Billiger Schrott: Giftiges Cadmium in Modeschmuck aus Fernost

Schon oft wurden bei Stichprobenuntersuchungen in Modeschmuckstücken aus Fernost erhöhte Schwermetallgehalte gefunden. Als Chinaschrott wird landläufig miese Billigware bezeichnet, die zulasten von Umwelt, Gesundheit und Sicherheit massenhaft produziert und weltweit vertrieben wird. Das Hessische Landeslabor hat in sämtlichen Ringen aus verschiedenen Internetsendungen hohe Konzentrationen von giftigem Cadmium gefunden.

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Modeschmuck Ringe (Symbolfoto)
Symbolfoto

Warum ist Cadmium gefährlich?

Cadmium ist ein giftiges Schwermetall, das vorwiegend in der Niere gespeichert wird und dort zu Schäden führen kann. Ferner kann staubförmiges Cadmium Lungenkrebs auslösen. Cadmium wird hauptsächlich über die Lunge und den Darm aufgenommen und gelangt so in den Körper. Die Aufnahme über Hautkontakte ist beim Menschen bislang nicht dokumentiert, allerdings konnte man eine geringfügige Hautresorption bei Tierversuchen nachweisen. Gefährlich ist es auf jeden Fall, wenn Cadmium-haltige Schmuckteile in den Mund genommen werden. Auch die Entsorgung der mit diesem Schwermetall belasteten Schmuckstücke ist für die Umwelt äußerst problematisch.

Sämtlicher Schmuck enthielt Cadmium

Bei einem aus Fernost stammenden, im Internet bestellten Ringset, das als Verdachtsprobe dem Hessischen Landeslabor zur Untersuchung eingereicht worden war, wurden in sämtlichen Ringen hohe Cadmium-Gehalte (mehr als 20 Prozent) nachgewiesen. Aufgrund dieses Einzelbefundes wurde vom Hessischen Landeslabor eine umfangreiche Internetrecherche nach ähnlichen Ringsets durchgeführt. Die Liste der Online-Shops in Fernost wurde über das Regierungspräsidium Darmstadt an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weitergeleitet.

Über den Online-Marktplatz Amazon wurden vom BVL zwölf Ringsets bei unterschiedlichen Online-Shops aus nicht EU-Ländern bestellt und direkt an das Hessische Landeslabor versandt. Die bestellten Ringsets bestanden aus jeweils 7-20 Ringen und kosteten zwischen zwei und 15 Euro. Von zwölf bestellten Sets wurden elf im Zeitraum von ein bis acht Wochen in Versandumschlägen ausgeliefert. Eines wurde nicht geliefert. Die elf Sets enthielten insgesamt 121 Ringe, die ins Landeslabor nach Wiesbaden zur Untersuchung kamen. In sämtlichen Ringen wurden deutlich erhöhte Gehalte an Cadmium zwischen 5,4 und 97,2 Prozent gefunden. Als Grenzwert für Cadmium in Schmuck sind 0,01 Prozent festgelegt.

Amazon sperrt Internetseiten

Aufgrund dieser alarmierenden Untersuchungsergebnisse wurden die entsprechenden Internetseiten durch Amazon gesperrt. Dennoch sind nach wie vor vergleichbare Ringe über andere Vertriebswege im Internet zu finden. Verbrauchern wird daher geraten, auf die Online-Bestellung von Modeschmuck - insbesondere Ringen - aus nicht EU Ländern zu verzichten. Von in der EU ansässigen Händlern vertriebener Modeschmuck unterliegt in der Regel sowohl strengen Qualitätskontrollen als auch regelmäßiger amtlicher Überwachung und weist daher nur selten grenzwertüberschreitende Cadmiumgehalte auf.

Ware aus Drittländern birgt immer Risiken

Verbraucher sind gewohnt und haben den Anspruch, sich auf die Unbedenklichkeit gekaufter Waren verlassen zu können. Gleichzeitig sind aber Billigmentalität und Schnäppchenjagd weit verbreitet, was dazu führt, dass viele Waren aus Fernost auch privat importiert werden. Doch Vorsicht: In diesen Ländern bestehen meist geringere rechtliche Anforderungen an die Produkte, und zum anderen wird dort in der Regel nicht geprüft, ob die Waren wie Modeschmuck oder andere Produkte europäischen Sicherheitsstandards genügen.

Direkt aus Drittländern über das Internet bestellte Produkte bergen daher grundsätzlich höhere Risiken als vergleichbare, in der EU gekaufte Ware. Denn die Kontrolle von Direktbestellungen aus Drittländern gestaltet sich schwierig, da eine amtliche Probenentnahme aus der Masse an Postsendungen praktisch unmöglich ist. Auch der Zoll kann bei Postsendungen aus Nicht-EU-Ländern lediglich auf Verdacht Stichproben ziehen und einer Untersuchung zuführen. Verbraucher, die im nicht-europäischen Ausland über das Internet Waren bestellen, handeln deshalb in eigener Verantwortung.

Aufgeklärtes und kritisches Verbraucherverhalten ist gefragt

Grundsätzlich sollten Verbraucher beim Online-Shopping nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Zertifizierungen, Produkt- oder Gütesiegel, Nachhaltigkeit der Produktion etc. achten. Doch bei Produkten aus dem Nicht-EU-Ausland ist auch diesbezüglich keine Sicherheit gewährleistet. Denn die Echtheit dieser in der Regel ausländischen Zertifikate oder Qualitätssiegel lässt sich kaum überprüfen. Im Zweifel gilt daher: Finger weg von solchen Angeboten. (ack)

Stand: November 2019