Preis-Vergleichsportale – sehr beliebt, aber nicht unproblematisch

Günstigere Konditionen, bessere Leistungen – welche Versicherung bietet mehr? Vergleichsportale im Internet liefern auf diese Fragen eine schnelle Antwort. Aber Vorsicht ist geboten. Unser Tipp: Vergleichen Sie Vergleichsportale!

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Hand hält eine Kreditkarte über einer Tastatur

Reisen und Hotels, Versicherungen, Elektrogeräte, Autos und natürlich Preise – es gibt kaum etwas, das nicht auf Online-Plattformen verglichen werden kann. Eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie zeigt aber deutlich, welche Probleme auftreten können.

Vergleichsportale auf dem Prüfstand

Vergleichsplattformen und entsprechende Apps sind sehr beliebt. 74 Prozent der europäischen Nutzer haben bereits Erfahrungen mit solchen Plattformen im Internet gemacht, 40 Prozent nutzen sie sogar mindestens einmal pro Monat.

Gut besucht sind vor allem die Vergleichsportale, die von den Suchmaschinen weit oben gelistet sind. Ein zweites wichtiges Auswahlkriterium sind positive Berichte und Reviews von anderen Usern. Das absolut ausschlaggebende Kriterium ist jedoch immer die Möglichkeit, Preise vergleichen zu können.

In der EU gibt es insgesamt 1042 Vergleichstools (910 Websites und 132 Apps) - davon werden 84 Prozent von privaten Anbietern betrieben.

EU-Kommission kritisiert Intransparenz

Von allen untersuchten Vergleichsportalen stellen weniger als die Hälfte Informationen darüber zur Verfügung

  • welche Logik hinter den Produkt-Rankings steht,
  • woher sie die Daten beziehen und wie oft diese überhaupt aktualisiert werden,
  • ob und wenn ja, welche Partnerschaften mit Unternehmen bestehen und
  • wie die Finanzierung des Portals aussieht.

Weiterhin haben nur 11 Prozent der Vergleichsportale Kontaktmöglichkeiten angegeben und nur 34 Prozent geben an, wohin man sich im Beschwerdefall wenden kann.

Die Vorteile für Verbraucher

Grundsätzlich sind Vergleichsportale positiv zu bewerten. Sie führen verschiedenste Produkte und Dienstleistungen auf, die miteinander aufgrund unterschiedlicher oder gleicher Produkteigenschaften verglichen werden können. Verbraucherbewertungen oder bereits erfolgte Kaufentscheidungen werden oft schon im Vergleichsprozess berücksichtigt.

Durch Vergleichs- und Bewertungsportale wird der Markt transparenter. Sie erleichtern es dem Verbraucher in dem übergroßen Angebot passende Produkte und Dienstleistungen zu finden. Sie ermöglichen gleichzeitig Unternehmen deren Produkte und Dienstleistungen durch die Meinung Dritter zu verbessern.

Die geschaffene Markttransparenz sowie das Risiko vor Imageverlust und sinkenden Absatzzahlen aufgrund schlechter Kundenbewertungen, wirken sich zweifellos positiv auf die Angebote und damit letztlich auf den Verbraucher aus.

Von user zu user

Jeder user kann das entsprechende Produkt oder die Dienstleistung direkt kommentieren und mit „Noten“ oder „Sternchen“ bewerten. Die aktuelle EU-Studie zeigt, dass immer noch zwei Drittel der user ihren Kauf von der Meinung anderer user abhängig machen.

Auch wenn Online-Bewertungen Verbrauchern zunächst nur zur Orientierung dienen sollen, können sie häufig die Kaufentscheidung beeinflussen.

Werden bei der Kaufentscheidung auch die Meinungen anderer user berücksichtigt, ist jedoch auch Vorsicht geboten. Laut Schätzungen des Bundesverbandes der Verbrauchzentralen werden rund 20 Prozent der Online-Bewertungen im Internet gefälscht oder von Unternehmen erkauft.

Vergleichsportale sind Wirtschaftsunternehmen

Verbraucherschützer warnen vor zu viel Gutgläubigkeit der Nutzer. Die Portale seien keine „gemeinnützigen Einrichtungen“ – denn viele Portale kassieren bei Vertragsabschluss gleich mit. Verbraucher, die den Rankings blind vertrauen, machen sich keine Gedanken darüber, dass solche Portale „Wirtschaftsunternehmen sind, die Geld verdienen wollen“, so der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. Vielfach haben die Portale Verträge mit den Versicherungen oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten und kassieren dann bei Vertragsabschluss nicht unerhebliche Provisionen. Da dies die Verbraucher auf den ersten Blick nicht erkennen könnten nimmt das Landgericht München jetzt diese Praxis in einem Musterprozess gegen Check24 unter die Lupe. Nichtsdestotrotz dauert es nach einer Klage und einem Urteil häufig noch lange bis ein Anbieter seine Geschäftspraxis letztlich ändert, denn schon die Zeitverzögerung bedeutet einen Vorteil.

Vorsicht bei Online-Bewertungen

Grundsätzlich können die Nutzer davon profitieren, aber unwahre oder manipulierte Bewertungen führen zu Fehleinschätzungen. Letztlich werden Kaufentscheidungen getroffen, die dem Verbraucher schaden können. Derzeit gibt es für dieses Problem noch keine Lösung, automatisch festzustellen, ob die Rezension oder die Meinung wahr oder doch gefälscht ist. Tatsache ist, dass manipulierte Bewertungen strafbar sind.

Verbraucher sollten daher für das Thema sensibilisiert sein. Beurteilen Sie die Bewertungen kritisch, vor allem bei zu viel Lob auf Produkte und Dienstleistungen - kritische Nutzermeinungen geben oft eher die Wahrheit wieder. Verlassen Sie sich nicht auf einen Anbieter, sondern nutzen Sie mehrere Vergleichsportale. Vergleichen Sie die Vergleichsportale – ist die Devise.

Achten Sie besonders auf Kundenmeinungen oder Kommentare, die gesponsert bzw. gekauft sind; diese müssen auch als solche gekennzeichnet sein.

Seien Sie kritisch auch auf sozialen Netzwerken

Für die meisten Verbraucher ist es heute eine Selbstverständlichkeit, sich auch auf Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter umzusehen. Unternehmen bewerben auf ihren Facebook-Seiten ihre Produkte und Dienstleistungen. Hier kann die Anzahl der „Fans“ auf Facebook oder die Anzahl der „Follower“ auf Twitter bereits Vertrauen wecken. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Dubiose Firmen nutzen die Möglichkeit „Fans“ oder „Follower“ zu kaufen. Damit ist zwar die Anzahl der „Fans“ hoch auf der Unternehmensseite, aber nicht unbedingt die Qualität der angebotenen Produkte.

Stand: September 2015