Gut versteckt: Tierische Inhaltsstoffe in Kosmetik

In Deutschland müssen die Inhaltsstoffe von Kosmetika und Pflegeprodukten auf der Verpackung genannt werden. Doch nicht selten handelt es sich für den Laien bei den Bezeichnungen um „böhmische Dörfer“. Besonders wenn es darum geht, tierische Bestandteile in den Produkten zu erkennen, wird es schwierig.

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Frau von hinten, schäumt sich ihre langen Haare mit Shampoo ein

Kollagen und Elastin in Hautcremes und Stylingprodukten für die Haare

Elastin und Kollagen sind Proteine, die aus der Haut und den Sehnen von Tieren - meist Schlachtabfällen von Rindern, Schweinen oder auch Fischen – gewonnen werden. Aufgrund ihrer vermeintlich straffenden Wirkung kommen sie häufig in Anti-Aging-Cremes vor sowie in einigen Stylingprodukten für die Haare. Die Anwendung soll die Haut geschmeidiger und fester wirken lassen und aufwendigen Frisuren die nötige Standfestigkeit geben.

Mittlerweile können beide Stoffe synthetisch hergestellt werden und kommen auch in konventioneller Kosmetik zum Einsatz. Auch aus Pflanzen lassen sich Proteine extrahieren, die eine vergleichbare Wirkung für Haut und Haare erzielen sollen, zum Beispiel aus Soja, Weizen oder Algen.

Karminrot für leuchtend rote Lippen und Fingernägel

Nicht nur in rot gefärbten Lebensmitteln, auch in rotem Nagellack oder Lippenstift findet sich häufig Karmin (Cochenille oder CI 75470). Dabei handelt es sich um einen roten Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. Für ein Kilogramm Farbstoff werden zehntausende Läuse getrocknet und gekocht.

Da diese natürliche Farbstoffgewinnung aufwendig ist, wird Kamin oft synthetisch hergestellt. Pflanzliche Alternativen können Rote-Bete-Pulver oder rotes Eisenoxid sein. Zwar leuchtet das Rot hier nicht so intensiv wie das originale Karminrot, macht aber dennoch eine volle, kräftige Färbung.

Keratin – aus Haaren für Haare

Bei Keratin handelt es sich um ein körpereigenes Faserprotein, das den Hauptbestandteil unseres Haares ausmacht. Es sorgt für einen schönen Glanz, aber auch für Kraft und Elastizität. Bei geschädigtem Haar, etwa durch Föhnen oder Glätten, empfehlen Hersteller ihre Pflegeprodukte mit Keratin-Zusatz. Allerdings kann in diesen Shampoos und Spülungen durchaus Keratin enthalten sein, das aus tierischen Produkten - wie gemahlene Hornsubstanz aus Hufen, Hörnern, Haaren oder Federkielen - gewonnen wird.

Als vegane Alternativen können Eiweiße aus Soja, Weizen oder auch Mais genutzt werden. Auch Rosmarin oder Brennnesselsaft eignet sich. Produzenten von Bio-Pflegeprodukten greifen häufiger zu diesen pflanzlichen Optionen.

Schellack für Glanz und Widerstandskraft

Auch für Schellack sind Schildläuse die Quelle – diesmal handelt es sich allerdings um die Ausscheidungen der Tiere. In der Natur sorgt das harzartige, gelbliche Sekret als Schutzschicht für den Nachwuchs. Nachdem die Läuse geschlüpft sind, bleibt der Lack auf Ästen und Stämmen von Bäumen in südostasiatischen Ländern zurück.

Im Vergleich zu vielen anderen Lacken, ist Schellack nicht gesundheitsbedenklich und sondert auch keine giftigen Dämpfe ab. Zudem ist Schellack biologisch abbaubar. Seine festigende, wasserabweisende Eigenschaft macht ihn zum einem beliebten Inhaltsstoff in Haarsprays oder Nagellacken.

Wer lieber auf rein pflanzliche Inhaltsstoffe in Kosmetik setzten möchte, kann auf Produkte mit pflanzlichen Wachsen zurückgreifen.

Lanolin in Salben und Cremes

Lanolin ist vielen Verbrauchern ein Begriff als hautpflegender Inhaltsstoff für Salben und Cremes. Bei dem Stoff, der auch als Wollwachs bezeichnet wird, handelt es sich um ein Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen, das wasserabweisend wirkt und so die Tiere vor Nässe schützt. Auch auf menschlicher Haut hat Lanolin diese beliebte Schutzwirkung und bewahrt die Haut vor dem Austrocknen und ist sehr verträglich. Gewonnen wird der Stoff nach dem Scheren bei der Wäsche von Schafwolle.

Sheabutter oder Öle, wie Mandel-, Oliven- oder Arganöl können einen ähnlichen Effekt auf die Haut haben und sind ein gutes, pflanzliches Pendant.

Kosmetik ohne tierische Inhaltsstoffe –Siegel helfen beim Erkennen

Wer auf tierische Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten verzichten möchte, der kann sich anhand verschiedener Siegel auf den Verpackungen orientieren.

Veganblume: Die Veganblume der Vegan Society England kennzeichnet Produkte (Kosmetika, Pflegeprodukte, Putzmittel und Lebensmittel), die weder Rohstoffe noch Zusätze von Tieren beinhalten. Außerdem schließt das Label Tierversuche aus.
V-Label: Auch die European Vegetarian Union hat ein Label herausgebracht, das Produkte markiert, die frei von tierischen Inhaltsstoffen und Tierversuchen sind.
Hase mit schützender Hand: Dieses Label wurde nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes entwickelt. Vergeben wird es durch den Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTK). Hier wird garantiert, dass für das gelabelte Produkt weder Tierversuche stattgefunden haben noch Rohstoffe von toten Tieren verwendet wurden.
Springender Hase: Der springende Hase kennzeichnet Produkte ohne tierische Zutaten und Tierversuche. Das Siegel wurde von internationalen Tierschutzorganisationen entwickelt, unter anderem dem Deutschen Tierschutzbund und der österreichischen Vereinigung „Vier Pfoten“: Bisher ist der springende Hase das einzige Label, das internationale Anerkennung hat.
Crueltyfree and vegan: Hierbei handelt es sich um ein Siegel der Tierrechtsorganisation PETA. Auch hier sind Tierversuche und tierische Inhaltsstoffe tabu.

Apps geben Klarheit

Wer direkt vor dem Supermarktregal steht, kann sich auch von seinem Smartphone über diverse Inhaltsstoffe in Produkte aufklären lassen. Gute Unterstützer sind dabei die Apps „Codecheck“ oder „ToxFox“. Beide Apps sind kostenlos und für unterschiedliche Betriebssysteme geeignet. Neben tierischen Inhaltsstoffen detektieren sie auch andere, für die Umwelt oder Gesundheit bedenkliche Substanzen. Infos gibt es über den eingescannten Barcode.

Tipps für die Internetrecherche

Auf der Website Haut.de findet sich eine Datenbank, die über Inhaltsstoffe in kosmetischen Mitteln informiert, welche auf Grundlage der Europäischen Kosmetikverordnung vorkommen können. Diese Datenbank wird regelmäßig aktualisiert. Verbraucher bekommen hier Antworten auf die Fragen, welcher Stoff sich hinter dem auf der Verpackung angegebenen INCI-Code (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) verbirgt, welche Aufgabe der jeweilige Stoff in den Produkten hat und wie sicher dieser ist. (Sie)

Stand: Februar 2022