Handschuhe Leder_dresden - Fotolia.jpg

Handschuhe aus Leder

Seit langem ist die Allergie auslösende Wirkung von Chrom VI bei Kontakt mit der Haut bekannt. Betroffene müssen deshalb jeden Kontakt mit diesem Stoff vermeiden. Hilfe beim Kauf bieten Siegel, die Chromfreiheit garantieren.  

Was ist Chrom?

Chrom ist ein chemisches Element, das mit anderen Stoffen Verbindungen eingehen kann, die viele verschiedene Farben haben können. Deshalb werden Chromverbindungen oft als Pigmente für Farben und Lacke verwendet. So hat Vincent van Gogh seine berühmten Sonnenblumen mit Chromgelb gezeichnet.

Geht Chrom Verbindungen mit anderen Stoffen ein, kann dieses Metall in verschiedenen Formen, so genannten Oxidationsstufen, vorkommen. Bekannte Oxidationsstufen sind sechswertiges Chrom, als Chrom VI bezeichnet oder dreiwertiges Chrom, als Chrom III bezeichnet.

Sowohl Chrom III als auch Chrom VI können Allergien auslösen.

Da Chrom auch in Zement und anderen Materialien der Bau- und Metallindustrie verwendet wird, treten berufsbedingte Chromallergien vor allem bei Beschäftigten in diesen Branchen auf.

Warum kommt Chrom VI in Lederwaren vor?

Beim Gerben von Leder wird ein Chromsalz, das Chrom III-Sulfat verwendet. Dieses kann als Verunreinigung Chrom VI enthalten oder aber beim Verarbeitungsprozess zu Chrom VI oxidieren. Deshalb sind hohe Chrombelastungen vor allem in Handschuhen, Schuhen und Lederbekleidung zu finden.

Warum ist Chrom VI so gefährlich?

Das allergene Potential von Chrom VI ist für den Menschen deshalb von gesundheitlicher Bedeutung, da Chrom VI gut wasserlöslich ist und besonders leicht die Haut durchdringen kann. Im Körper verändert sich dann Chrom VI zu Chrom III, das sich an Eiweißbausteine bindet. Diese Chrom III-Eiweiß-Komplexe beeinflussen das Immunsystem, das dann allergisch mit Hautekzemen reagiert.

Menschen mit einer Chromallergie reagieren sowohl auf das Chrom in metallischen Gegenständen als auch auf das Chrom in Lebensmitteln allergisch. Kommen betroffene Menschen mit Chrom in Kontakt – entweder durch Berührung von zum Beispiel Lederarmband oder durch den Verzehr von Lebensmitteln – kommt es zu Krankheitssymptomen.

Welche Symptome treten bei einer Chromallergie mit Lederwaren auf?

Bei einer Kontaktallergie berührt das chrombelastete Lederteil die Haut. An der Berührungsstelle tritt als typisches Symptom ein Ekzem mit Juckreiz, Rötung und wässrigen Bläschen auf. Bei einer erhöhten Empfindlichkeit bildet sich nicht nur an der Berührungsstelle ein Ekzem, sondern auch entfernteren Hautstellen (zum Beispiel Armbeuge oder Gesicht). Bei einer extremen Chromallergie kann ein kleiner Hautkontakt Ekzeme am ganzen Körper auslösen.

Gesetzliche Grenzwerte schützen den Verbraucher in Deutschland und Europa

Produkte aus Leder wie Schuhe, Handschuhe oder Kleidung gehören zu den Bedarfsgegenständen, für die es gesetzliche Vorgaben gibt. Diese Vorgaben gelten auch für weitere aus Leder hergestellte Produkte im Haushalt oder des persönlichen Gebrauchs wie Stuhlüberzüge, Lederspielwaren, Uhrenarmbänder, Taschen und Rucksäcke oder Brustbeutel.

Der Gehalt an Chrom VI wird für Produkte, die seit dem Mai 2015 in den Handel kommen, in der europaweit geltenden REACH-Verordnung geregelt. Demzufolge ist es in Europa verboten, Ledererzeugnisse oder Lederteile von Produkten, die mit der Haut in Berührung kommen, in den Handel zu bringen, wenn ihr Gehalt an Chrom VI 3 Milligramm pro Kilogramm oder mehr beträgt. Diese Regelung ermöglicht europaweit eine einheitliche Bewertung.

Gibt es auch Lederwaren ohne Chrom?

Chrom VI muss nicht in Lederwaren, die der Verbraucher kauft, enthalten sein. Gründe hierfür sind, dass es geeignete Verfahren gibt, den Chrom VI-Gehalt zu vermindern. Zudem kann die Lederherstellung statt mit Chromsalzen mit alternativen Substanzen wie pflanzlichen Gerbstoffen stattfinden. Deshalb sind bei Untersuchungen von Lederwaren des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) je nach Herstellungsweise Produkte mit gesundheitsschädlichen Gehalten an Chrom VI festzustellen, aber auch Produkte, bei denen kein oder nur wenig Chrom VI nachgewiesen wurde.

Hilfreich für den Verbraucher sind unabhängige Siegel, die chromfrei gegerbte Lederprodukte kennzeichnen:

  • IVN-Zertifikat Naturleder
    Dieses Siegel wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben. Unter www.naturtextil.de ist eine Händlerliste für IVN-zertifizierte Produkte zu finden.
     
  • ECARF-Siegel
    Die Europäische Stiftung für Allergieforschung vergibt dieses Siegel. Eine Liste von Anbietern chromfrei gegerbter Lederwaren gibt es unter www.ecarf.org.

Was tun bei einer Chromallergie?

Chrom zählt neben Nickel und Duftstoffen zu den häufigsten Allergenen.

Menschen, die bereits sensibilisiert sind, können sich nur schützen, indem sie jeglichen Kontakt mit Chrom VI-haltigen Produkten vermeiden. Wer beim Kauf von Lederwaren, egal ob Jacke, Rucksack oder Armband, aus der Kennzeichnung und den Produktinformationen keine Chromfreiheit ableiten kann, verzichtet am besten auf diese Produkte. Denn bereits kleine Mengen reichen aus, um bei empfindlichen Menschen allergiebedingte Symptome auszulösen.

Stand: August 2017