"Internet und Soziale Netzwerke – Gefahren und Risiken" (Teil V): B2B-Masche und Abo-Betrug

Sie wollten schon immer das neue iphone haben und jetzt werden mehrere im Rahmen einer Aktion auf Facebook verlost? Sie nehmen an der Aktion teil. Was dann folgt, ist eine teure Rechnung. Was ist passiert? Sie sind auf den sogenannten Abo-Betrug, auch B2B-Masche, reingefallen.

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Drei Einkaufswagen mit verschiedenfarbigen W-Schildern

Was sich dahinter genau verbirgt, welche Formen es gibt und was Sie tun können, damit Sie nicht in solche Fallen tappen, erfahren Sie im fünften Teil unserer Serie „Internet und Soziale Netzwerke – Gefahren und Risiken“. Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt gibt im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redaktionsmitglied Barbara-Maria Birke wichtige Verhaltenstipps.

VF: Herr Schulte, muss ich Verlosungen auf Facebook skeptisch genüberstehen?

Schulte: Natürlich gibt es auch auf Facebook Verlosungen, an denen man bedenkenlos teilnehmen kann. Es gibt aber auch andere und Indizien, die darauf hinweisen, dass an der Verlosung etwas faul sein kann. In letzter Zeit werden auf Facebook vermehrt Veranstaltungen durchgeführt, bei denen den ersten 100.000 Teilnehmern versprochen wird, dass sie - je nach Veranstaltung - entweder Nike Schuhe, ein iPhone oder eine Playstation gewinnen können. Es handelt sich angeblich um schlecht verpackte Ware, die so nicht mehr in den Verkauf gehen konnte.

Auf der Facebook-Veranstaltungsseite wird selbstverständlich nicht darauf hingewiesen, dass man mit der Anmeldung ein kostenpflichtiges Abo zu einem bestimmten Gesamtpreis abschließt und dass nur Unternehmer, Gewerbetreibende oder Selbständige teilnehmen können. Man wird dann weiter auf eine Registrierungsseite geleitet. Dort steht erstmalig an zwei verschiedenen Orten, dass das ganze „Gewinnspiel“ / „Verlosung“ mit weiteren Kosten verbunden ist. Man bemerke: hellgraue Schrift auf weißen Hintergrund. In dem Registrierungsformular muss man kein Alter angeben und der Punkt „Firma“ ist das einzige Feld, was kein Pflichtfeld darstellt.

VF: Wie geht`s dann weiter?

Schulte: Nach der Registrierung erhält man relativ zeitnah per Post oder per Mail eine Rechnung für die Einrichtungsgebühr. Spätestens hier fällt dann vielen Schnäppchenjägern auf, dass es sich scheinbar doch nicht um eine normale „Verlosung“ handelt, sondern um irgendein obskures Abonnement.

VF: Was ist der Zweck dieser Verlosungen?

Schulte: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen sollen diese „Verlosungen“ geteilt werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Hierdurch kann man die Verbreitung von Nachrichten innerhalb eines gewissen Zeitraumes nachvollziehen. Für Marketingzwecke eine interessante Sache. Dann gibt es natürlich auch die „Verlosungen“, bei denen die reine Abzocke im Vordergrund steht. Man sollte sich immer im Hinterkopf behalten: im Internet gibt es nichts geschenkt.

VF: Was sind das für Firmen, die dahinter stecken?

Schulte: Das sind eigentlich keine richtigen Firmen. Mehr als die Homepage mit den vermeintlich tollen Angeboten steckt meistens nicht dahinter. Um die entsprechende Aufmerksamkeit zu erhalten, werden die Namen angesagter Firmen wie z. B. Apple benutzt.

VF: Was kann ich als Verbraucher tun, um nicht in die Fallen zu tappen?

Schulte: Lesen! Wenn Sie einen Vertrag im Internet abschließen, nehmen Sie sich die Zeit und schauen Sie auch mal in die AGB’s rein. Anhand der Zwischenüberschriften können Sie sich einen Überblick verschaffen, was im Rahmen des Vertragsabschlusses neben den auf den ersten Blick abgeschlossenen Vertragsinhalten noch für Sie gilt. Wenn Sie bei Vertragsabschluss unsicher sein sollten, laden Sie sich diese AGB’s einfach auf Ihren Rechner und speichern Sie sie ab. So können Sie im Zweifelsfall, sollte es im Nachgang zu Problemen kommen, nachweisen, was zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses gegolten hat.

VF: Aber ich rechne ja gar nicht damit, dass ich einen Vertrag abschließe. Ich nehme ja lediglich an einer Verlosung teil…

Schulte: Hier zeigt sich die Perfidität dieser Masche. Dadurch, dass ich etwas gewinnen möchte, gebe ich natürlich auch die richtigen Daten ein. Auch setze ich mein Häkchen unbedacht bei den AGBs. Vielleicht fragt man sich, was soll denn darin schon stehen, was eine Kostenpflicht auslösen könnte? Im Endeffekt soll das vermeintliche Gewinnspiel lediglich Menschen anlocken, richtige Daten anzugeben. Und durch die Eingabe dieser kommt dann ein Vertrag zu Stande.

VF: Was tue ich, wenn ich mich doch angemeldet habe und nun eine Rechnung ins Haus flattert?

Schulte: Wenn Ihnen im Nachgang etwas unseriös vorkommt, (zum Beispiel, wenn Sie nun dieses Interview lesen…), schauen Sie doch mal in den gängigsten Suchmaschinen nach, ob andere Verbraucher ähnliche Erfahrungen machen mussten. Grundsätzlich gilt: nichts zahlen, was nicht Bestandteil des Vertrages war! Dann sollten Sie den vermeintlichen Abschluss des Vertrages vorsorglich widerrufen und sich den Abschluss des Vertrages in Schriftform nachweisen lassen, wenn die Gegenseite auf den Widerruf hin keine Ruhe gibt.

VF: Ich habe schon mehrfach gehört, dass auf einen solchen Widerruf keine Reaktion oder eine erneute Rechnung mit der Drohung einer Anzeige wegen Betruges oder einer Mitteilung an die Schufa zugesendet wurde.

Schulte: Natürlich akzeptieren solche „Firmen“ einen Widerruf nicht. Auch die Drohungen gehören zum System. Es wird eine Drohkulisse aufgebaut, die rechtlich sehr interessante Ansichten zum Inhalt hat. Stellen Sie sich vor, von 1.000 Hereingelegten reagieren nur 200 auf diese Drohung und zahlen den geforderten Betrag. Das rechnet sich immer noch.

VF: Und was mache ich in so einem Fall?

Schulte: Da meiner Erfahrung nach die Erfolgsaussichten, mit normalen Mitteln eine zufriedenstellende Lösung zu erhalten, sehr gering sind, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Sie werden bestimmt nicht der erste sein, der Opfer solcher Abzocker geworden ist. Um die zivilrechtliche Komponente eines solchen Sachverhalts zu erledigen, schalten Sie im Zweifelsfall einen Anwalt ein.

VF: Können Sie ein paar weitere Beispiele nennen, damit unseren Leser so etwas nicht passiert?

Schulte: Aktuell gibt es verschiedene Arten von „Gewinnspielen“. Einmal werden Gutscheine von beispielsweise H&M oder DM verschenkt. Dann werden angeblich iPhones, bei denen die Verpackung fehlerhaft sei, verschenkt. Ein besonders interessantes Beispiel war ein BMW M3, der wegen einer falschen Folierung leider nicht mehr verkauft werden kann und deshalb verschenkt werden soll. Stellen Sie sich das mal vor.

VF: Wo finde ich als Verbraucher eine Übersicht über diese unseriösen Firmen und aktuelle Maschen?

Schulte: Hierzu gibt es im Internet jede Menge Websites, auf denen Opfer ihre Erfahrungen schildern und die jeweiligen Firmen benennen. Dieses Thema wird natürlich auch in den Sozialen Netzwerken behandelt. Aufgrund der Tatsache, dass diese Betrugsmasche anscheinend sehr rentabel ist, haben sich schon mehrere Rechtsanwälte auf diese Masche spezialisiert. Sehr aktiv auf Facebook ist ein Lehrbeauftragter der Uni Köln, Herr Solmecke. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht er Videobotschaften zu aktuellen Themen aus dem Social Media Bereich.

Natürlich geben wir als Polizei ebenfalls Hinweise zu dieser Thematik. Auf http://www.polizei-beratung.de  können Sie sich auch über diese Sachverhalte informieren. Da die „Firmen“ solcher Abzocker schnell am Markt platziert sind, lohnt sich in jedem Fall ein Blick in eine Suchmaschine. Wenn Sie den Namen der Firma und das Stichwort „Betrug“ oder „Erfahrung“ eingeben, werden Sie schnell weitere Informationen zu den jeweiligen „Firmen“ erhalten.

VF: Wo liegen die Unterschiede zum klassischen Abo-Betrug?

Schulte: Hier gibt es keine großen Unterscheide. Im Endeffekt handelt es sich bei der beschriebenen Masche ebenfalls um einen Abo-Betrug. Beim „klassischen“ Abo-Betrug im Internet wurde der Kunde mit vermeintlich kostenlosen Leistungen, wie z. B. einer Routenplanung oder einem sehr kurzen Intelligenztest, dazu gebracht, seine Daten anzugeben. Daraufhin erhielt man eine Rechnung, da sich aus den AGBs eine Kostenpflicht ergab. Der Kunde ging also selbst auf die Seite und wurde nicht über ein Soziales Netzwerk auf die Homepage der Betrüger umgeleitet.

VF: Was kann ich als Verbraucher tun, um nicht in die Fallen zu tappen?

Schulte: Wie schon gesagt. Wenn Sie einen Vertrag im Internet abschließen, bleiben Sie wachsam. Setzen Sie sich auch mit den AGBs auseinander. Ich weiß, der Haken bei dem Kästchen „AGBs gelesen und akzeptiert“ ist schnell gesetzt. Ein kurzes Überfliegen und den Punkt „anfallende Kosten“ angeschaut, kann viel Ärger ersparen. Ansonsten gilt: Setzten Sie Ihren gesunden Menschenverstand ein! Wenn iPhones aus fadenscheinigen Gründen in hoher Zahl verschenkt werden, sollte man hellhörig sein.

VF: Vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen.

Stand: Januar 2015