In Kontakt bleiben trotz Corona

Das Coronavirus verlangt uns viel ab – wie etwa den Verzicht auf unsere sozialen Kontakte. Die Möglichkeit zur Videotelefonie kann aber dabei helfen, mit unseren Liebsten zumindest über den Bildschirm in Verbindung zu bleiben.

AdobeStock_334401570.jpg

Familie chattet über Videotelefonie und winkt in die Kamera

Skype – der Klassiker in Sachen Videochat

Skype ist wohl das bekannteste Programm für Videochats und vermutlich hat schon das ein oder andere Familienmitglied hier einen Account. Egal ob PC, Tablet, Smartphone, iOS-, Windows-, Linux- oder Android-Betriebssystem, Skype läuft zuverlässig auf vielen verschiedenen Plattformen. Selbst mit Sprachassistenten wie Alexa oder auf Spielekonsolen, zum Beispiel Xbox, sind Skypechats und Videogespräche möglich. Bei Skype können bis zu 50 Personen an einem Chat teilnehmen – vorausgesetzt die Internetverbindung spielt mit.

Die Grundversion von Skype kann kostenlos auf Computer, Smartphone oder Tablet installiert werden. Um sich bei Skype anzumelden, werden die E-Mail-Adresse und das Geburtsdatum benötigt. Skype schickt dann einen vierstelligen Code an die angegebene E-Mail-Adresse, der während des Registrierungsvorgangs eingegeben werden muss, um die E-Mail-Adresse zu bestätigen. War dies erfolgreich, kann man sich einen Account mit einem Passwort und wahlweise einem Foto einrichten.
 

Zumindest bei Text-Chats und bei Telefonie ohne Video gibt es bei Skype eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das bedeutet, dass nur Empfänger und Sender Einsicht in die Nachrichten und Gespräche haben. Allerdings: Dies muss vom Nutzer vorher bei jedem Chatpartner neu aktiviert werden!

Houseparty – Besonders bei jungen Menschen sehr beliebt

Mit Blick auf die verschiedenen Funktionen wird schnell klar, warum die App „Houseparty“ besonders bei jungen Menschen während der Coronakrise beliebt ist. Zum einen kann man hier mit bis zu acht Personen in einem virtuellen Raum Videogespräche führen, zum anderen gemeinsam Partyspiele wie „Montagsmaler“ oder „Wer bin ich?“ zocken und ganz nebenbei auch noch neue Leute kennen lernen. Letzteres funktioniert so, dass bei der Anwendung ein virtueller Raum eröffnet wird, den die eigenen Freunde sowie die Freunde der anderen Videochat-Teilnehmer einsehen können. Sobald einer der Freunde eines Freundes den Raum betritt, können wiederum auch dessen Freunde den Raum sehen und ihm ebenfalls beitreten. Hier wird schnell klar, dass Houseparty in den Quarantänezeiten einen hohen Unterhaltungswert mitbringt.

Wer mitmachen will, muss sich auch hier anmelden und einen Account erstellen – es werden der Name, die E-Mail-Adresse, das Geburtsdatum und ein Passwort benötigt. Houseparty funktioniert auf dem Smartphone, dem Tablet oder am Computer – für iOS oder Android-Betriebssysteme sowie für macOS und den Chrome-Browser.

Allerdings: Datenschützer sind nicht so angetan von der App, da sie, laut AGBs, Videogespräche aufzeichnen und Gesprächsinhalte für sich nutzen kann. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es für Houseparty auch nicht.

In Zeiten von Corona hat es plötzlich „Zoom“ gemacht

Einen absoluten Höhenflug in Sachen Videogespräche erlebt aktuell die Plattform „Zoom“, denn das Tolle: Hier können bis zu 100 Teilnehmer gleichzeitig an einer Konferenzschaltung teilnehmen. Davon können 25 Personen gleichzeitig auf dem Bildschirm angezeigt werden. Dies hat Zoom während des Lockdowns unter anderem besonders attraktiv für Firmenmeetings und Fitness- oder Yoga-Studios gemacht. Gebuchte Kurse in der Lieblings-Muckibude oder bei der Yogalehrerin des Vertrauens können so, quasi via Live-Schaltung, weiterhin wahrgenommen werden. Auch Dienstreisen und direkte Kontakte sind nicht mehr nötig.

Zoom kann auf dem Smartphone, dem Tablet oder auch mit der entsprechenden Software auf dem Computer verwendet werden. Um an dem Videogespräch teilzunehmen reicht es, wenn eine Person einen Account bei Zoom hat. Dieser Gastgeber muss dann lediglich einen Link an alle Teilnehmer des Videogesprächs verschicken.

Doch leider hat das Ganze auch einen Haken: Aktuell steht Zoom aufgrund von Mängeln beim Datenschutz in der Kritik. Auch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es bei dem Anbieter nicht. Stattdessen weist Zoom lediglich eine Transportverschlüsselung auf. Das bedeutet, Nachrichten werden nur bis zum Server des Anbieters verschlüsselt. Zoom kann von da aus allerdings auf das gesprochene Wort zugreifen und die Daten abhören und weitergeben.

Ein weiterer Nachteil: Bei der kostenlosen Version von Zoom wird nach 40 Minuten Konferenzschaltung die Verbindung gekappt. Dann müssen sich alle Teilnehmer erneut in das Programm einwählen, um erneut 40 Minuten sprechen zu können. Abhilfe schafft hier nur die kostenpflichtige Option.

 Jitsi Meet – von jedem für alle

Jitsi Meet ist eine kostenlose Open Source-Software für Videokonferenzen. Open Source - das bedeutet, dass es sich hierbei um ein Programm handelt, dessen Quellcode öffentlich zugänglich ist und ein Jeder die Möglichkeit hat, diesen nach seinen Bedürfnissen und Verbesserungsideen zu verändern. Das bedeutet auch, wer Programmierkenntnisse hat, kann auch einsehen, welche Funktionen die Software hat. Auf diese Weise haben mögliche „Haken“ erst gar keine Chance! Nutzer müssen sich zudem um ihre Daten wenig Gedanken machen, da Gewinnabsichten hier nicht zu erwarten sind.

Jitsi ist auf dem Smartphone oder Tablet mit iOS- oder Android-Betriebssystem und mittels Browser auf dem Computer nutzbar. Die Einrichtung eines Accounts ist für das Programm nicht erforderlich. Wer Jitsi vom Browser aus nutzt, braucht nicht mal die Software. Der Gastgeber verschickt lediglich einen Link an die Gesprächsteilnehmer. Dies macht Jitsi zu einer unkomplizierten Option für Videotelefonie. Besonders toll: Bei Jitsi gibt es keine Beschränkung der Teilnehmerzahl!

Whatsapp – ein alter Bekannter vom Smartphone

Auch über den wohl bekanntesten Messenger-Dienst „Whatsapp“ ist Videotelefonie möglich. Viele Personen haben den Messenger bereits für Text-Nachrichten und Gruppenchats auf ihrem Smartphone installiert.

Bis zu vier Personen können über die App miteinander eine Videokonferenz abhalten. Hierfür müssen Nutzer lediglich im offenen Chat auf das Kamera-Symbol drücken.

Whatsapp weist sogar eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf, sodass kein Dritter, auch nicht Whatsapp selbst, Zugriff auf Nachrichten, Fotos oder Telefongespräche hat. Datenschützer kritisieren allerdings, dass der Messenger-Dienst Daten, die nicht der Verschlüsselung unterliegen, wie etwa Telefonnummer, Profilbild, Standort, weitere Profilinformationen und das Adressbuch, sammelt und an Facebook weitergibt.

Weitere Nachteile: Die Videotelefonie funktioniert nur auf dem Smartphone mit SIM-Karte und einer Mobilfunknummer. Außerdem müssen alle Teilnehmer Whatsapp auf ihrem Smartphone installiert haben.

„Kannst du mich sehen?“ – Allgemeine Tipps für die Videotelefonie

  • Laden Sie die Programme oder Apps nur aus seriösen Quellen runter, wie etwa dem Appstore von Apple oder dem Playstore von Android. Für den Computer empfiehlt es sich, auf den Originalseiten der jeweiligen Anbieter nach einem Downloadlink des Programms zu suchen.
  • AGBs lesen! Egal für welchen Anbieter von Videokonferenzen Sie sich entscheiden, ein Blick vorab in die AGBs ist immer sinnvoll! Was passiert mit Ihren Daten? Gibt es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?
  • Sichern Sie Ihr WLAN oder den Account immer mit einem guten Passwort ab.
  • Nutzen Sie die Videotelefonie möglichst nur im heimischen WLAN oder LAN.
  • Nehmen Sie nur Video- und Telefonanrufe an, von Personen die Sie kennen. Am einfachsten ist es, sich vorab zur Videokonferenz zu verabreden.
  • Testen Sie vor besonders wichtigen Gesprächen, etwa einem Vorstellungsgespräch oder einer Prüfungssituation, ob auch wirklich alles funktioniert.
  • Überlegen Sie gut, wo Sie sich während der Videogesprächs in der Wohnung platzieren. Führen Sie zum Beispiel ein Gespräch mit Ihrem Chef, wünschen Sie sich höchstwahrscheinlich, dass das unaufgeräumte Schlafzimmer im Verborgenen bleibt.
  • Kopfhörer oder Headset können dabei helfen, das Gesprochene in der Videokonferenz besser zu verstehen und auch für die anderen Gesprächspartner deutlich hörbar zu sein. Hier bieten sich zum Beispiel Smartphonekopfhörer gut an, denn häufig ist im Kabel bereits ein Mikrofon integriert.
  • Je mehr Teilnehmer eines Videochats, desto schlechter wird häufig die Bildqualität. Verzichten einige Personen aufs Bild, wird die Qualität bei den übrigen Video-Teilnehmern wieder besser.
  • Summen und Rauschen während des Gesprächs? Wer gerade nur zuhört: Einfach so lange das Mikro ausstellen!

Nicht vergessen: Videochats sind keine Privatgespräche!

Geschäftsgeheimnisse oder vertrauliche Informationen sollten trotz allem während der Videotelefonie besser nicht besprochen werden. Betrachten Sie stattdessen Ihren Videochat als ein mehr oder weniger halböffentliches Gespräch, wie das, was Sie im Zugabteil oder im Eiscafé führen würden. (Sie)

Stand: April 2020