Brille aus dem Internet – Sparen am falschen Ende oder Qualität zum Schnäppchenpreis?

Brillen zum Discountpreis online bestellen - eine Verlockung für viele Verbraucher angesichts hoher Kosten für die Sehhilfen. Doch sind diese Brillen auch so gut wie jene vom niedergelassenen Optiker? Welche Möglichkeiten der Anprobe und Anpassung hat der Kunde? Gibt es für die individuell angefertigten Brillen bei Nichtgefallen oder Unverträglichkeit eine Geld-zurück-Garantie? Diesen und weiteren Fragen ist die VerbraucherFenster-Redaktion nachgegangen.

Brille Olga Khopshanosova - Fotolia.com_.jpg

Brille mit schwarzem Rahmen

Eine stylische Marken-Gleitsichtbrille mit erweitertem Sehbereich und hauchdünnen Premiumgläsern, natürlich mit extra-harter Beschichtung und super-entspiegelt – das Ganze zum Preis von unter 500 Euro, wow! Wo gibt’s denn sowas, mag sich gar mancher Brillenträger fragen, der bislang für dieses Ensemble beim niedergelassenen Optiker einige Hundert Euro mehr bezahlt hat. Die Antwort lautet: im Internet. Dort tummeln sich inzwischen etwa ein halbes Dutzend Online-Optiker, bei denen man mit wenigen Mausklicks seine Wunschbrille konfigurieren und portofrei bestellen kann. Doch sind diese Brillen zum Discountpreis – insbesondere die Gläser - auch so gut wie jene vom niedergelassenen Optiker? Welche Möglichkeiten der Anprobe und Anpassung hat der Kunde? Gibt es für die individuell angefertigten Brillen bei Nichtgefallen oder Unverträglichkeit eine Geld-zurück-Garantie? Diesen und weiteren Fragen ist die VerbraucherFenster-Redaktion nachgegangen.

Ohne Brillenpass geht (fast) nichts

Wer keinen Brillenpass hat, in dem sämtliche Informationen über eine Korrektionsbrille enthalten sind, kann keine Brille beim Online-Optiker bestellen. Alle Portale verlangen mittels einer dafür vorgesehenen Maske vom Kunden die Eingabe der entsprechenden Fehlsichtigkeits-Werte, ansonsten lässt sich der Bestellvorgang nicht fortsetzen. Wer also noch keinen Brillenpass hat, kann seine Werte beim Service-Partner der Internetportale vor Ort (sofern vorhanden) oder beim Augenarzt bestimmen lassen. Notwendig sind auch die Angaben zur Pupillendistanz (PD). Damit ist der Abstand des rechten und linken Auges zur Gesichtsmitte gemeint.

Einige Portale bieten zur Bestimmung der PD eine Schablone an, die sich die Kunden downloaden, ausdrucken und ausschneiden können. Diese Schablone wird dann auf den Nasenrücken aufgesetzt, und eine zweite Person liest die jeweiligen Werte ab. Während einige Anbieter angeben, dass man die Werte auch selbst vor einem Spiegel messen und ablesen kann, raten andere wegen möglicher Ungenauigkeiten strikt davon ab.

Bedingt tauglich ist diese Do-it-yourself – Methode der PD-Werteermittlung allenfalls für Brillen ohne besondere Anforderungen, zumal sich damit nur die horizontalen Werte ermitteln lassen. Den vertikalen Wert kann man auf diese Weise nicht bestimmen und bei einigen Online-Optikern auch nicht eingeben. Exakte PD-Werte sind aber insbesondere für die Anfertigung von Gleitsichtbrillen notwendig, da schon bei geringsten Ungenauigkeiten kein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Deshalb empfiehlt es sich, den PD-Wert sicherheitshalber vom Augenarzt oder einem (Partner-)Optiker bestimmen zu lassen.

Anprobe

Wer würde schon eine Brille kaufen wollen, die man zuvor weder gesehen noch anprobiert hat? Niemand. Das wissen auch die Online-Optiker, und daher bieten einige die Möglichkeit, vor der Bestellung ein eigenes Foto hochzuladen, anhand dessen verschiedene Gestelle quasi „virtuell“ probiert werden. Ein Anbieter ermöglicht auch die Anprobe per Webcam, indem das Gesicht gescannt wird. Es besteht zudem häufig die Möglichkeit, das Katalogbild der Brille Fotos von weiblichen oder männlichen Models virtuell aufzusetzen. Die Model-Auswahl ist jedoch in der Regel sehr begrenzt, so dass diese Methode eher nur zur groben Orientierung taugt.

Einige Anbieter offerieren ihren Kunden, sich mehrere (bis zu vier) Brillen kostenlos nach Hause zur Ansicht liefern zu lassen, um dort in Ruhe auszuwählen. Dabei sind die Rückgabefristen mit bis zu 10 Tagen recht großzügig bemessen.

Bestellvorgang

Nachdem die Daten für die Gläser erfasst worden sind und ein passendes Gestell ausgewählt wurde, kann der Bestellvorgang abgeschlossen werden. Dieser folgt dem üblichen, von anderen Versandhändlern bekannten Schema. Bezahlt wird schließlich mit den vertrauten Verfahren wie PayPal, Kreditkarten, EC-Karte oder Kauf auf Rechnung. Verschiedentlich wird sogar Ratenkauf angeboten.

Geld zurück bei Nichtgefallen

Sämtliche Anbieter nehmen die Brille bei Nichtgefallen kostenlos zurück. Praktisch alle gewähren dabei ein 30tägiges Widerrufsrecht, auch auf individuell angefertigte Brillen. Es empfiehlt sich aber, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor der Bestellung sorgfältig zu lesen. Dort erfahren die Kunden, ob die „Geld-zurück-Garantie“ nur für normale oder auch Gleitsichtbrillen gilt, und ob der Rückversand kostenfrei oder auf eigene Rechnung zu erfolgen hat.

Service-Partner vor Ort

Einige Online-Shops bieten Sehtests und Brillenanpassungen durch Partneroptiker vor Ort an. Zwar bedeutet der Besuch des Partneroptikers für die Kunden zusätzlichen Aufwand. Dieser lohnt sich aber, wenn dadurch das Ergebnis letztendlich überzeugt. Ob dieser Service auch am oder in erreichbarer Nähe vom Heimatort des Kunden zur Verfügung steht, kann auf der Homepage des Shops eingesehen werden.

Qualitätsvergleich

Die Vermutung, dass niedergelassene Optiker vor Ort eine bessere Qualität liefern als ihre Mitbewerber im Internet, hat sich laut einer vergleichenden Untersuchung der Stiftung Warentest (siehe Quellenangabe) nicht bestätigt. Demnach sind die oft sehr viel günstigeren Brillen aus den Webshops qualitativ nicht schlechter. Dies gilt sowohl für Brillen bei höherer Fehlsichtigkeit als auch für Gleitsichtbrillen. Auch die Passform der Online-Brillen war dem Test zufolge nicht schlechter als bei den Gestellen aus dem konventionellen Handel. Die Tester hatten auch nichts an der Fertigungsqualität oder am Material zu bemängeln.

Dennoch profitieren laut Stiftung Warentest Personen mit komplizierterer Fehlsichtigkeit oder besonderen anatomischen Gegebenheiten, wie sehr eng oder weit auseinanderstehender Augen, unterschiedliche Höhe der Ohren oder besonders breitem Nasenrücken von der face-to-face Beratung. Dies gilt, so die Tester, auch für Brillen-Einsteiger, die wenig oder keine Erfahrung mit Brillen haben.

Stand: Januar 2015