Öffentlich-rechtliche Mediatheken bald europaweit nutzbar

Das EU-Parlament hat einen Entwurf für die Richtlinie über Fernseh- und Hörfunkprogramme verabschiedet. Demnach können zukünftig öffentlich-rechtliche Fernsehsender Beiträge zum aktuellen Zeitgeschehen in ihren Mediatheken bereitstellen. Das Streaming soll in allen EU-Mitgliedsstaaten ohne technische Blockaden funktionieren.

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Smartphone mit Geoblocking

„Diese Inhalte sind in diesem Land nicht verfügbar“. Solche Hinweise gehörten seit April 2018 der Vergangenheit an. Bezahlte Dienste wie Netflix, Maxdome und Co. mussten ihren Kunden ein europaweites Streaming zur Verfügung stellen. Möglich machte es eine neue EU-Verordnung. Ein Jahr später kommt auch das Aus für Geoblocking bei Rundfunkproduktionen im Netz. Jetzt stehen den Verbrauchern auch bald die kostenlosen Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zur Verfügung, zum Beispiel ARD oder ZDF.

Zappen ist OUT, Streaming ist IN

Durchs Fernsehprogramm zu zappen war lange Standard in deutschen Wohnzimmern. Doch seit Internet-Videotheken wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime Video auf Knopfdruck werbefreies Wunschkino auf den Fernseher zaubern, ist Schluss mit planlosem Zapping. Beim Streaming werden Bilder, Videos und Ton am PC oder einem anderen Endgerät wiedergegeben, ohne dass sich der eigentliche Inhalt auf dem lokalen Speicher des Geräts befindet. Eine Internetverbindung wird dafür vorausgesetzt.

Nutzungsrecht im Ausland zeitlich begrenzt

Ähnlich wie beim Daten-Roaming von Mobilfunkgeräten, werden die Inhalte von bezahlten Streaming-Anbietern nur für vorübergehende Aufenthalte verfügbar sein. Das heißt, Urlauber oder Geschäftsreisende können ihr Abo problemlos nutzen. Verhindert werden soll dadurch, dass jemand mit Wohnsitz in Deutschland im Ausland günstige Abos abschließt.

Eine Überprüfung zur Herkunft der Nutzer kann anhand der Kreditkarten-Daten, IP-Adresse oder über Ausweisdokumente erfolgen. Sollten Unternehmen auf Ausweiskopien bestehen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, alle nicht zur Wohnortfeststellung nötigen Angaben auf der Dokumentenkopie zu schwärzen. Hintergrund ist das Urheberrecht in der EU. Lizenzen für Serien oder Filme werden für jedes Land einzeln vermarktet. Sollte es für Verbraucher also möglich werden, überall in der EU Abos abzuschließen, müssten die Streaming-Dienste die Rechte für jeden einzelnen Mitgliedsstaat erwerben.

Kann ich jetzt alles problemlos im EU-Ausland streamen?

Leider nein. Zu den grenzüberschreitenden Sendungen gehören tagesaktuelle Nachrichten sowie alle Inhalte, die von den Sendeanstalten komplett selbst finanziert wurden. Berichte über Sportereignisse bleiben im Fernsehen und im Radio weiterhin auf nationale Territorien beschränkt.

Wann tritt die Richtlinie in Kraft?

Dem Entwurf von den Volksvertretern muss noch vom Rat zugestimmt werden, was aber als Formsache gilt. Sobald die Richtlinie im EU-Amtsblatt veröffentlicht wurde, haben die Mitgliedsstaaten 24 Monate Zeit, um die Regeln umzusetzen.

(Stand: April 2019)