Breitbandmessung – ist Ihre Internetverbindung zu langsam?

Ist die tatsächliche Datenübertragungsrate Ihres Internetanschlusses mit der vertraglich vereinbarten Datenübertragungsrate zu vergleichen, oder gibt es gravierende Abweichungen? Mit dem neuen Tool der Bundesnetzagentur lassen sich aussagekräftige Ergebnisse protokollieren.

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Speedometer Internetgeschwindigkeit

„Highspeed-Internet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde“, so ähnlich lauten oft die Werbeslogans der Telekommunikationsanbieter. Die Betonung liegt hierbei allerdings auf "bis zu", denn immer wieder machen Internetanbieter in ihren Verträgen Versprechungen für die Geschwindigkeit, die sie dann nicht erfüllen. Die Bundesnetzagentur hat am 2. Mai 2018 ein neues Tool für eine Breitbandmessung veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine installierbare Version,  die es ermöglicht Messungen auf eine einfache Art und Weise in einem Protokoll festzuhalten. Die Testergebnisse können von Verbrauchern dazu genutzt werden, um den Anbietern nicht vertragskonforme Leistungen nachzuweisen.

"Die Desktop-App ermöglicht die Überprüfung der vertraglich vereinbarten Download-Datenübertragungsraten im Festnetz. Die Messergebnisse sollen Verbrauchern bei der Argumentation gegenüber ihrem TK-Anbieter helfen", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Mit der App ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit die erforderlichen Messungen durchzuführen und mit belastbaren Ergebnissen auf ihren Anbieter zuzugehen", betont Homann.

Technische Hinweise zum Programm

Das Programm können Sie auf der Seite Breitbandmessungen.de herunterladen. Um eine Messung korrekt durchzuführen, müssen Sie das Programm installieren und danach folgende Kriterien erfüllen:

  • Verbinden Sie Ihren Laptop direkt mit einem LAN-Kabel an den Router
  • Deaktivieren Sie Ihr WLAN
  • Schließen Sie Ihren Laptop an die Stromversorgung an und deaktivieren Sie den Energiesparmodus
  • Schließen Sie alle anderen Programme, um einen parallelen Datenverkehr auszuschließen
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Router die aktuellste Firmware besitzt

Mindestens 20 Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die neue Möglichkeit der Breitbandmessung. Er kritisiert allerdings zugleich die Bedienung und die damit verbundene Nutzfreundlichkeit des Programms. Demnach müssen Messungen aktuell noch per Hand angestoßen werden. Sie fordern hier die Entwickler auf, eine automatisierte Messung zu implementieren.

Weiterhin kritisiert der vzbv die wenigen Rechte der Verbraucher. Sollten Verbraucher eine Minderleistung feststellen, folgt daraus erst einmal nichts. Verbraucher können ihren Tarif nicht einfach mindern, wechseln oder kündigen, wenn der Anbieter sich nicht an den Vertrag hält.

Es gibt keinen gerichtlich festgelegten Wert, ab dem Verbraucher von einem Vertragsbruch ausgehen können. Die Bundesnetzagentur gibt aber eine Orientierung. Demnach sind mindestens 20 Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen mit einer LAN-Verbindung durchzuführen. Folglich liegt ein Vertragsbruch vor, wenn die Downloadgeschwindigkeit an zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Maximalgeschwindigkeit unterschreitet.

Was sollte man tun, wenn die Messung die vertragliche Geschwindigkeit stark unterschreitet?

Prüfen Sie zuerst, ob Sie alle technischen Hinweise zum Programm eingehalten haben. Sollte sich dennoch der Verdacht von niedrigen Geschwindigkeiten bestätigen, nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Anbieter auf. Macht dieser keine Zugeständnisse, können Sie kostenfrei die Schlichtungsstelle der Behörde anrufen, die dann zu vermitteln versucht. So ein Verfahren dauerte vergangenes Jahr im Schnitt acht Wochen, in etwa der Hälfte der Fälle konnte eine Übereinkunft erzielt werden. Wer damit unzufrieden ist, kann zivilrechtlich auf Schadenersatz oder Minderung des Tarifs klagen.

Stand: Juni 2018