Küchenutensilien aus Kunststoff sicher verwenden

Mikrowellengeschirr aus Kunststoff, Backformen aus Silikon oder Pfannenwender aus Plastik sind beliebte Küchenhelfer. Doch nicht jeder Kunststoff übersteht unbeschadet alle Gefrier- oder Backtemperaturen. Küchenutensilien aus Kunststoff müssen daher Hinweise tragen, wenn das für deren sichere Verwendung erforderlich ist. Viele Hersteller kommen dieser Kennzeichnungspflicht jedoch nicht ausreichend nach.

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Küchenutensilien aus Kunststoff

Sicherheit geht vor

Geschirr und Küchenutensilien aus Kunststoff, Silikon und anderen Materialien, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, müssen für den Verwendungszweck geeignet sein. Gesundheitsschädliche Substanzen dürfen nicht oder nur in Mengen unterhalb der Grenzwerte in Lebensmittel übergehen.

Damit Verbraucher erkennen können, ob die benutzten Küchenutensilien für Mikrowelle & Co. geeignet sind, müssen diese mit ausreichenden Informationen zu dem Material und dem vorgesehen Verwendungszweck versehen sein. Es muss also erkennbar sein, ob die Küchenutensilien aus Kunststoff in der  Mikrowelle verwendet werden können oder welchen Temperaturen diese ausgesetzt sein dürfen. Diese Hinweise sind gesetzlich vorgeschrieben, wenn sie erforderlich sind. Sie müssen gut sichtbar, gut lesbar und unverwischbar sein.

Genauere Vorgaben, zum Beispiel für verschiedene Materialien, gibt es nicht. Das Material, aus dem der Gegenstand besteht, muss nicht gekennzeichnet sein. Die Hinweise dürfen am Regal, auf der Verpackung oder den Gegenständen selbst stehen, so dass sie nicht immer dauerhaft zur Verfügung stehen.


Gebrauchshinweise – unvollständig und fehlerhaft

Angaben zum Verwendungszweck von Küchenutensilien erfolgen oft durch Symbole, so genannte Piktogramme, auf der Unterseite in Form einer durchgestrichenen Spülmaschine oder eines Gefriersternchens mit Temperaturangaben. Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen zu Mikrowellengeschirr, Silikonbackformen, Melamingeschirr und Pfannenwendern ergab, dass die Gebrauchshinweise oft schlecht lesbar, unverständlich oder nicht dauerhaft angebracht sind. Teilweise fanden sie sich nur auf den Transportverpackungen oder auf Anhängern.


Vorsicht heiß! – Schüsseln, Backformen & Co. aus Kunststoff sicher verwenden

Kunststoffe vertragen ganz unterschiedliche Temperaturen – abhängig davon, woraus sie hergestellt sind: Melamin, Silikon oder Polypropylen. Einige sind nicht für die Spülmaschine geeignet, andere nicht zum Einfrieren oder für die Pfanne. Wird die maximal verträgliche Temperatur überschritten, können gesundheitsschädliche Stoffe aus den Kunststoffen in die Lebensmittel übergehen.


Melamingeschirr

Leichter, harter und bruchsicherer Kunststoff ist besonders für Kinder- oder Campinggeschirr praktisch. Er enthält meist Melaminharz aus Melamin und Formaldehyd. Wenn in Melamingeschirr saure Lebensmittel aufbewahrt werden oder es zu hoch erhitzt wird, können sich Melamin und Formaldehyd lösen und in die Lebensmittel übergehen. Das ist gesundheitlich bedenklich, denn Formaldehyd gilt als haut- und schleimhautreizend sowie krebserregend. Im Tierversuch konnte festgestellt werden, dass Melamin toxische Wirkungen an der Blase verursacht. Der Gesetzgeber hat daher Grenzwerte für deren Anteile in Küchenutensilien festgelegt, so dass die Materialien bei sachgemäßem Gebrauch unbedenklich sind.

Wichtig ist: Melamingeschirr nur als Ess- und nicht als Kochgeschirr in der Mikrowelle zu nutzen. Das Einfüllen von heißen Speisen bis 70 °Celsius ist unbedenklich. Ob der Kunststoff jedoch aus Melaminharz besteht, ist nicht immer gekennzeichnet. Das Buchstabenkürzel MF weist darauf hin.


Silikonbackformen

Silikon hat als Material für Backformen und -matten, Topflappen, Untersetzer und Deckel viele Vorteile. Lebensmittel kleben kaum daran fest und lassen sich im Unterschied zu Backformen und -blechen aus Metall leicht davon lösen, ohne vorheriges Einfetten. Silikon eignet sich zum Backen, Einfrieren und für die Verwendung in der Mikrowelle. Nur auf die heiße Herdplatte darf es nicht.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Hersteller mit der Hitzestabilität des Materials, gelten Küchenutensilien aus Silikon mittlerweile als gesundheitlich unbedenklich. Allein unterschiedliche Angaben zur maximal verträglichen Temperatur irritieren Verbraucher, denn trotz gleichem Material schwanken die Angaben der Hersteller zwischen 200 °Celsius und 260 °Celsius.

Mikrowellengeschirr

Im Handel gibt es eine Fülle von Mikrowellengeschirr aus Kunststoff, meist Polypropylen, das sich sowohl zum Erhitzen, Kochen und Einfrieren eignet. Melamin oder Polystyrol vertragen hingegen nur Temperaturen bis 70 °Celsius. Es sollten nur Schüsseln, Tassen und Teller in der Mikrowelle landen, die dafür geeignet und entsprechend gekennzeichnet sind. Werden ungeeignete Kunststoffe in der Mikrowelle zu heiß, können gesundheitsschädliche Stoffe in die Lebensmittel übergehen. Die auf dem Mikrowellengeschirr gekennzeichneten Temperaturbereiche variieren je nach Hersteller deutlich. Sie sollten immer beachtet werden. Fehlen die Temperaturangaben, sollte Kunststoffgeschirr sicherheitshalber nicht in der Mikrowelle benutzt werden.


Pfannenwender

Pfannenwender aus Kunststoff sind nicht alle gleich: Während manche Temperaturen um die 160 °Celsius nur einige Sekunden vertragen, überstehen andere sogar Temperaturen bis zu 280 °Celsius unbeschadet. Pfannenwender aus Kunststoff sollten daher nur innerhalb des angegebenen Temperaturbereichs verwendet und nie in der Pfanne liegengelassen werden. Fehlen Temperaturangaben sollten Pfannenwender aus Kunststoff nicht verwendet werden. Alternativ können dann Pfannenwender aus Holz die richtige Wahl sein.

Die Verbraucherzentrale Hessen fordert

  • vom Gesetzgeber, eine Kennzeichnungspflicht für Materialien vorzuschreiben, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.
  • vom Gesetzgeber, einheitliche Piktogramme für verschiedene, die Sicherheit gefährdende Anwendungen festzulegen, zum Beispiel "nicht mikrowellengeeignet", "nicht für den Geschirrspüler geeignet" oder "nicht in der heißen Pfanne liegen lassen".
  • von den Herstellern, Hinweise für eine sichere Verwendung dauerhaft und gut lesbar auf den Küchenutensilien anzubringen.
  • von der amtlichen Lebensmittelüberwachung, unzureichende, missverständliche oder fehlende Hinweise für eine sichere Verwendung von Gebrauchsgegenständen für die Küche konsequent zu ahnden.

Weitere Informationen

Informationen der Verbraucherzentrale Hessen

  • Ausführliche Informationen dazu, welche Gebrauchshinweise sich auf Küchenutensilien finden und wie hilfreich sie sind, gibt die Untersuchung „‘Heiße‘ Küchenutensilien? Marktcheck der Verbraucherzentralen zur Kennzeichnung von Lebensmittelbedarfsgegenständen aus Kunststoff“ (http://www.verbraucher.de/marktcheck-kuechenutensilien-1)
     
  • Das Leporello „Piktogramme zum sicheren Gebrauch von Küchengegenständen“ im Scheckkartenformat gibt es kostenfrei in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen. Es erläutert die wichtigsten Symbole auf Küchengebrauchsgegenständen wie „nicht für die Mikrowelle geeignet“, „nicht für den Geschirrspüler geeignet“ und die Bedeutung von Temperaturangaben.   
     
  • Im Video “Heiße Küchenutensilien sicher verwenden“  aus der Reihe „Verbraucherschutz in 100 Sekunden“, erfahren die Zuschauer unterhaltsam vom Hauptdarsteller Bernd und seiner Freundin den richtigen Umgang mit Küchenutensilien. Der Kurzfilm ist in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz entstanden.

Stand: Januar 2017