Messenger – Welche Alternativen gibt es zu WhatsApp?

Für die Kommunikation per Smartphone braucht man einen Instant-Messaging-Dienst. Meist ist das noch WhatsApp, doch der Messenger steht zunehmend unter Kritik. Ab Mai 2021 will Facebook innerhalb des Messenger-Dienstes Zugriff auf Daten bekommen. Ein guter Zeitpunkt zum Wechsel – welche Alternativen gibt es?

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WhatsApp Icon

Unkomplizierte Nutzung, Nachrichten in Echtzeit und ein kostenfreier Download machten WhatsApp in den letzten Jahren zu dem beliebtesten Instant-Message-Dienst in Deutschland. Mit 1,5 Milliarden Nutzern und rund 65 Milliarden versendeten Nachrichten pro Tag ist WhatsApp der größte Messaging-Dienst weltweit.

Neue Nutzungsbedingungen

WhatsApp kündigte neue Nutzungsbedingungen für die Nutzung des Messenger an. Bis zum 8. Februar 2021 sollten alle WhatsApp-Nutzer den neuen Nutzungsbedingungen zustimmen, andernfalls können sie die App nicht länger nutzen. Bei der neuen Erklärung muss man zustimmen, dass man mit der Datenweitergabe an Facebook, zu dem WhatsApp gehört, einverstanden ist - auch dann, wenn man Facebook nicht nutzt.

Daraufhin distanzierten sich viele Nutzer von WhatsApp und griffen auf Alternativen zurück. Der Konzern hat daraufhin den Start der neuen Nutzungsbedingungen auf Mitte Mai 2021 verschoben.

Welche Daten werden erhoben?

Vorab, es werden keine Chatinhalte gespeichert. Die Chats bei WhatsApp sind durch eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert. Das bedeutet: WhatsApp verschlüsselt alle Unterhaltungen so, dass nur Sender und Empfänger sie lesen können. Die Chats werden nur auf den Smartphones der beiden Nutzer gespeichert, nicht aber auf einem WhatsApp-Server.

Bei den betroffenen Daten geht es um allgemeine Informationen, wie zum Beispiel das genutzte Smartphone Modell, Nutzungsdauer und Standortinformationen.

Bei den betroffenen Daten geht es um allgemeine Informationen wie etwa das genutzte Smartphonemodell, Standortinformationen oder die Aktivität der Nutzer – also etwa wann und wie lange jemand mit WhatsApp kommuniziert. Auch Daten wie beispielsweise der Batteriestand des Gerätes, die Signalstärke und die IP-Adresse könnten übertragen werden.

Was genau ändert sich für EU-Nutzer?

Dass die neuen Nutzungsbedingungen innerhalb Europas eintreten ist fraglich. Denn in der Tat gibt es von den neuen Nutzungsbedingungen derzeit zwei verschiedene Versionen: Eine für die europäische Region – und eine für den Rest der Welt. Die EU-Kommission hatte bei der Übernahme von WhatsApp durch Facebook bereits 2014 einen Datenaustausch untersagt. Datenschützer warnen dennoch, dass es einige Schlupflöcher gibt, um auch an Daten von Nutzern innerhalb Europas zu gelangen

Empfehlenswerte werbefreie Alternativen

Threema

Threema wurde 2012 von der Schweizer Threema GmbH entwickelt. Anders als bei WhatsApp ist der Messenger nicht völlig kostenlos, aber mit einer einmaligen Gebühr sehr preiswert. Die App kostet einmalig für Android 2,99 Euro und für Apples iOS Betriebssystem 3,49 Euro.  Zur Identifizierung bekommt jeder Nutzer beim ersten Start eine ID zugewiesen. Ein Vorteil: Die App erfordert weder eine Telefonnummer noch den Zugriff auf das Adressbuch. Zusätzlich versprechen die Hersteller, dass die Nachrichten ausschließlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind und über Schweizer Server übermittelt werden. Dies bedeutet, dass nur die Kommunikationspartner die Nachricht entschlüsseln können. Der Funktionsumfang (Versenden von Texten, Bildern, Sprachnachrichten, Videos und Standorten) ist vergleichbar mit anderen Messenger-Apps. Auch können Gruppenchats mit bis zu 100 Teilnehmern erstellt werden.

Telegram

Der Messenger Telegram wird von einem Unternehmen aus Dubai betreut und finanziert. Der Inhaber der Firma ist Pawel Durow. Er hat das russische Facebook-Pendant „VKontakte“ entwickelt. Telegram ist kostenlos und für iOS, Android und Windows sowie als Computer- und Webversion erhältlich. Allerdings steht der Dienst bei Verbraucherschützern in der Kritik, da auf der Homepage kein Impressum einsehbar ist. Der Sitz des Unternehmens und der Server sind unklar. Zudem ist die Kommunikation nicht automatisch verschlüsselt, dafür muss die Funktion „Secret-Chats“ aktiviert werden.

Signal

Den kostenlosen Messenger von Open Whisper Systems gibt es für iOS, Android, Windows, Mac und Linux. Eine Besonderheit ist, dass der Quellcode des Messengers einsehbar ist. Wie auch bei anderen Anwendungen, lassen sich Textnachrichten, Fotos, Videos und andere Dateien an Einzelpersonen und Gruppen übermitteln. Zusätzlich kann auch eine Telefonverbindung über das mobile Internet hergestellt werden. Open Whisper Systems ist eine Reihe von Kooperationen mit anderen Diensten eingegangen, um deren Verschlüsselungstechnik zu verbessern. Dazu gehört auch WhatsApp.

Wire

Der Messenger Wire wird kostenlos für Smartphones, Tablets und Computer angeboten. Die Schweizer Firma ermöglicht ihren Nutzern einen verschlüsselten Austausch von Texten, Fotos und Videos. Weiterhin sind auch Einzel- und Gruppenanrufe via Voice over IP möglich. Bei Experten ist das benutzerfreundliche Design sehr beliebt. Der Quellcode ist ebenfalls wie bei Signal Open-Source und damit vollständig einsehbar. Die Server der Firma stehen nach eigenen Angaben in Deutschland und Irland.

Fazit

Es gibt mehrere gute Alternativen zu WhatsApp. Auch die Verschlüsselungstechniken sind in allen Diensten gut entwickelt, bei der Speicherung der Daten gibt es allerdings noch unbeantwortete Fragen.

Ein Hinderungsgrund, um auf einen anderen Messenger umzusteigen, könnte die geringe Verbreitung der alternativen Apps sein, da Kommunikationspartner jedenfalls denselben Messenger-Dienst nutzen müssen, um kommunizieren zu können. Wegen der weiten Verbreitung von WhatsApp greifen daher die meisten Nutzer immer wieder auf diese App zurück.

Tipp: Es ist möglich, mehrere Messenger parallel zu installieren. So kann man Alternativen ausprobieren und den Umstieg auch für seine Kontakte erleichtern. (schl)

Stand: Februar 2021