Lahmes Internet: Das können Verbraucher tun

Eine langsame Interverbindung bringt manch einen Verbraucher zur Verzweiflung. Von der vertraglich vereinbarten Datenübertragungsrate ist die tatsächliche Datenübertragungsrate des Internetanschlusses oft weit entfernt. Doch man kann etwas dagegen unternehmen.

snail-3901655_1920.jpg

Schnecke auf einer Tastatur

„Highspeed-Internet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde“ - so ähnlich lauten oft die Werbeslogans der Telekommunikationsanbieter. Die Betonung liegt hierbei allerdings auf "bis zu", denn immer wieder machen Internetanbieter in ihren Verträgen Versprechungen für die Geschwindigkeit, die sie dann nicht erfüllen. Die Bundesnetzagentur bietet ein Tool für eine Breitbandmessung an. Es handelt sich dabei um eine installierbare Version, die es ermöglicht Messungen auf eine einfache Art und Weise in einem Protokoll festzuhalten. Die Testergebnisse können vom Kunden dazu genutzt werden, dem Anbieter nicht vertragskonforme Leistungen nachzuweisen. Mit diesen Werten kann dann die Reduzierung der monatlichen Kosten gerechtfertigt werden – es gibt also Geld zurück. Auch eine schnellere Kündigung ist möglich.

Technische Hinweise zum Programm

Das Programm kann auf der Seite breitbandmessung.de heruntergeladen werden. Um eine Messung korrekt durchzuführen, muss das Programm installiert werden:

  • Verbinden Sie Ihren Laptop direkt mit einem LAN-Kabel an den Router.
  • Deaktivieren Sie Ihr WLAN.
  • Schließen Sie Ihren Laptop an die Stromversorgung an und deaktivieren Sie den Energiesparmodus.
  • Schließen Sie alle anderen Programme, um einen parallelen Datenverkehr auszuschließen.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Router die aktuellste Firmware besitzt.

Tipps für mehr Internetgeschwindigkeit

  • Schauen Sie nach, an welcher Telefondose Ihr Router angeschlossen ist. Im besten Fall sollte der Router mit der ersten Telefondose verbunden werden. Wenn Sie mehrere Telefondosen haben, kommt das DSL-Signal an einer Buchse an und wird von dort an die anderen weiterverteilt. Dabei sind Geschwindigkeitseinbußen möglich.
  • Verbinden Sie Ihren PC oder Laptop direkt mit dem Router, genauso wie beim Test für die Breitbandmessung. Verwenden Sie statt WLAN ein LAN-Kabel. Die Signalstärke des Funknetzwerkes kann nämlich auch die Internetgeschwindigkeit beeinträchtigen.
  • Virenscanner scannen oft die angesteuerten Seiten auf Malware ab. Diese Funktion ist hilfreich, kann aber dazu führen, dass Ihre Internetgeschwindigkeit reduziert wird. Sollten Sie sich dafür entscheiden die Funktion abzuschalten, müssen Sie sich bewusst sein, dass man bei befallenen Seiten nicht mehr gewarnt wird. Die Malware kann erst beim Abscannen des eigenen Systems entdeckt werden.
  • Prüfen Sie, ob die Treiber Ihrer Netzwerkkarte und die Firmware des Routers auf dem aktuellen Stand sind.
  • Schauen Sie nach, wie viele Geräte sich in Ihrem Netzwerk im WLAN befinden. Zu viele Geräte können die Geschwindigkeit ebenfalls beeinträchtigen.
  • Manchmal hilft ein neuer Router. Neuere Modelle haben oftmals eine größere WLAN-Reichweite.

Geld zurück oder Kündigung?

Das Telekommunikationsgesetz soll zum 1. Dezember 2021 geändert werden. So können Kunden künftig die Rechnung mindern oder fristlos kündigen, wenn die Bandbreite schlechter ist als vom Anbieter versprochen. Aktuell sind die Ansprüche zwar auch schon möglich, aber mit großen Hürden verbunden.

Welche Abweichungen reichen für eine Beschwerde?

1.Wenn nicht innerhalb von zwei Messtagen mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Geschwindigkeit erreicht wird.

2.Wenn die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erreicht wird.

3.Wenn die vertraglich vereinbarte minimale Geschwindigkeit an zwei Messtagen jeweils unterschritten wird, wobei insgesamt 20 Messungen erfolgen müssen.

Die Messungen sollen sich im gleichen Umfang über den Tag verteilen. (schl)

Stand: September 2021