Waschmittelkapseln "Liquid Caps" - Vergiftungsgefahr für Kinder

Sie sind klein, glänzen in bunten Farben und passen gut in den Mund: Kapseln mit Flüssigwaschmittel - sogenannte "Liquid Caps" - sehen für Kinderaugen nicht anders aus als bunte Bonbons. Flüssigwaschmittel werden in letzter Zeit vermehrt in diesen portionierten Packungen verkauft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor den Gefahren dieser Waschmittel-Kapseln.

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Junge Frau steht vor einer Waschmaschine und hält Liquid Cabs in der Hand

"Sie sehen aus wie bunte Bonbons"

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt daher vor den Risiken der neuen Waschmittel. Seit 2012 dokumentierten deutsche Giftinformationszentren rund 150 Fälle von mittelschweren Vergiftungen mit den Kapseln. Zerbeißen Kinder die Kapseln, kann das zu schweren Hautreizungen, Hustenanfällen und Erbrechen führen.

„Liquid Caps“ sind hochkonzentriert

Liquid Caps sind eine Produktinnovation im Bereich der Waschmittel, auch bekannt als Gel Caps oder Waschmittelkissen. Es handelt sich dabei um hochkonzentrierte Flüssigwaschmittel in einer dünnen Folienummantelung, die sich beim Waschen im Wasser auflöst. Die Kapseln enthalten Waschmittel für genau einen Waschgang, und werden mit der Kleidung zusammen in die Maschine gelegt. Im Wasser der Waschtrommel löst sich die äußere Plastikfolie auf und gibt die Inhaltsstoffe frei. Diese Folie könnten Kinder aber leicht zerbeißen, warnt das BfR.

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Waschmittel-Caps ein erhöhtes Vergiftungsrisiko bergen. In Großbritannien, Frankreich und Italien, in denen die Caps schon länger auf dem Markt sind, werden jährlich ca. 400-500 Anfragen zu Vergiftungsunfällen mit „Liquid Caps“ gemeldet.

Zudem enthalten die Packungen höhere Konzentrationen an Tensiden, den Wirkstoffen von Waschmitteln. Daher geht von den Kapseln eine größere Gefahr aus als von anderen marktüblichen Wasch- und Reinigungsmitteln. Es ist wahrscheinlich, dass schon von kleinen Mengen gesundheitliche Risiken ausgehen. Ein Verschlucken von waschaktiven Stoffen in die Lunge (Aspiration) muss dann in jedem Falle ärztlich ausgeschlossen werden.

Verwechslungsgefahr nicht nur bei Kindern

Kinder sind nicht die einzige Risikogruppe der Flüssigwaschmittel. Auch ältere Menschen könnten die kleinen Kapseln mit Medikamenten verwechseln.

Aufgrund der handlichen Größe, der bunten Farbe, der glänzenden Verpackung und der weichen, glatten Oberfläche der „Liquid Caps“ kann eine Verwechselung auch für Erwachsene im hohen Alter, bei bestimmten Erkrankungen oder beginnender Demenz nicht ausgeschlossen werden.

Hersteller sind aufgefordert, die Kapseln sicherer zu machen

Auf der Basis der deutschen Fälle und nach den Erfahrungen aus anderen Ländern sieht das BfR bei den „Liquid Caps“ Handlungsbedarf, um gesundheitliche Risiken für den Verbraucher zu vermindern.

Ein Verbot der Liquid Caps hält Giftexperte Axel Hahn vom BfR aber für den falschen Weg. "Aus Sicht der Umwelt ist es ja klug, Waschmittel genauer zu dosieren", sagt Hahn. Das sei prinzipiell ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch müssten die Hersteller die Kapseln unattraktiver für Kinder machen.

Das BfR hat die Hersteller aufgefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Produkte in Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit für Kinder weniger attraktiv zu gestalten. Inzwischen haben die meisten Produktlinien auf Farben, die auf Kinder besonders anziehend wirken, verzichtet, die Verpackungsverschlüsse verstärkt und Warnhinweise auf den Verpackungen angebracht. Außerdem prüfen die Hersteller, ob das Folienmaterial mit Bitterstoffen und einer anderen Oberfläche versehen werden kann.

Das BfR empfiehlt, diese Planungen zügig umzusetzen und mit weiteren Maßnahmen, wie dunklen, matten Folienoberflächen, zu ergänzen.

Das können Eltern tun

  • Die Packungen nach Gebrauch sofort wieder verschließen.
  • Keine Einzelportionen griffbereit auf der Waschmaschine liegen lassen.
  • Nachfüllbehälter nicht in der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Gespräche mit Kindern und Betreuungspersonen können helfen, das Vergiftungsrisiko zu vermindern.

Vergiftungs-App des BfR

Für den Ernstfall gibt es Giftnotrufe. Das BfR hat eine spezielle App für Vergiftungen   bei Kindern entwickelt (hier finden Sie die Version für Android und für Apple iOS).

Giftnotruf

Hilfe bei Vergiftungen: Die Telefonnummern der Giftnotrufzentralen  im Überblick.