Online-Dating – wissen, worauf es ankommt

Immer neue Partnerbörsen und -vermittlungen sprießen aus dem Boden. Manche sind kostenlos, andere verlangen hohe Summen, um den vermeintlichen Traumpartner zu finden. Eine seriöse Partnervermittlung im Netz zu finden, ist oft gar nicht so einfach.

RS20516_Online Dating_Tastatur mit Herz_anyaberkut - fotolia.com_.jpg

Tastatur mit rotem Herz

Das Geschäft mit der Einsamkeit

Viele Singles versuchen ihr Glück beim Finden eines neuen Lebenspartners mittlerweile über Kontaktbörsen oder Partnervermittlungen im Internet. Hier gibt es durchaus seriöse Anbieter. Doch diese zu finden, ist gar nicht so einfach. Viele Anbieter verwenden verbraucherunfreundliche Regelungen. Manche Maschen treten erst zu Tage, wenn man die Nutzungsbedingungen genau liest.

Online-Partnervermittlung oder Singlebörse

Der Unterschied zwischen einer Online-Partnervermittlung und einer Singlebörse ist erheblich. Eine Partnervermittlung unterstützt aktiv bei der Suche nach einem passenden Partner und schlägt potenzielle Kandidaten aktiv vor. Anhand der eingegebenen Daten und eines Tests werden die Vorlieben, Bedürfnisse und Wünsche ermittelt. Das erstellte Persönlichkeitsprofil wird mit anderen verglichen und übereinstimmende Profile werden einander „vorgestellt“.  

Eine reine Singlebörse bietet lediglich eine Plattform für eine Anzeige, das sogenannte Profil. Hier kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und das Profil nach seinen Wünschen ausformulieren. Singlebörsen sind deshalb in den meisten Fällen auch günstiger als Partnervermittlungen.

Die Qualität ist bei beiden Varianten sehr unterschiedlich. Sie reicht von reiner, auf Provision ausgerichteter Verkaufsstrategien bis hin zu seriöser, individueller Beratung und Hilfestellungen beim Suchen des Traumpartners. Der Preis alleine ist dabei kein ausschlaggebendes Erkennungsmerkmal.

Wenn die Werbung nicht hält, was sie verspricht

Viele Verbraucher wählen eine Kontaktbörse aufgrund vielversprechender Werbeaussagen. Eine Auswertung des Marktwächters Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Bayern zu Fällen aus dem Bereich des Online-Dating zeigt jedoch, dass die Werbeaussagen nicht immer für bare Münze genommen werden sollten. Online-Dating-Portalen agieren nicht immer verbraucherfreundlich. Viele Partnervermittlungen verlangen hohe Geldbeträge, wenn man sich mit dem Widerruf vom Vertrag lösen möchte. Singlebörsen und Erotikportale setzen mitunter Fake-Profile ein. Verbraucher können daher bei Abschluss nie sicher sein, wie viele potentielle Partner auf einem Portal wirklich zu finden sind. Am Ende heißt es dann für Verbraucher: „Außer Spesen nichts gewesen“.

Auch Kündigungserschwernisse und unbewusst abgeschlossene Premium-Mitgliedschaften machen Verbrauchern zu schaffen.

Bedenklich ist auch, dass Portalbetreiber teilweise in ihren Geschäftsbedingungen sich selbst das Recht einräumen, unter dem Namen des Kunden Nachrichten zu schreiben.

Worauf sollten Sie bei der Wahl einer Partnerbörse achten?

Probeabos: Probeabos sind eine gute Möglichkeit, ein Angebot kennenzulernen. Bei einigen Anbietern geht das Probeabo allerdings ganz schnell ohne weitere Informationen in ein teures Premium-Abo über.

Wertersatz: Partnervermittlungen bieten ihre Leistungen im Abo-Modell an. Widerrufen Verbraucher dieses Abo innerhalb der 14-tägigen Frist, haben in der Zeit allerdings das Portal schon genutzt, verlangen die Unternehmen hohe Zahlungen als Wertersatz.

Kündigung: Zum einen wird die Kündigung erschwert, indem bestimmte Formen der Kündigung verlangt und andere Formen nicht akzeptiert werden. Zum anderen kann es vorkommen, dass die Kündigung vom Anbieter einfach ignoriert wird. Achten Sie darauf, dass es in den Nutzungsbedingungen keine Einschränkungen bei einer Kündigung gibt.

Datenschutz: Es kommt vermehrt vor, dass unverlangt Werbung zugeschickt wird. Es fehlt öfter auch die Möglichkeit, das eigene Profil zu löschen. Außerdem ist es sehr einfach sich mit einem falschen Profil anzumelden.

Fake-Profile: Bei verschiedenen Online-Dating Seiten kommt es dazu, dass die Kontakte nicht von anderen Interessenten, sondern von Fake-Profilen kommen. Ein anderer Trick ist, dass Verbraucher auf kostenlosen Portalen von Fake-Profilen kontaktiert werden. Das andere (fake) Mitglied will dann nach einiger Zeit auf ein anderes Portal wechseln, bei dem der Verbraucher pro Kontakt zahlen soll. Dies ist eine reine Abzockmasche.

Wie schützt man sich vor versteckten Kosten?

Viele Portale bieten zunächst einen kostenlosen oder sehr billigen Test an. Kostenlos ist dann allerdings nur das Anlegen des Benutzerprofils, die Bereitstellung einer Gästebuchfunktion oder die Nutzung von Speicherplatz für das eigene Profil. Mit der kostenfreien Nutzung kann aber meist kein Kontakt zu anderen Teilnehmern aufgenommen werden.

Um weitere Funktionen zu nutzen (zum Beispiel die Nutzung des eigenen Postfaches), muss entweder ein Probeabonnement für 1,99 Euro für zwei Wochen oder eine mehrmonatige Mitgliedschaft abgeschlossen werden, die schnell zwischen 80 und 500 Euro pro Jahr kosten kann. Leider weisen viele Internetdienste – wenn überhaupt – nur in sehr klein geschriebenen und schlecht lesbaren Hinweisen auf ihre Kosten hin. Vollständige Informationen gibt es häufig erst, nachdem man sich angemeldet und die Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen akzeptiert hat. Wer sich hier anmeldet, „kauft die Katze im Sack“. Abgesehen davon, müssen im Vorfeld höchst persönliche Daten übermittelt werden.

Wer ein Testabonnement abgeschlossen hat, sollte auf jeden Fall daran denken,  fristgemäß zum Ende der Testphase zu kündigen, denn sonst folgt eine automatische kostenpflichtige Vertragsverlängerung für mehrere Monate.

Glücklicherweise gibt es im Internet viele Kontaktbörsen und Flirtportale, die immer noch kostenlos sind. Sie finanzieren sich allein durch Werbung. Wer sich an den vielen bunten Pop-Up-Fenstern nicht stört und sich sicher ist, dass er dadurch nicht zu Käufen und anderem verführt wird, kann diese Dienste durchaus in Anspruch nehmen. Es muss aber auch hier mit Fake-Profilen gerechnet werden.

Weitere Informationen

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V., Große Friedberger Str. 13-17, 60313 Frankfurt

Stand: Juli 2018