Funktionsjacken: So stehen Sie nicht im Regen

Funktionsjacken sollen wind- und wetterfest sein und gleichzeitig atmungsaktiv. Sie dürfen kein Regenwasser eindringen lassen und sollen Schweiß nach außen leiten. Wie gut erfüllen Regenjacken diese wichtigen Anforderungen im Test? Das Ergebnis fühlt sich eher nass an. Deshalb finden Sie hier Empfehlungen zum Kauf und die richtigen Pflegetipps.

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Familie macht Pause im Wald

Funktionsjacken sind urban geworden. War Outdoor-Kleidung früher Sportlern und naturverbundenen Menschen vorbehalten, so prägen sie heute an Regen­tagen das Stadtbild. Viele schätzen die Funktionen der Wetterjacken und wollen sich nicht länger mit einem ­Regenschirm herumärgern.

14 Funktionsjacken im Test

Erfüllen Funktionsjacken aber auch die von Herstellern und Werbeindustrie geweckten ­Erwartungen?
Stiftung Warentest hat 14 im Handel erhält­liche Wetter- oder Regenjacken auf ihre Qualitäten geprüft. Angefordert von den Herstellern wurden sogenannte Zwei-Lagen-Damenmodelle zu einem moderaten Preis für den Einsatzbereich Wandern – also keine Spitzenmodelle. Genannt wurden von den Herstellern Jacken, die zwischen 80 und mehr als 300 Euro kosten - schließlich doch nicht nur wirklich preiswerte Jacken.

Regendicht und atmungsaktiv

Was ist eigentlich das Besondere an Funktionskleidung? Sie soll zwei Eigenschaften vereinen, die sich eigentlich ausschließen. Die Jacke (oder Hose) muss regendicht sein, sollte also Wasser nicht eindringen lassen. Gleichzeitig soll sie atmungsaktiv sein, das heißt, Schweiß sollte von innen nach außen aber durchgelassen werden. Bei der klassischen Wetterjacke (Stichwort Gore-Tex) funktioniert dies dank einer Membran bzw. Beschichtung, die Wasserdampf (Schweiß) durchlässt, Wasser in flüssiger Form (Regentropfen) dagegen nicht.

Zwei oder drei Lagen

Funktionsjacken sind aus drei Schichten oder Lagen zusammengesetzt: Dem Oberstoff, der Membran und dem Futter. Bei den Zwei-Lagen-Jacken ist die Membran auf der Innenseite des Oberstoffes aufgebracht, zwei Lagen sind also miteinander verbunden. Das Futter ist separat. Es soll die empfindliche Membran schützen und den Schweiß verteilen. Zum Wandern oder für eine moderate Bergtour ist dies ausreichend.
 

Wenn es sportlicher sein soll, ist eine Drei-Lagen-Jacke angebrachter. Hier sind alle drei ­Lagen miteinander verbunden (verklebt). Der Vorteil: Die Jacken sind dünner, dadurch leichter, trocknen schneller und sie sind strapazier­fähiger beispielsweise gegenüber scheuernden Teilen, wie dem Rucksack. Das Verbinden von drei Lagen ist allerdings aufwendiger und damit kostenintensiver. Deshalb sind die Zwei-Lagen-Jacken für die meisten Hersteller das Hauptgeschäft. Nur der Outdoor-Spezialist Löffler hat sich ganz auf die Produktion von Drei-Lagen-Modellen verlegt (deshalb auch nicht in diesem Test).

Wassersäule bis 28.000 mm

Das oberste Verkaufs­argument bei Funktionsjacken ist natürlich die Regendichtheit. Dementsprechend wird sie auch hochgelobt. "Wassersäule über 10.000 mm" – solche Aussagen finden sich häufig in der Produktbeschreibung. Die Zahl soll angeben, bis zu welchem Wasserdruck das Material "dicht hält", wann also die ersten Wassertropfen durchdringen. Ein Stoff gilt bei einer Wassersäule von 4000 mm bereits als wasserdicht. Die höchsten Werte im Test reklamieren die Hersteller Haglöfs und Patagonia für sich: 28.000 mm.

Verarbeitungsqualität entscheidend

Doch solche Werte sind wenig praxisnah. Oft genug bewähren sich Jacken mit rekord­verdächtiger Wassersäule überhaupt nicht. Denn entscheidend für die Qualität ist nicht nur das Material, sondern auch die Verarbeitung der Jacke: Die Nähte müssen exakt verklebt sein, Taschen und Reißverschlüsse gut abgedeckt sein. Zudem kann eine nicht ausreichende Imprägnierung des Oberstoffs schuld daran sein, dass Wasser eindringt.

Simulation im Regenturm

Stiftung Warentest hat sich deshalb erst gar nicht lange mit der Messung der Wassersäule aufgehalten. Stattdessen führten die Tester einen Praxissimulationstest in einem Regenturm durch: Eine Prüfpuppe mit der Gestalt und Größe einer erwachsenen Person wurde, mit der Jacke bekleidet, 60 Minuten lang einem starken künstlichen Regen ausgesetzt – 450 Liter pro m² und Stunde. Nach dem Test ­wurden die Innenseite der Jacke und die Unter­wäsche auf feuchte Stellen untersucht. Mittels Sensoren konnten Zeitpunkt, Menge und Ort des Wassereintritts festgestellt werden. Diese Prüfung ist an die Norm für Berufs­kleidung DIN EN 14360 angelehnt. 

Nach fünf Wäschen wird es meistens undicht

Im Test zeigte sich, dass die Jacken im Neu­zustand die Norm durchaus erfüllten – neun von 14 schnitten hier "befriedigend" oder besser ab; vier konnten zunächst sogar ein "sehr gut" erzielen. Nach fünf Wäschen war es jedoch in den meisten Fällen vorbei mit der Dichtheit; nur bei den drei Erst­platzierten Haglöfs, Schöffel und Jack Wolfskin blieb die Unterwäsche der Puppe halbwegs trocken ("befriedigend").

Atmungsaktivität

Um die Atmungsaktivität war es etwas besser bestellt. Es gab nur zwei Totalversager; ein "sehr gut" erhielten aber nur drei Modelle (Haglöfs/Schöffel/Patagonia). Kennzahl für die Atmungsaktivität ist der Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret  – er sollte möglichst niedrig sein. Der Schweiß soll möglichst ungehindert nach ­außen gelangen können. Bei guten Jacken darf der Ret einen Wert um die 10 erzielen; das schlechteste Ergebnis lieferte das Modell von Maier Sports mit 85. Je höher also der Wert, desto wasserdampfdichter ist die Jacke – was gefühlt mit einem Saunabesuch zu vergleichen ist.

Tragekomfort, Haltbarkeit, Lichtechtheit

Die Kriterien Tragekomfort und Haltbarkeit wurden im Test überwiegend positiv bewertet. Bei ­manchen Jacken wurde vor allem bei der Prüfung nach fünfmaligem Waschen die mangelhafte Verarbeitungsqualität beanstandet. Als besonders schlecht erwies sich hier das Modell von Intersport. Sehr zu wünschen übrig ließ auch die Lichtechtheit. Zwei "sehr gut" für Testsieger Haglöfs und für Columbia sowie ein "gut" für Mammut waren das magere Ergebnis bei diesem Testkriterium.

Fluorchemie

Outdoorkleidung ist in den letzten Jahren vermehrt in die Kritik geraten, denn die wasserabweisende Funktion bei gleichzeitiger Atmungsaktivität ist vor allem der Fluorchemie zu verdanken, konkret: per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Diese gelangen bei der Herstellung, beim Waschen und bei der Entsorgung in die Umwelt. Vor allem die biologisch nicht abbaubaren und damit langlebigen PFCs Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) verbreiten sich global über Luft und Wasser. Sie reichern sich in der Nahrungskette an und finden sich in der Leber von Eisbären wie auch in Bergseen oder in der Muttermilch.

Produktion mit PFC wird umgestellt

Der Ausstieg aus der Fluorchemie ist in Vorbereitung; die meisten Hersteller wollen sich mit der Produktionsumstellung allerdings noch einige Jahre Zeit lassen. Komplett PFC-frei produzieren erst ­wenige Hersteller. Im Test konnte nur bei zwei Jacken kein PFC nach­gewiesen werden, und zwar ausgerechnet bei den Nachzüglern von Intersport und ­Maier Sports. Alle anderen konnten bestenfalls mit befriedigend bewertet werden.

Die ­hohen Schadstoffwerte wirken sich allerdings wenig auf das Gesamturteil aus. Wer beim Einsatz von PFCs spart, für den wird es schwer, die Produkte wasserdicht und atmungs­aktiv zu machen. Nichtsdestotrotz sollte sich die Schadstoffbelastung in ­Grenzen ­halten. Schwer verständlich ist deshalb, dass gleich mehrere Jacken sowohl ­hohe PFC-Werte aufweisen als auch im Funktions­test schwach abschneiden.

Fazit: Funktionsjacken

  • Keine wirklich dicht. Keine getestete Wanderjacke hält so dicht, wie es die Norm von Berufskleidung verlangt. Gerät man nicht gerade in einen Wolkenbruch, wird man am ehesten mit der Haglöfs-Jacke (360 €) zufrieden sein. Bei Schöffel ist das Preis-Leistungs-Verhältnis allerdings wesentlich besser (180 €).
     
  • Kaufkriterien. Nicht die Wassersäule soll das entscheidende Kaufkriterium sein. Achten sie lieber darauf, dass Reißverschlüsse und Taschen gut abgedeckt sind. Sitzt die Jacke, haben Sie genug Bewegungsfreiheit? Reicht der Kragen bis zum Kinn? Lässt sich die Kapuze so anpassen, dass das Sichtfeld nicht eingeschränkt wird?
     
  • Pflegetipps. Häufiges Waschen geht auf Kosten von Wasserdichtheit und Atmungsaktivität. Ohne die dünne Schutzschicht perlen die Regentropfen nicht mehr ab, der Stoff saugt sich voll und fühlt sich schwer und klamm an. Auch der Schweiß kann nicht mehr optimal nach außen gelangen. Schmutzflecken an Ärmeln und Kragen daher besser mit einem feuchten Tuch entfernen. Wenn gewaschen wird, dann gut spülen und bloß keinen Weichspüler verwenden.
    Die Imprägnierung muss danach durch Wärmebehandlung aktiviert werden: entweder im Wäschetrockner oder durch Bügeln (1. Stufe). Funktionskleidung kann man auch in der Reinigung waschen und imprägnieren lassen.
    Die Schutzschicht lässt sich auch mit Imprägniermitteln erneuern, die aber meistens wieder die schädlichen PFCs enthalten. Stiftung Warentest zeigt, dass es auch ohne geht: Das Spray Toko Eco Textile Proof ist PFC-frei und lässt Wasser bestens abperlen.

Stand: September 2016

Auflistung der Funktionsjacken nach erreichter Punktezahl

Haglöfs Astral III Jacket / Schöffel Easy L II / Jack Wolfskin Shelter Jkt / Patagonia Piolet Jacket / Marmot Southridge Jacket / The North Face Sangro Jacket / Mammut Trovat Tour HS Jacket / SportScheck-OCK Outdoorjacke / Salewa Fanes Clastic PTX 2L / Columbia Pouring Adventure Jacket / Intersport-McKinley Kumasi / Vaude Furnas Jacket II / Northland RS XT 3000 Pelle Kapuzenjacke / Maier Sports Drava.

Quelle: test.de