Kosmetik aus dem Internet – Bestellen ohne Risiko

Der Internethandel ist in den letzten Jahren auch bei Kosmetikartikeln sprunghaft angestiegen. Bei vielen Verbrauchern wirft der Online-Kauf von Creme, Seife oder Make-up aber immer noch Fragen auf: Wie erkenne ich überhaupt einen vertrauenswürdigen Händler im Internet? Was muss ich bei der Rücksendung von Artikeln beachten? Und wie müssen Kosmetikprodukte im Internet gekennzeichnet sein? Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier im VerbraucherFenster.

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Junge Frau packt Kosmetika aus

Ein Anti-Aging Creme mit Wirkstoffen aus der Weinrebe oder lieber die BB-Creme für einen ebenmäßigen Teint? Ein Shampoo mit Koffein oder eine Mascara mit Wimpernverlängerung? Im Internet einzukaufen hat viele Vorteile: Eine riesige Produktauswahl, ein unverbindliches, ungestörtes Schnuppern in Angeboten, gezieltes Finden von Marken und tagesaktuelle Schnäppchen. Preisvergleiche ohne Ladenschlusszeiten und Produktbeschreibungen online.

Neben der großen Anzahl redlicher Internethändler finden sich natürlich auch unseriöse Anbieter, die Verbraucher täuschen und betrügen. Ein optisch ansprechender Online-Auftritt ist sicher noch keine Garantie für die Seriosität des Anbieters.

Kauf und Widerrufsrecht

Beim Online-Kauf kann die Ware erst begutachtet und ausprobiert werden, wenn das Paket angekommen ist. Deshalb steht dem Kunden ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Seit Juni 2014 ist dieses Widerrufsrecht im Versandhandel europaweit neu geregelt. Jetzt müssen die Kunden ihren Widerruf auf einem entsprechenden Formular ausdrücklich erklären. Ein kommentarloses Zurücksenden der Produkte genügt nicht mehr.

Bei einer Rücksendung gilt -wie bei der Zusendung-, dass einige kosmetische Mittel wie zum Beispiel Parfums oder Aerosole als kennzeichnungspflichtiges Gefahrgut gelten, das besonders verpackt werden muss.

Händler können nun auch von ihren Kunden verlangen, die Rücksendekosten selbst zu bezahlen (auch oberhalb einer Grenze von 40 EUR Warenwert), wenn die Kunden vorher darüber informiert wurden. Viele deutsche Internethändler übernehmen freiwillig weiterhin die Kosten für die Rücksendung. Es lohnt sich aber, die Rückgabebedingungen vor dem Kauf genau zu lesen.

Widerruf ausgeschlossen

Seit Juni 2014 gibt es eine für Kosmetikprodukte maßgebliche gesetzliche Einschränkung: „Bei Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene versiegelt sind, entfällt das Widerrufsrecht, wenn Kunden die Versiegelung entfernen.“ Öffnet die Kundin zum Beispiel die Versiegelung eines Lippenstiftes oder die Aluversiegelung auf einer Creme, ist ein Widerruf ausgeschlossen. Händler müssen Verbraucher darüber vorab informieren.

Worauf Sie beim Online-Kauf achten sollten

Lesen Sie das Impressum des Anbieters: Hier sollte die vollständige Postanschrift mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse stehen. Wenn die für den Online-Shop verantwortliche Person genannt ist, kann dies ebenfalls nützlich sein.

Denken Sie daran, dass bei Anbietern mit Sitz im nicht-europäischen Ausland, Schwierigkeiten beim Kauf oder der Rückgabe auftreten können und die eventuell nötigen rechtlichen Schritte erschwert sein können. In der EU sind nur Produkte verkehrsfähig, bei denen die angegebene Firma ihren Sitz in der EU hat. Auf kosmetischen Mitteln, die in Deutschland vertrieben werden, müssen zudem Warn- und Gebrauchshinweise in deutscher Sprache stehen.

Folgende Informationen sollten auf der Seite des Internetanbieters stehen:

  • Die Produkte müssen entsprechend gekennzeichnet sein und die geltende europäische Kosmetik-Gesetzgebung erfüllen. Die Ware soll in deutscher Sprache beschrieben sein. Die Füllmengen-Angaben sollen erkennbar sein. Auch die Hinweise zur richtigen und sicheren Anwendung sollen in Deutsch verfasst und gut lesbar sein. Der Verwendungszweck (z.B. Tages- oder Nachtcreme) und eventuelle Einschränkungen (z.B. „für Kinder nicht geeignet“) sollen gut zu erkennen sein.
  • Die zusätzliche Veröffentlichung der Produktkennzeichnungen im Webauftritt des Anbieters sind vor allem dann hilfreich, wenn die Kennzeichnungen auf den Produktabbildungen nicht gut zu erkennen sind.
  • Für die Bezeichnung der Inhaltsstoffe des Produktes (International Nomenclature Cosmetic Ingredients - INCI) werden europaweit einheitliche Fachbegriffe verwendet.
  • Erläuterungen hierzu stellt das Internetportal haut.de in deutscher Sprache zur Verfügung: www.haut.de/service/inci 
  • Beachten Sie die Angaben zur Haltbarkeit (Mindesthaltbarkeit oder Haltbarkeit nach dem Öffnen).
  • Kosmetika, die weniger als 30 Monate haltbar sind, müssen ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Anstelle des Wortlautes „Mindestens haltbar bis“ kann auch das Symbol einer Sanduhr abgebildet sein (Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums als Monat und Jahr). Kosmetikprodukte, die länger als 30 Monate haltbar sind, tragen oft das Symbol eines geöffneten Tiegels mit der Angabe der Haltbarkeit nach dem Öffnen in Monaten (z.B. 12 M = 12 Monate).
  • Für Allergiker ist zu empfehlen, die Informationen aus der INCI-Liste mit ihrem Allergiepass abzugleichen.
  • Wenn Sie ein Produkt nicht vertragen, sollten Sie dieses nicht weiter verwenden. Eventuell bietet Ihnen der Onlinehändler aus Kulanz eine Rückgabemöglichkeit an, eine Rücknahmepflicht besteht in keinem Fall.
  • Die Inhaltsstoff-Datenbank (INCI) bietet hier nützliche Informationen zu den Inhaltsstoffen kosmetischer Mittel bei haut.de: www.haut.de/service/inci 
  • Wenn kosmetische Produkte vom Internethändler mit Gütesiegeln beworben werden (Rohstoffe aus fairem Handel, Naturkosmetik o.ä.), können Sie sich über die Seriosität und Bedeutung der angegebenen Siegel auf folgender Website informieren:
  • http://www.label-online.de  (Angebot der Verbraucher Initiative e.V.).
  • Bestellen Sie keine Produkte, die für den gewerblichen Einsatz beim Friseur oder bei der Kosmetikerin gedacht sind. Diese sind oft hochkonzentriert, schwieriger zu verarbeiten und können deshalb für eine Anwendung zu Hause ungeeignet sein.
  • Wenn Ihre Bestellung eingegangen ist, heben Sie die Verpackung besser eine Weile auf: Falls Sie die Produkte wegen Qualitätsmängeln zurückschicken wollen, kann der Hersteller anhand der Chargennummer auf der Schachtel die Qualität des Produktes und den Vertriebsweg überprüfen.
  • Besonders günstige Preise sollten misstrauisch machen: Produktfälschungen sind hier nicht ausgeschlossen, die unter mangelhaften Qualitätsstandards wie zum Beispiel unhygienischen Produktionsbedingungen oder mit minderwertigen Inhaltsstoffen hergestellt oder abgefüllt wurden. Möglicherweise kaufen Sie eine teure Sonnencreme mit ungenügender Schutzwirkung oder ein Parfum, das außer dem Namen nichts mit dem Original gemeinsam hat.
  • Kosmetik, die in der EU verkauft wird, muss den hohen Sicherheitsanforderungen des EU-Kosmetikrechts entsprechen, was stichprobenartig von den EU-Marktüberwachungsbehörden kontrolliert wird. Beziehen Sie aber kosmetische Mittel von Internetseiten aus Nicht-EU-Staaten, können Sie nicht sicher sein, dass diese dem EU-Recht entsprechen und deren Sicherheit geprüft wurde.

Hintergrund und weitere Informationen

Der Flyer „Einkauf von Kosmetik im Internet – die wichtigsten Tipps“, wurde von der Initiative „Dialog Kosmetik“ und G@ZIELT herausgebracht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beherbergt die gemeinsame Zentralstelle „Kontrolle der im Internet gehandelten Erzeugnisse des LFGB und Tabakerzeugnisse“, kurz G@ZIELT. Unter „Erzeugnissen des LFGB“ sind Lebensmittel, Futtermittel, Kosmetika und Bedarfsgegenstände zu verstehen.

Stand: März 2015