Gefälschte Kosmetikprodukte: Der Handel boomt

Warum 80 Euro für ein Parfüm ausgeben, wenn man es auch viel billiger haben kann? Der Handel mit gefälschten Kosmetikprodukten boomt. Das schadet aber nicht nur den Händlern.

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Parfumflakon

Wer nach den Worten „Parfum günstig“ bei Google sucht, erhält in nicht mal einer Sekunde mehr als eine halbe Million Treffer. Viele Angebote aus den Onlineshops sind seriös, aber mindestens genauso viele sind es nicht. Die Kosmetikbranche hat tatsächlich ein großes Problem mit Produktfälschungen. Der deutsche Zoll hat mehr als eine halbe Million gefälschter Körperpflegeprodukte im Wert von fast 19 Millionen Euro im Jahr 2015 sichergestellt. 2014 waren die Zahlen sogar noch höher. Lag früher die Kleidung an erster Stelle bei vom Zoll beschlagnahmter Ware, ist es seit 2014 die Kosmetik. 53,6 Prozent der gefälschten Waren kommen aus China, gefolgt von Hongkong mit 22,9 Prozent.

Kosmetik für Betrug gut geeignet

Für Betrug im großen Stil ist der Kosmetikmarkt im Internet bestens geeignet. Pflegeprodukte, Cremes und Parfum sind Gegenstände des täglichen Bedarfs, die regelmäßig und in relativ kurzen Zeitabständen nachbestellt werden, so die Generalzolldirektion in Bonn. Dazu kommt, dass sich Kosmetikprodukte schon aufgrund ihrer Größe bestens für den Versandhandel eignen und deshalb oft online bestellt werden. Obwohl auch der Fachhandel Online-Shops betreibt, wird gerne bei illegalen Mitbewerbern gekauft. Weil es sich gerade bei Parfums um hochpreisige Produkte handelt, bieten hier auch Betrüger ihre in Herstellung und Preis billigeren Produkte an.

Risiko für Vebraucher

Durch die Produktfälschungen entsteht der Kosmetikindustrie ein enormer Schaden. „Wer solche Produkte kauft, gefährdet Arbeitsplätze in der Industrie, dem Fachhandel und den Zulieferbetrieben. Zudem sollten die Käufer bedenken, dass sie mittelbar Kinderarbeit und Organisierte Kriminalität unterstützen“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbands. Aber der Verbraucher schadet nicht nur der Industrie, sondern auch sich selbst. „Markenpiraterie mit einer oftmals extrem minderwertigen Produktqualität stellt eine Gefahr für die Kunden dar, die weiterhin unterschätzt wird. Denn Fälscher gehen kaltblütig über mögliche Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für die Verbraucher hinweg“, so Ruppmann. Sonnencreme führt Ruppmann als Beispiel an, die gar nicht den angegebenen Sonnenschutz enthält und deshalb beim Endverbraucher zu Verbrennungen führen kann.
Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht von einem Risiko für Verbraucher aus: „Wer die kriminelle Energie besitzt Produkte zu fälschen, wird sich wahrscheinlich auch nicht an gesetzliche Vorgaben wie Stoffverbote und -Beschränkungen halten“. Deshalb können gefälschte Kosmetikprodukte beispielsweise Allergien auslösen oder krebserregende Stoffe enthalten.

Original oder Fälschung?

Für Konsumenten ist es in Onlineshops fast unmöglich, ein gefälschtes Produkt vom Original zu unterscheiden. Die Verbraucherzentrale NRW rät deshalb, nur in seriösen Onlineshops zu bestellen, die von einem autorisierten Fachhändler betrieben werden. Gleiches empfiehlt auch der Zoll. Nach Angaben des Zolls ist oft ein extremer Unterschied zum üblichen Preis des Fachhandels ein Indiz für Fälschungen. Websites mit sehr vielen Angeboten und eigentümlicher Aufmachung sollte Kunden ebenfalls skeptisch machen. Der Ankauf und auch die Einfuhr von gefälschten Kosmetika aus dem Ausland sind in Deutschland nicht strafbar. Wenn die gefälschten Produkte dann weiter verkauft werden, kann es schnell teuer werden, denn die Markenrechte der Unternehmen werden dabei verletzt.

Tipps für Verbraucher

Online sind gefälschte Pflegeprodukte kaum vom Original zu unterscheiden. Einfacher ist es, wenn man die Ware vor dem Kauf anschauen kann, zum Beispiel auf Basaren und Märkten in den Urlaubsländern.
Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbandes VKE gibt Tipps, wie sich Fälschungen erkennen lassen:

  • Verpackung: Die Umverpackungen werden häufig recht gut kopiert. Aber die Fälscher sparen oft an hochwertigen und aufwendigen Feinheiten, wie etwa Prägungen. Beispielsweise ist die Packung nicht besonders stabil, weil die Papierqualität niedriger ist. Markennamen sind zum Teil unsauber aufgebracht oder falsch geschrieben. Auch fehlen die Produktinformationen oft.
  • Flakons: Sie sind häufig einfacher gestaltet, als beim Original. Das Glas hat manchmal Lufteinschlüsse oder scharfe Kanten. Statt Metall wird dann einfaches Blech eingesetzt.
  • Zerstäuber: Ein zerbrechlich wirkender Zerstäuber sowie ein eindeutig zu kurz geratenes Steigrohr der Pumpe weisen ebenfalls auf Fälschungen hin.
  • Duft: Viele Düfte ähneln zwar dem Original, verfliegen aber auch sehr schnell wieder, weil die hochwertigeren Inhaltsstoffe des Originals fehlen oder ersetzt wurden. Mancher Verkäufer täuscht seine Kunden auch, indem er zunächst das echte Produkte zeigt und dann die Fälschung verkauft.“
     

Vormittags riecht die Nase besser

Parfüm kauft man am besten vormittags. Dann ist die Nase noch nicht von den Alltagsgerüchen gereizt. Natürlich sollte man auch kein Nasenspray vor dem Einkauf benutzen, denn dies kann die Nase ebenfalls reizen und hat auch oft einen Eigengeruch.

Die Auswahl eines Parfüms hängt auch immer von der eigenen Stimmung ab. Ist man selbst angespannt, ist auch der Geruchssinn angespannt und die Nase ist empfindlicher.

Außerdem sollte man sich für die Auswahl des Duftes Zeit lassen. Zu empfehlen ist, in der Parfümerie mehrere Düfte auszuwählen und auf Duftstreifen zu sprühen. Nach ein paar Stunden sollte man nochmals daran riechen, da sich jetzt die Basisnote erst so richtig entfalten konnte. Üblicherweise sind im Sommer eher leichtere und im Winter eher schwerere Düfte gefragt.
 

Stand: Dezember 2016