Schadstoffe in Textilien können Allergien auslösen

Baumwollanbau, Färben, Bleichen, Glätten – bei der Herstellung von Kleidung fallen viele Produktionsschritte und Chemikalien an. Je nachdem welche Substanzen verwendet wurden, können diese unter anderem Allergien auslösen oder die Umwelt belasten. Wie können Verbraucher sich und die Umwelt vor diesen Schadstoffen schützen?

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Bunte T-Shirts an Kleiderbügeln

Der Preis macht kaum einen Unterschied

Unabhängig davon, ob das Shirt oder die Hose gerade im Trend sind oder viel oder wenig kosten, häufig ist Kleidung in der Produktion mit verschiedenen Chemikalien behandelt worden. Sei es, um die schöne Farbe auf das Hemd zu bekommen oder um die Stoffe hinterher zu glätten. Insgesamt sind rund 6500 unterschiedliche Chemikalien im Einsatz und nicht wenige dieser Stoffe sind giftig, manche sogar krebserregend.

Deutsche Produzenten setzen zwar viele dieser bedenklichen Chemikalien nicht mehr ein, allerdings wird nur noch ein Bruchteil der hierzulande verkauften Kleidung überhaupt in Deutschland hergestellt. Stattdessen kommen die meisten Textilien aus China, der Türkei oder Bangladesch. Dort werden noch viele Stoffe während der Fertigung von Kleidung eingesetzt.

Einsatz von Pestiziden beim Baumwollanbau

Laut Umweltbundesamt werden für den Anbau von konventioneller Baumwolle große Mengen an Insektiziden, Pestiziden und Düngemitteln eingesetzt. So entfallen 25 Prozent des weltweiten Insektizidmarktes und fünf Prozent des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau. Grund dafür ist unter anderem, dass Baumwollpflanzen in Monokulturen besonders anfällig für einen Schädlingsbefall sind.

Experten gehen davon aus, dass nach vielen Verarbeitungsschritten bis zum fertigen Kleidungsstück keine bedenklichen Mengen der Pflanzenschutz- und Düngemittel mehr vorhanden sind und somit bei der Entwicklung von Allergien keine Rolle spielen.

Allerdings können die Mittel von den Baumwollfeldern in den Boden und das Wasser übergehen und diese verschmutzen.

Viele Substanzen für eine brillante Färbung

Beim Färben der Textilien fallen viele Chemikalien an. Besonders schwarze Kleidung ist mit Schadstoffen durchs Färben belastet und kann zu Hautirritationen und Allergien führen. Für eine intensive schwarze Farbe müssen einige komplementäre Farbstoffe wie Blau, Orange oder Gelb in bestimmten Konzentrationen miteinander vermischt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein bedenklicher Stoff darunter befindet steigt somit an. Leider verrät das Etikett nicht, welche Farbstoffe verwendet wurden.

Damit die Farben kräftig sind und gut auf den Textilfasern halten, müssen diese in ausreichenden Konzentrationen aufgetragen und meist auch noch mit weiteren Substanzen fixiert werden. Häufig werden hierfür unter anderem Schwermetalle eingesetzt. Je nachdem wie hochwertig die Färbung ist und welche Art der Fasern eingefärbt wird, hält sie auf den Textilien. Allerdings kann es besonders bei Kunstfaser oder Mischgewebe vorkommen, dass sich die Farbe nicht richtig mit den Fasern verbindet. Durch Hautkontakt und Schweiß kann es daher passieren, dass sich die Farbe ablöst und so Hautreizungen und Allergien hervorruft.

Nicht jeder Farbstoff ist in Deutschland erlaubt

Nicht wenige Farbstoffe aus der Gruppe der Azofarben gelten nachweislich als krebserregend. Daher ist die Verwendung dieser Farben sowie der Verkauf von Textilien, die mit diesen Farbstoffen behandelt wurden, in Deutschland verboten.

Auch einige blaufärbende Substanzen sind hierzulande nicht erlaubt, dafür allerdings in anderen Ländern der Europäischen Union. Wer also Mode als Mitbringsel aus dem Urlaub im Schrank hängen hat, ist nicht gefeit vor den allergieauslösenden Stoffen.

Jeans – häufig mit Chlor gebleicht

Für die beliebte Jeans-Optik werden vor allem Jeans nach der Blaufärbung mit Chlorat gebleicht. Je nachdem wie gut die Jeans anschließend in der Produktion ausgespült wird, können Rückstände des Chlorats in den Fasern zurückblieben. Erkennbar sind diese Chloratrückstände manchmal sogar an einem stechenden Geruch der neuen Hose. Liegt die Jeans dann eng an der Haut an und kommt es zur Schweißbildung, sind Allergien und Hautirritationen möglich.

Während des Bleichens kann das Chlorat auch in die Abwässer und in die Umwelt gelangen. Dort kann sich der Stoff anreichern und ist giftig für Mensch und Tier.

Knitterfreie Kleidung dank Formaldehyd

Klingt super praktisch: Hemden und Shirts, die man vor dem Anziehen nicht erst noch bügeln muss. Aber leider gehört zur Wahrheit auch, dass diese knitterfreien Kleidungsstücke meist mit Formaldehyd behandelt worden sind. Diese Chemikalie gilt nicht nur als allergieauslösend, sondern auch bei dauerhafter Belastung und in hohen Dosen als krebserregend.

Antibakteriell –in vielerlei Hinsicht

In Sport- und Freizeitkleidung werden oft Biozide und Nanosilber eingesetzt. Diese Stoffe sollen antibakteriell wirken und die Geruchsbildung verhindern. Leider kann aber auch die eigene Hautflora dadurch beeinträchtigt werden. Auch Allergien sind so möglich. Durch das Waschen in der Waschmaschine lösen sich die Substanzen nach und nach aus der Kleidung und gelangen so in den Wasserkreislauf. Die Biozide sind für Wasserorgansimen schädlich.

Schutz vor Motten beim Transport

Beim Transport von im Ausland gefertigten Textilien müssen besonders Naturfasern, wie Baumwolle, Seide oder Wolle vor Schimmel und Insekten geschützt werden. Nicht selten werden Textilien hierfür mit Insektiziden gegen Motten behandelt.

Tipps für die nächste Shoppingtour

  • Der Nase nach: Riecht die Kleidung stark? Dann besser auf den Kauf verzichten. Der starke Geruch kann auf Insektenschutzmittel oder Chloratrückstände hinweisen.
  • Ordentlich durchwaschen: Neue Kleidung sollte vor dem ersten Tragen gewaschen werden, um mögliche Reste an Chemikalien aus den Fasern herauszuspülen.
  • Je heller desto besser: Wer zu Allergien neigt, sollte auf schwarze Jeans, schwarze Unterwäsche und Socken sowie auf Kleidung, die den Hinweis trägt „separat waschen“ oder „Kleidung blutet aus“ verzichten.
  • Bügeleisen statt Chemie: Der Hinweis „Vor dem ersten Tragen waschen“ deutet auf Chemikalien bei der Anwendung hin, etwa Formaldehyd für knitterfreie Kleidung. Wenn man die Wahl hat: Besser morgens fünf Minuten eher aufstehen und noch schnell das Hemd bügeln, als eine Chemiekeule auf der Haut!
  • Antibakterielle Kleidung muss nicht sein: Ob antibakterielle Kleidung sinnvoll ist, bleibt fragwürdig, bedenkt man, dass sich die antibakteriellen Substanzen schnell aus der Kleidung waschen. Stattdessen können im Sportbereich Textilien aus Naturfasern punkten, etwa aus Bio-Baumwolle, Wolle, Seide oder Holzfasern (Modal).
  • Siegel geben Klarheit: Heutzutage ist es tatsächlich schwer Kleidung zu finden, die komplett chemikalienfrei ist. Der Blick auf Siegel kann beim Kleidungskauf etwas Licht ins Dunkle bringen.
  • Schutz dank europäischer Verordnung: Die europäische REACH-Verordnung regelt die Verwendung von bestimmten Stoffen und registriert und bewertet Chemikalien für die Zulassung. Interessierte können auf dem Portal www.reach-info.de Anfragen zu bestimmten Produkten stellen und können dann Auskunft über bedenkliche Chemikalien bekommen, falls diese enthalten sind.(Sie)

Stand: Juli 2020