Onlineverkäufe bei Ebay – da hakt das Finanzamt bei Ihnen nach

Vorsicht bei privaten Onlineverkäufen auf Ebay, Amazon und Co., denn schneller als man denkt, wird man vom Privatverkäufer zum steuerpflichtigen Händler. Viele denken dabei gar nicht an Steuerhinterziehung, aber der Fiskus hat den Onlinehandel voll im Visier. Saftige Nachforderungen können die Folge sein. Hier finden Sie die fünf wichtigsten Steuerfallen.

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Geldscheine hinter einem Scheibenwischer eingeklemmt

Auf dem Online-Marktplatz Ebay bieten rund fünf Millionen Privatverkäufer ihre Sachen an – davon machen es etwa 175.000 gewerblich. Was viele nicht wissen ist: Je nach Anzahl, Art und Umsatz der Verkäufe werden Steuern fällig.

Während wahrscheinlich die Entrümplung des Kellers unbedenklich ist, kann zum Beispiel der Wiederverkauf von Waren oder das Anbieten von Neuware steuerlich zum Problem werden. Auch bei sogenannten Spekulationsgeschäften sieht das Finanzamt genau hin. So ist der schnelle, profitable Wiederverkauf von Waren steuerpflichtig. Es sei denn der Gewinn liegt unter 600 Euro.

Hübscher Nebenverdienst oder Steuerhinterziehung

Zwischen Gelegenheitsverkäufern und professionellen Händlern tummeln sich auch eine Menge Anbieter auf den Portalen, die häufig Angebote einstellen und damit oft einen ganz beachtlichen Nebenverdienst erzielen. Ob sie mit den Onlineverkäufen bereits Steuern hinterziehen − darüber denken die meisten oft gar nicht nach.

Hier erklären die Experten von Finanztest, welche Verkäufe unbedenklich und steuerfrei sind – und wann ein Verkauf als gewerblich gilt:

  • Steuerfalle 1: Der Fiskus sieht genau hin
    • Mit modernster Software wird im Netz nach Steuersündern gefahndet. Die Suchmaschine „Xpider“ spürt gezielt Schwarzhändler auf. Saftige Steuernachforderungen sind die Folge. Händler, die über längere Zeit viel oder größere Posten Neuware anbieten geraten vor allem ins Visier. Die von der Software ausgewerteten Datensätze werden von den Steuerfahndern anschließend genau geprüft.
    • Aber nicht nur Ebay wird durchforstet. Auch Handelsplattformen wie Amazon, Mobile.de, Auto­scout24 oder MyHammer und weitere werden gecheckt. Erzielen Onlineverkäufer hier entsprechende Einnahmen, kann das Finanzamt nicht nur Namen, Anschrift und Bankverbindung von den Portalbetreibern verlangen, sondern auch eine Auflistung aller Verkäufe.
  • Steuerfalle 2: Privat oder professionell?
    • Was viele nicht wissen: Die Grenze zwischen steuerfreien privaten Verkäufen und steuerpflichtigem Handel ist fließend. Nur die Behauptung, privat zu handeln, oder ein privater Online-Auftritt schützt den Anbieter nicht. Aber ab wann gilt ein Verkäufer als Profi?
    • Faustformel: Wer seine Wohnung oder den Keller entrümpelt und private Schätze zum Höchstgebot versteigert, ist privater Verkäufer und damit steuerfrei. Dazu gehören Dinge wie Fernseher, Kleidung, Möbel, Spielkonsolen. Auch wer das eigene Auto oder die geerbte Sammlung verkauft, muss dem Fiskus kein Geld überweisen, auch nicht bei gelegentlichen Flohmarkt-Einnahmen.
    • Anders bewertet das Finanzamt dagegen dauerhaft ertragreiche oder gewinnbringende Geschäfte. Ab etwa 40 Verkäufen in wenigen Monaten wird es kritisch. Die Gerichte entscheiden immer im konkreten Einzelfall.
    • Ein Gewerbe liegt vor: Laut Stiftung Warentest liegen Hinweise auf ein Gewerbe vor „ bei regelmäßigem Handel, hohen Umsätzen, Verkauf von gleichartigen Sachen oder Neuware, Verkauf für Dritte oder aufwendig platzierten Angeboten. Dabei spielt es keine Rolle, ob tatsächlich Gewinn erwirtschaftet wird. Jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen ist gewerblich.“
  • Steuerfalle 3: Wiederverkäufe
    • Hier müssen auch private Händler an das Finanzamt denken: Wenn die verkauften Gegenstände extra für den Wiederverkauf erworben wurden, sieht das Finanzamt den Verkauf als gewerbsmäßig an und verlangt Steuern. Wer zum Beispiel vor Weihnachten Waren einkauft, um sie mit Gewinn zu den Festtagen wieder zu verkaufen, muss das in seiner Steuererklärung angeben in der Anlage „SO“ für sonstige Einkünfte als privates Veräußerungsgeschäft. Dabei muss man den Gewinn sowie Preis und Datum von Ankauf und Verkauf eintragen.
  • Steuerfalle 4: Spekulationsgeschäfte
    • Das Finanzamt interessiert sich auch für sogenannte „Spekulationsgüter“. Dazu zählen private Wertgegenstände, wie Schmuck, Gold, Münzen oder Antiquitäten, die schnell und mit großem Profit wieder verkauft werden können. Wenn der Verkäufer sie vor weniger als einem Jahr erst selbst gekauft hat, muss er den Gewinn versteuern, außer der Gewinn liegt unter 600 Euro.
  • Steuerfalle 5: Liegt ein Gewerbe vor?

    Wichtig: Wenn ein Gewerbe vorliegt, steht nicht nur die Einkommenssteuer an, sondern es können auch Umsatz- und Gewerbesteuer fällig werden:
     
    • Einkommensteuer: Wenn das gesamte Einkommen über dem Jahresgrundfreibetrag von derzeit 8 354 Euro liegt, fällt auf jeden Euro zusätzlichen Gewinns aus gewerblichem Onlinehandel Einkommenssteuer an. Laut Stiftung Warentest sind „für Arbeitnehmer, die online nebenbei gewerbsmäßig verdienen, bis zu 410 Euro Gewinn pro Jahr steuerfrei. Höhere Nebeneinkünfte müssen sie aber in ihrer Steuererklärung angeben. Weitere Steuern muss ein Kleinunternehmer bis zu einem Umsatz von 17 500 Euro brutto nicht zahlen.“
    • Umsatzsteuer: Waren die Umsätze höher als 17 500 Euro brutto im zurückliegenden Jahr und werden im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50 000 Euro erzielt, wird Umsatzsteuer fällig.
    • Gewerbesteuer: Wenn die Gewinne jährlich 24 500 Euro übersteigen, verlangen die örtlichen Kommunen auch Gewerbesteuer.

Stiftung Warentest rät

„Steuerpflicht: Denken Sie auch ans Finanzamt, wenn Sie auf Onlineplattformen wie Ebay oder Mobile.de verkaufen. Sobald das Finanzamt Ihren Handel als gewerblich einstuft, werden Sie schnell steuerpflichtig. Indizien sind zum Beispiel die Anzahl der Verkäufe, viele Bewertungen, aufwendige Angebotsplatzierungen, hohe Umsätze und der Zeitpunkt des Verkaufs.

Belege sammeln. Heben Sie alle Verkaufsbelege auf. Ansonsten schätzt das Finanzamt Umsätze und Gewinne. Das kann erheblich teurer werden.“

Stand: Februar 2015