Digitale Sprachassistenten – mehr Komfort, weniger Privatsphäre?

Alexa, Siri und Co. sind inzwischen in aller Munde. Die sprechenden Boxen erreichen nicht nur Technikbegeisterte, sondern auch Nutzer, die bisher nicht viel mit Smartphones und Internet zu tun hatten. Kann man die Sprachassistenten guten Gewissens nutzen oder sollte man lieber die Finger davon lassen?

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Sprachassistent

„Alexa, wie wird morgen das Wetter?“ oder „Hey Siri, schreibe eine Nachricht an Max.“ sind übliche Befehle für digitale Sprachassistenten. Man benötigt dafür keine Tastatur, Maus, oder sonstige Eingabegeräte. Bevor man ihnen jedoch Anweisungen geben kann, muss man sie zuerst mit ihrem Namen (Aktivierungswort) ansprechen. Erst dann erwarten die Geräte eine Spracheingabe. Alle Assistenten verfolgen dabei ein ähnliches Ziel: Dem Nutzer per Spracheingabe Arbeit abnehmen, so dass dieser nicht für die Abfrage des aktuellen Wetterberichts oder das Verfassen einer Nachricht das Smartphone in die Hand nehmen muss.

Wie werden die Sprachbefehle verarbeitet?

Sobald ein Sprachbefehl vom Nutzer eingesprochen wird, wird dieser vom Sprachassistenten aufgezeichnet und an Großrechner im Internet übermittelt. Diese analysieren die Spracheingabe und übersetzen sie in Computerbefehle. Im Anschluss werden die Befehle ausgeführt oder an andere Onlinedienste (zum Beispiel Wetterdienst) weitergeleitet und dort verarbeitet. Das Ergebnis wird an das Eingabegerät zurückgesendet und über den integrierten Lautsprecher ausgegeben. Gespeichert werden in der Regel sowohl die Ausgangsdaten als auch die vom Assistenten gelieferten Ergebnisse.

Lauschen die Sprachassistenten immer mit?

Die Geräte haben ihr Mikrofon immer aktiviert und sind stets auf dem Horchposten. Damit die praktischen Geräte tatsächlich funktionieren, müssen sie uns nämlich dauerhaft belauschen. Sie warten ständig auf ihr Aktivierungswort. Die Stiftung Warentest (Ausgabe April/2018) gibt hierbei jedoch Entwarnung. In einem Test wurden die Datenströme untersucht, während sich die Geräte im Stand-by-Modus befinden. Es konnten keine Hinweise gefunden werden, dass die Anbieter mitlauschen. Erst nach dem Aktivieren fingen die Assistenten an, die Sprachdaten zu versenden.

Was passiert mit den gesendeten Sprachbefehlen?

Die Sorge um die Privatsphäre bei Sprachassistenten ist nicht unbegründet, denn die gesendeten Sprachbefehle werden bei den jeweiligen Anbietern gespeichert. Was danach mit den Daten passiert, lässt sich aus den Datenschutzerklärungen nicht erkennen. Vieles darin ist unklar formuliert und mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht vereinbar. Je intensiver ein Nutzer den Assistenten verwendet, desto mehr gibt er auch über sich preis. Datenschützer fordern hierbei mehr Transparenz für den Nutzer und das Recht, der Speicherung der Daten zu widersprechen.

Bei der Nutzung von Sprachassistenten gibt es immer ein Pro und ein Kontra. Demnach muss jeder Nutzer letztendlich selbst entscheiden, ob man einen Sprachassistenten einsetzt. Größter Konfliktpunkt ist dabei immer noch der Datenschutz – mehr Komfort, weniger Privatsphäre.

Stand: Juli 2019