Verdächtige Postsendungen mit Pflanzensamen

Wer Sendungen von unbekannten Absendern aus China, Singapur und anderen Staaten in Fernost mit Samentütchen in der Post hat, sollte diese Tütchen umgehend im Restmüll entsorgen. Auf keinen Fall sollten die Samen ausgesät werden oder in den Biomüll gelangen.

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Plfanzensamen

Das passiert zurzeit weltweit jeden Tag und jetzt eben auch in Hessen. Sendungen von unbekannten Absendern aus China, Singapur und anderen Staaten in Fernost enthalten Samentütchen, welche die Empfänger nicht bestellt haben. Dem Pflanzenschutzdienst Hessen des Regierungspräsidiums Gießen (RP) wurden aktuell zwei solcher Fälle aus Südhessen gemeldet. Die Sendungen sollten, so die Empfehlung der RP-Pflanzengesundheitsexperten, im Hausmüll (Restmüll) entsorgt werden und dürfen keinesfalls ausgesät werden oder in den Biomüll oder auf den Kompost wandern, da die Samen mit für unsere heimische Pflanzenwelt hochgefährlichen Viren, Bakterien oder Pilzen verseucht sein könnten.

Betroffene finden in ihrem Briefkasten ein kleines Kuvert, wie typischerweise bei Kleinsendungen von Onlineversendern verwendet. Dieses enthält verschiedene Samen, die in kleine, transparente Plastiktütchen mit Barcodesticker sowie dem Aufdruck „Made in China“ gekennzeichnet sind. An für sich nichts Ungewöhnliches, die Überraschung ist dann aber groß, wenn sich im Familienkreis herausstellt, dass diese Samen gar nicht bestellt worden sind.

Die Behörden unter anderem in den USA, Japan und China prüfen Presseberichten zufolge im Moment die Herkunft und versuchen auch den Zweck dieser Sendungen zu ermitteln. Ersten Vermutungen der Behörden in Übersee zufolge handelt es sich um eine Betrugsmethode, bei der Kriminelle sich in die Accounts von Versandplattformen wie Amazon und Co. der Empfänger einloggen und die Bestellungen aufgeben, um sich selbst positive Bewertungen zu vergeben.

Aus pflanzengesundheitlicher Sicht sind die Sendungen illegal. Hier ist das Dezernat Pflanzenschutzdienst Hessen des RP Gießen zuständig. Solche Sendungen werden von den Beschäftigten des Pflanzenschutzdienstes üblicherweise bereits am Flughafen Frankfurt oder im dortigen internationalen Postverteilzentrum von den RP-Experten und dem Zoll zurückgewiesen. Seit Dezember 2019 dürfen alle Pflanzen, lebende Pflanzenteile, Samen sowie fast alles Obst nur noch mit einem amtlichen Pflanzengesundheitszeugnis (phytosanitary certificate) versendet beziehungsweise eingeführt werden. Für einige davon, unter anderem für Kartoffeln, besteht sogar ein generelles Einfuhrverbot. Einzige Ausnahmen sind Früchte von Ananas, Kokosnuss, Durian, Banane und Dattel. Nur diese dürfen weiterhin ohne amtliches Pflanzengesundheitszeugnis in die Europäische Union eingeführt werden.

Das RP-Pflanzengesundheits-Team nimmt Anfragen zum Thema unter planthealth@rpgi.hessen.de entgegen.

Pressemitteilung des Regierungspräsidium Gießen vom 10.08.2020