Googeln ohne Google: Welche alternativen Suchmaschinen gibt es?

Google ist der Suchmaschinen-Marktführer und „googeln“ ist zum Synonym für „etwas im Internet suchen“ geworden. Doch auch wenn Google bei der Qualität der Suchergebnisse herausragt, in Bezug auf Datenschutz und Nachhaltigkeit sind andere Suchmaschinen besser.

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Suchmaschineneingabe vor Person am Laptop

Das Google-Problem

In Deutschland nutzen knapp 95 Prozent der Internetnutzer für Suchanfragen den Anbieter Google. Auch wenn der Suchmaschinen-Kassenschlager bei den Treffern beispiellos ist und den Nutzer weitestgehend mit Werbung verschont, so macht er doch immer wieder negative Schlagzeilen beim Thema Datenschutz. Denn der Such-Riese sammelt viele Nutzerdaten – nicht nur über die individuellen Eingaben in der Suchmaschine, sondern auch über das Smartphone-Betriebssystem „Android“. Auch die Apps für Smartphone oder Tablet sind äußerst neugierig. So greift Google zum Beispiel Standorte ab, personalisiert die Suchanfragen der Nutzer auf Basis der Interessen oder speichert im Internet geteilte Dinge wie Fotos, Adressen, Nachrichten und eben auch Suchanfragen. Stiftung Warentest (4/19) bemängelte zudem, dass in der Datenschutzerklärung des Suchmaschinen-Anbieters viele unzulässige Klauseln zu finden sind.

Was kann man also tun? Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, für die Internetsuche auf eine andere Suchmaschine zurückzugreifen und diese im Internetbrowser als Standardsuchmaschine einzurichten.

Startpage – Datenschutz und Privatsphäre haben oberste Priorität
Startpage ist eine Suchmaschine aus den Niederlanden. Sie verwendet die sogenannte verschlüsselte SSL-Verbindung und sorgt für einen verschlüsselten Datenaustausch zwischen der Internetseite und dem Besucher. Auf diese Weise erhalten Dritte keinen Zugriff auf die gestellten Suchanfragen.

Startpage leitet die eingegebenen Suchanfragen zwar an die Google-Suchmaschine weiter, befreit die Ergebnisse allerdings von sämtlichen Trackern. Auf diese Weise bleiben die angezeigten Ergebnisse frei von personalisierten Treffern. Startpage sammelt keine Daten seiner Besucher und kann somit auch keine Daten an Dritte weitergeben. Mittels der Funktion „Anonyme Ansicht“ bleibt der Nutzer auch dann anonym, wenn er auf eines der Ergebnisse klickt und dann die Suchmaschinenseite verlässt.

Hierfür erhielt Startpage sogar das europäische Datenschutz-Gütesiegel. Dies garantiert, dass die Suchmaschine sowohl mit dem europäischen Recht und der Datenschutzrichtlinie übereinstimmt. Auch bei Stiftung Warentest (4/19) ging Startpage als Testsieger unter den geprüften Suchmaschinen hervor.

Bing – Die Microsoft-Suchmaschine
Bing ist die Internet-Suchmaschine von Microsoft mit Sitz in den USA. Stiftung Warentest (4/19) prüfte Suchmaschinen auf die Qualität, Treffsicherheit und Relevanz ihrer Ergebnisse anhand von 50 Suchanfragen – von nur einem Wort bis zu ganzen Sätzen, Bilder- und Videosuchen sowie zu aktuellen Tagesgeschehen und allgemeinen Themen. Dabei wurde versucht, unterschiedliche Nutzerverhalten abzubilden, zum Beispiel wurden auch Suchanfragen mit Rechtschreibfehlern, ungenauen Beschreibungen oder Doppeldeutigkeiten mit einbezogen. Bing schnitt hier lediglich mit „befriedigend 2,7“ ab. Im Vergleich: Google zeigt sich hier als Testsieger mit „gut (1,9)“. Doch eins haben sie auch gemeinsam: Ähnlich wie Google sammelt Bing viele Informationen seiner Nutzer. Auch die zugehörige App fürs Smartphone weist Mängel auf. So greift sie zum Beispiel die Information über den Standort des Nutzers sowie dessen Mobilfunkanbieter ab.

Yahoo – schon lange im Geschäft
Den amerikanischen Suchmaschinen-Anbieter Yahoo gibt es schon länger als Google-Konkurrenten. Heute basieren die Treffer auf der Suchtechnologie von Bing. Wer auf Yahoo sucht, muss mit Werbung auskommen, einige Suchergebnisse sind kaum von bezahlten Links auseinanderzuhalten. Stiftung Warentest bemängelt zudem die zugehörige App. Diese soll Daten des Nutzers an Firmen weiterleiten, sodass das Smartphone des Nutzers eindeutig wiederzuerkennen ist. In der Vergangenheit war Yahoo häufiger wegen Mängeln in Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre in der Kritik.

Ecosia – Suchend Bäume pflanzen
Bei Ecosia handelt es sich um einen deutschen Anbieter, der dem Nutzer das Versprechen gibt, mit jeder eingegangenen Suchanfrage einen Baum zu pflanzen, zum Beispiel in Afrika oder in Südamerika. Dies funktioniert aber nur, wenn die Nutzer bei den vorgeschlagenen Treffern auch auf Anzeigen klicken. Denn nur so generiert die Suchmaschine Geld für die Baumpflanzprojekte. Es reicht nicht aus, die Suchmaschine ohne diese gewinnbringenden Klicks zu verwenden.

Auf der Startseite von Ecosia kann der Nutzer sehen, wie viele Bäume bereits gepflanzt worden sind und wie häufig er durch sein persönliches Suchverhalten auf Ecosia dazu beigetragen hat. Außerdem hat Ecosia 2018 damit begonnen eigene Solaranlagen zu bauen, um alle Suchvorgänge, die über die Suchmaschine eingehen, mit 100 Prozent erneuerbaren Energien ausführen zu können. Durch die Veröffentlichung des monatlichen Finanzberichts können die Nutzer genau einsehen, wie viel Geld die Suchmaschine eingenommen hat und welcher Prozentsatz dieser Erträge in Baumpflanzprojekte geflossen ist.

Für die Suche nutzt der Anbieter Ecosia neben eigenen Algorithmen die Suchmaschine Bing.

Auch Ecosia bietet ein datenschutzfreundliches Surfen an, indem es unter anderem weder Suchanfragen speichert, noch persönlichen Daten an Dritte weitergibt. Die Suchanfragen werden, wie auch bei Startpage, verschlüsselt gestellt.

Stiftung Warentest (4/19) kritisierte allerdings, dass die zugehörige App den Mobilfunkanbieter des Nutzers erfasst.

DuckDuckGo – Datenschutz mit der Ente
DuckDuckGo, die Suchmaschine mit der Ente im Logo, schreibt sich ebenfalls Privatsphäre beim Suchen und Surfen im Internet auf die Fahne. Auch hier werden, wie bei Startpage oder Ecosia, weder persönliche Daten gespeichert noch an Dritte weiterverkauft. Vom Design her ähnelt DuckDuckGo vermutlich am ehesten der Aufmachung des großen Players Google. Der Suchmaschinenanbieter stammt aus den USA, demzufolge ist die Datenschutzerklärung nur auf Englisch einzusehen. Genau wie Ecosia nutzt auch DuckDuckGo hauptsächlich Bing als Suchtechnologie.

Gexsi – die Charity-Suchmaschine
Gexsi ist eine deutsche Charity-Suchmaschine, die 100 Prozent der Einnahmen aus Suchanfragen spendet. Und das tut sie nicht irgendwohin, sondern nur an soziale und ökologische Projekte, die zu den 17 UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung beitragen. Wie auch bei Ecosia müssen die Nutzer hierfür auf Werbelinks klicken, um die Projekte finanziell zu fördern. Da Gexsi noch ein recht junges Unternehmen ist, kann die Suchmaschine derzeit noch nicht allzu viele finanzierte Projekte vorweisen – aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Gexsi läuft, genauso wie Ecosia, mit der Suchtechnologie von Bing, hat aber die Google-Navigationsleiste auf seiner Seite integriert. Auf diese Weise kann im Zweifel auf Google-Ergebnisse zurückgegriffen werden.

Gexsi sammelt keine Nutzerdaten und hat ebenfalls keine Einsicht in die getätigten Suchanfragen. Außerdem arbeitet auch Gexsi nicht mit Partnern zusammen, die Daten zur getätigten Suche an Werbetreibende verkaufen. Um familienfreundlich zu sein, bietet der Suchmaschinen-Anbieter einen höheren Schutz vor schockierenden und anstößigen Inhalten.

MetaGer – die Meta-Suchmaschine aus Deutschland
Bei der Suchmaschine MetaGer handelt es sich um eine Meta-Suchmaschine. Das bedeutet, sie durchsucht unterschiedliche Suchmaschinen und gibt die Ergebnisse zusammengefasst wieder. Nutzer können dabei die durchsuchten Quellen mitbestimmen. MetaGer bezieht sich bei der Suche unter anderem auf die Suchtechnologie von Yahoo und Bing. Die Server der Suchmaschine werden zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben und MetaGer bietet viele Privatsphäre-Funktionen.

Betrieben wird die Suchmaschine durch den gemeinnützigen Verein Suma e.V. für freien Wissenszugang in Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover.

Laut Stiftung Warentest (4/19) beinhaltet die Suchmaschine aber viel Werbung und auch die Suchmaschinen-Treffer seien nur von „ausreichender" Qualität.

Aus nachhaltiger Sicht gibt es ebenfalls Bedenken. Wird die Filterfunktion zu den Quellen nicht genutzt, werden pro Eingabe direkt mehrere Suchanfragen an die unterschiedlichen Anbieter gestellt und so mehr Energie und CO2 verbraucht.

Fazit

Nach wie vor ist Google bezüglich der Ergebnisse als Suchmaschine unschlagbar. Doch bei Datenschutz und Privatsphäre lässt sie zu wünschen übrig. Generell gilt: Anbieter aus der EU gehen besser mit den persönlichen Daten um, da hier strengere Datenschutzgesetze als in den USA gelten. Mehr Privatsphäre? Startpage, DuckDuckGo oder MetaGer machen es zum Beispiel möglich!

Wer gerne etwas Umweltschutz betreiben oder für soziale Projekte spenden möchte, kann dies durch die Nutzung bestimmter Suchmaschinen machen.

Eine Umstellung auf andere Suchmaschinen ist erstmal ungewohnt, doch es kann sich lohnen. Wer auf den Such-Riesen nicht verzichten möchte, kann aber durch den Inkognitomodus bei Chrome oder das Verzichten auf die Anmeldung im Google-Konto während der Suche zumindest etwas gegen die personalisierten Suchergebnisse tun.(Sie)

Stand: Februar 2020