Elektronik und Nachhaltigkeit – Wie gut passt das zusammen?

Die Anzahl der Elektrogeräte im Haushalt steigt stetig. Wer allerdings Wert auf Geräte legt, die unter nachhaltigen Aspekten hergestellt worden sind, muss lange suchen. Bei den Herstellern wächst nur langsam das Bewusstsein für umweltfreundliche und faire Produktionsprozesse. Wie können Verbraucher zur Schonung von Ressourcen beitragen?

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Blätter klemmen in der Tastatur

Knappe Ressourcen, schlechte Arbeitsbedingungen und hohe CO2-Emissionen

Elektronische Geräte bestehen, neben Glas und Kunststoffen zu einem Großteil aus begrenzten Ressourcen wie Metallen oder seltenen Erden, zum Beispiel Gold, Silber, Kupfer, Kobalt oder Palladium. Besonders in Entwicklungs- oder Schwellenländern gibt es große Vorkommen dieser Rohstoffe. Der Abbau belastet allerdings die Umwelt, erfordert einen hohen Energieaufwand, verursacht große Mengen an Treibhausgas-Emissionen und die Arbeitsbedingungen für die dort tätigen Menschen sind häufig schlecht und gefährlich.

Hinzu kommt: Viele Geräte sind bereits nach wenigen Jahren technisch überholt und landen samt den verbauten wertvollen Rohstoffen im Müll. Grund hierfür ist häufig, dass keine Software-Updates mehr für die Geräte angeboten werden.

Nicht nur die zur Produktion verwendeten Ressourcen und die Haltbarkeit der Geräte spielen eine Rolle beim Umweltschutz. Auch nach der Herstellung verbrauchen die Gerätschaften eine Menge Strom und somit CO2. Besonders das Smartphone ist ein Stromfresser: Selbst bei einer moderaten Nutzung muss der tägliche Begleiter alle zwei Tage ans Netzteil.

Im Rahmen einer Untersuchung der Non-Profit-Organisation „The Shift Project“ wurden etwa 170 internationale Studien ausgewertet, die sich mit den Umweltauswirkungen von digitalen Technologien beschäftigen. Dabei kam heraus, dass die Digitalisierung aufgrund des hohen Stromverbrauchs mittlerweile 3,7 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes ausmacht – Tendenz steigend (Stand 2018). Im Vergleich: Der internationale Flugverkehr macht einen Anteil von etwa 2,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus. Demnach entsteht durch den digitalen Datentransfer mittlerweile mehr Kohlendioxid als durch den Luftverkehr.

Augen auf beim Gerätekauf!

  • Muss es immer das Neuste sein? Statt mit dem Trend zu gehen und die Geräteanschaffung abhängig von den neusten Ausführungen und Modellen zu machen, ist es sinnvoller die bereits vorhandenen Geräte so lange wie möglich zu nutzen und dementsprechend schonend zu behandeln. Schließlich ist das nachhaltigste Gerät dasjenige, welches nicht gekauft wird.
  • So gut wie neu: Wer sich ein neues Gerät anschaffen möchte, kann sich auch auf dem Gebrauchtmarkt umschauen. Neben privaten Verkäufen über Kleinanzeigen, bieten Gebrauchtkauf-Portale eine Möglichkeit elektronische Geräte in einem guten bis neuwertigen Zustand zu erwerben. Beispiele sind reBuy, Asgoodasnew oder Refurbed. Die Portale bieten sogar geprüfte Geräte mit Garantie und Rückgaberecht an.
  • Faire und nachhaltige Smartphones: Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die sich faire Herstellungsprozesse für langlebige Produkte auf die Fahne geschrieben haben – zum Beispiel die Hersteller Fairphone und Shiftphone. Smartphones aus diesem Hause können in ihre Einzelteile zerlegt werden und so einzelne Bauteile getauscht und repariert werden. Beide Hersteller versuchen fairere, recycelte und verantwortlich gehandelte Materialien in die Geräte zu verbauen und die Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer zu verbessern.
  • Produkttest helfen: Ganz gleich ob Fernseher, Smartphone oder Computer – unabhängige Produkttests – wie Warentest oder Ökotest - können bei der Kaufentscheidung hinsichtlich der Lebensdauer von Produkten helfen.
  • Ökologische Spitzenprodukte: Die Website Ecotopten empfiehlt aktuelle Spitzenprodukte in Sachen Energieeffizienz und Umweltschutz und gibt Tipps für den Gerätekauf und das Energiesparen.
  • Labels und Gütezeichen: Auch Labels und Gütezeichen können bei der Entscheidung für ein nachhaltiges Gerät helfen. Die bekanntesten Lables sind: Der blaue Engel, das EU-Energie-Label, das Europäische Umweltzeichen oder das TCO-Label. Sie weisen Produkte aus, die einen geringeren Stromverbrauch haben oder gewisse Nachhaltigkeitsstrategien erfüllen.

Stromsparen beim Fernsehen und Internetsurfen

  • Akku voll? Dann schnell die akkubetriebenen Geräte wieder vom Strom nehmen, sonst ziehen diese auch weiterhin Strom.
  • Stecker raus statt Standby: Unbenutzte Geräte sollten ganz vom Strom genommen werden anstatt sie im Stand-by-Modus zu lassen.
  • Pro Ökostrom: Wer den Stromanbieter wechselt, kann bereits etwas für das Klima tun und den zukunftsfähigen Umbau der Energieversorgung fördern. Ist Ihr Stromanbieter beim Grünen Strom Label zertifiziert, garantiert dies die Herkunft des Stroms aus erneuerbaren Energien sowie einen Förderbeitrag zum Bau weiterer Anlagen.

Smartphone und Fernseher defekt – muss direkt ein neues Gerät her?

Irgendwann ist es einmal so weit und Smartphone, Tablet oder Smart-TV weisen die ein oder andere Macke auf – sei es, weil das Smartphone unsanft auf den Boden gefallen ist oder das TV-Gerät gibt keinen Ton mehr von sich. Statt einer Neuanschaffung gibt es auch nachhaltigere Optionen:

  • Defekte Geräte reparieren lassen: Auf das Smartphone, Tablet oder den Fernseher gibt es eine Garantie. Hier lohnt es sich nochmal nachzuschauen, ob der Schaden am Gerät darunter fällt.
  • IFIXIT-Community kann helfen: Bei IFIXIT handelt es sich um eine weltweite Online-Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft bei der Reparatur von Geräten. Dabei kann jeder eine Reparaturanleitung erstellen oder bereits existierende Anleitungen bearbeiten oder verbessern. Gleichzeitig kann man auf der Website direkt Werkzeug oder Ersatzteile für die jeweiligen zu reparierenden Geräte bestellen. Reparaturanleitungen sind kostenlos.
  • Besuch im Repair-Café: Mittlerweile gibt es in vielen Städten Repair-Cafés, wo man unter technischer Anleitung seine Geräte selbstständig reparieren kann.
  • Ab zum Handy-Doktor: Natürlich kann man die Geräte auch immer zu einem Reparaturservice bringen. Vor der Reparatur sollte man einen Kostenvoranschlag einholen, um zu überprüfen, ob sich die Ausgabe für das Gerät noch lohnt.

Was tun, wenn elektronische Produkte nicht mehr zu gebrauchen sind?

  • Entsorgung: Veraltete oder kaputte Geräte dürfen nicht über den Hausmüll entsorgt werden, so das deutsche Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG). Bei der Verbrennung von Hausmüll entweichen die in Elektronikgeräten enthaltenen giftigen Stoffe in die Umwelt und wertvolle Stoffe landen unnötig im Müll. Damit die wertvollen Rohstoffe in den Geräten recycelt und unbrauchbare Teile umweltfreundlich entsorgt werden können, bieten viele Kommunen lokale Sammelstellen an.
  • Rückgabe: Elektronische Kleingeräte, wie zum Beispiel Toaster, Föhn oder DVD-Player können bei allen Elektrofachhändlern mit einer Verkaufsfläche von mindestens 400 Quadratmetern wieder abgegeben werden. Dabei spielt keine Rolle, ob das Kleingerät auch dort erworben wurde.
  • Handysammlung: Alte Handys können auch per Post kostenlos an die Deutsche Umwelthilfe geschickt werden.(Sie)

Stand: März 2020