Sonnenbrillen – muss guter Schutz auch teuer sein?

Wenn die Sonne scheint und man sich draußen aufhält, ist es ratsam, die Augen mit einer Sonnenbrille vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen – und zwar unabhängig von der Jahreszeit! Aber welche Sonnenbrille ist geeignet, welche nicht? Sind auch günstige Modelle zu empfehlen oder darf man nur den höherpreisigen Gläsern vertrauen? Was sollten Brillenträger beachten? Das VerbraucherFenster Hessen hat für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema zusammengestellt.

RS12379_Junge Frau mit Sonnenbrille am Meer © SKYDIVECOP - Fotolia.com_.jpg

Frau mit Sonnenbrille am Meer

Sonnenbrille tragen ist cool!

Ja, das auch. Aber viel wichtiger als cooles Aussehen ist der gesundheitliche Mindeststandard, den eine Sonnenbrille im Hinblick auf den UV-Schutz erfüllen muss. Nur wenn sie diesem Standard genügt, ist die Sonnenbrille wirklich „cool“. Wenn das Auge nicht ausreichend geschützt wird, können Netzhautschädigungen und Hornhauttrübungen die Folge sein. In Deutschland verkaufte Sonnenbrillen müssen zumindest den in der Europäischen Union gültigen „europäischen Sicherheitsstandard für persönliche Schutzausrüstung“ erfüllen (EG-Richtlinie 89/686/EWG). Ersichtlich ist dies an dem auf der Brille angebrachtem CE-Zeichen.

Aber Vorsicht: Das CE-Zeichen kann zum einen auch unberechtigt angebracht sein, da es hierfür keiner offiziellen Überprüfung bedarf. Zum anderen ist damit nur ein UV-Schutz bis zu einer Wellenlänge von 380 Nanometer (nm) garantiert. Schädliches UV-Licht kann aber bis zu 400 nm erreichen. Daher ist in einigen Ländern für Sonnenbrillen ein UV-Schutz bis 400 nm vorgeschrieben. Die Empfehlung von Augenärzten geht noch einen Schritt weiter: Wer bereits unter grauem Star oder Netzhautproblemen leidet bzw. schon eine Augenoperation hatte, sollte einen noch höheren Schutz – bis zu 480 nm – wählen, da gewisse Anteile des UV-Lichts diese Wellenlänge erreichen und damit für den entsprechenden Personenkreis gefährlich werden könnten.

Gute Sonnenbrillen sind teuer! Stimmt das?

Ja und nein. Es gibt durchaus qualitativ gute Sonnenbrillen im niedrigen Preissegment. So können Brillen für 15 Euro guten UV-Schutz gewährleisten. Sonnenbrillen der Güte bis zu 480 nm sind natürlich teurer als jene, die lediglich den Mindeststandard erfüllen. Andererseits sagt ein hoher Preis von mehreren Hundert Euro nicht unbedingt etwas über den UV-Schutz aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz findet bei Kontrollen immer wieder auch teure Sonnenbrillen mit unzureichendem Schutz. Das Tragen minderwertiger Sonnenbrillen kann auf Dauer die Augengesundheit schädigen.

Informiert ist geschützt

Informieren Sie sich, wenn Sie sich nicht sicher sind, welchen UV-Schutz Ihre Sonnenbrille hat, wenn dieser nicht auf Ihrer Brille angegeben ist. Wenden Sie sich an einen Augenoptiker, denn nur dieser kann den UV-Schutz prüfen. Haben bzw. benötigen Sie eine Sonnenbrille mit eingeschliffenen (=optischen) Gläsern, dann empfiehlt es sich erst recht, die fachliche Kontrolle gelegentlich durchführen zu lassen. Grund: Der relativ dünne UV-Schutz lässt im Laufe der Zeit Verschleiß-bedingt nach zum Beispiel durch Putzen der Gläser. Viele Augenoptiker bieten diesen Check übrigens kostenlos an.

Der Augenoptiker kann Sie auch kompetent beraten, welcher UV-Schutz für Sie und Ihren Bedarf am besten ist und Ihnen bei der Auswahl der Gläser mit der richtigen Tönung helfen.

Alles so schön bunt hier!

Die Farbtönungen der Sonnenbrillen sind fast so vielfältig wie die Formen, und sie lassen die Welt um sich herum und sogar schlechtes Wetter oft viel freundlicher wirken. Allerdings sollte man sich davon - im doppelten Wortsinn - nicht blenden lassen. Bestimmte Tönungen, beispielsweise in den Farben Blau und Rosa oder auch Orange, Gelb und Grün können die Sehschärfe sowie den Kontrasteindruck negativ beeinflussen. Hinzu kommt, dass die Farbwahrnehmung verändert wird, so dass bestimmte Gläser-Tönungen – insbesondere Grüntöne – für die Teilnahme am Straßenverkehr eher ungeeignet sind. Geeignet sind Braun- und Grautönungen, da sie die Umgebungsfarben kaum verändern.

Die Tönungsstärken, die meist auf dem Bügel aufgedruckt sind, werden in die Kategorien 0 bis 4 eingeteilt:

  • Kategorie 0 steht für eine sehr leichte Tönung (unter 20%), die nur einen geringen Blendschutz bietet und daher eher für den Abend (Dämmerung) geeignet ist. 
  • Kategorie 1 ist für eher bedeckte Tage geeignet und bietet bis zu 57% Tönung.
  • Kategorie 2 mit bis zu 82% Tönung ist für sonnige Tage in Mitteleuropa geeignet.
  • Kategorie 3 (bis zu 92% Tönung) wird empfohlen für den Aufenthalt am Strand, in Südeuropa oder für sportliche Aktivitäten an sehr sonnigen Tagen.
  • Kategorie 4 bietet mit bis zu 97% Tönung den stärksten Filter für Aufenthalte im Hochgebirge, auf dem Gletscher oder beim Wassersport. Diese Brillen dürfen jedoch nicht beim Autofahren getragen werden.

Achtung: Tönungsstärken sagen nichts über den UV-Schutz aus!

Namen sind Schall und Rauch – oder?

Im Gegenteil! Achten Sie beim Kauf Ihrer neuen Sonnenbrille darauf, dass sämtliche Hersteller-Angaben einschließlich Namen und Anschrift entweder auf der Verpackung, dem Etikett oder einem Beiblatt ersichtlich sind. Nur dann können Sie einen Reklamations-Anspruch geltend machen, falls die Sonnenbrille nicht die Mindestanforderungen (siehe oben) erfüllen sollte.

Pflege

Reinigen Sie Ihre Sonnenbrille nicht mit heißem Wasser. Lauwarmes Wasser, etwas Geschirrspülmittel und ein sauberes, fusselfreies Kosmetiktuch oder Papiertaschentuch reichen völlig aus. Andere Haushaltsreiniger, Brillen­sprays oder Feucht­tücher sind unnötig, womöglich sogar ungünstig für die Beschichtung. Taschentücher, Küchen­rolle, Klopapier und Kleidungsstoff eignen sich nicht als Putztuch. Die rauen Fasern können die Gläser eher zerkratzen.

Brille vom Discounter vs. Markenbrille vom Optiker

Laut Angaben der Stiftung Warentest wurden in 2014 weniger als 10 Prozent bei Optikern gekauft. Dennoch: Auch die Brillen vom Discounter oder aus dem Warenhaus müssen – sofern sie den oben genannten Standards entsprechen – nicht schlechter sein. Sie können aber schlechter sitzen, da sie nicht fachgerecht an den Kunden angepasst werden. Wenn Sie eine (günstige) Sonnenbrille erwerben möchten, achten Sie darauf, dass nichts wackelt und sich die (Kunststoff-)Gläser nicht schon bei leichtem Druck eindrücken lassen. Auch sollten weder Gegenstände noch die Umgebung beim Blick durch die Brille verzerrt dargestellt werden.


Stand: Juni 2016