Augen auf beim Online-Schnäppchenkauf

Im Internet sind Preisvergleiche einfach. Häufig findet man Produkte wie Schmuck, Parfüm oder Computerzubehör zu einem Schnäppchenpreis. Doch Vorsicht: ! Hinter dem vermeintlichen Schnäppchen kann eine böse Überraschung stecken. So wird die Ware nicht geliefert oder die Bankdaten werden ausgespäht. Wie schütze ich mich?

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„Cyber-Kriminelle locken Internetnutzer mit Scheinangeboten auf gefälschte Shoppingseiten, mit dem Ziel Kontodaten auszuspähen, bezahlte Waren gar nicht auszuliefern oder auf andere Art und Wiese zu betrügen. Wie Sie solche Angebote erkennen, worauf zu achten ist und wie sie sich vor Kriminellen schützen, verrät Sven Patzer im Gespräch mit VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke. Er ist IT-Sicherheitsexperte im Hessischen Verbraucherschutzministerium.

VF: Wie erkenne ich, dass das vermeintliche Schnäppchen eine Falle ist?

Patzer: Wenn ein bestimmtes Produkt zu einem konkurrenzlos niedrigen Preis angeboten wird, ist dies schon einmal verdächtig. Verbraucher sollten hier eine gesunde Skepsis an den Tag legen und schauen, von wem das Produkt angeboten wird.

VF: Das heißt?

Patzer: Um nicht in eine Falle zu tappen, sollten sich Verbraucher über das anbietende Unternehmen informieren. Die Internetnutzer sollten vor der Bestellung und der Dateneingabe die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters prüfen. Werden anerkannte Gütesiegel angegeben? Bietet der Händler eine vollständige Anbieterkennzeichnung mit Name, Vorname und vollständiger Anschrift, Informationen zur schnellen Kontaktaufnahme (Telefonnummer, E-Mail, Fax),  Gewerberegister und Gewerberegisternummer, Unternehmensname und Rechtsformzusatz, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Angabe der Aufsichtsbehörde (z. B. Apotheken)? Das sind alles wichtige Hinweise. Hilfreich sind auch Bewertungen anderer Kunden im Internet, die Auskunft über Erfahrungen mit dem Verkäufer geben.

VF: Gibt es weitere Hinweise?

Patzer: Ja. Sind die allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Einsicht verfügbar? Sind Informationen zum Datenschutz und Datensicherheit verfügbar? Sind Angaben zum Widerrufsrecht, Rückgaberecht und der Kaufpreisrückerstattung verfügbar? Welche verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten gibt es?

Gibt es eine E-Mail-Bestätigung des Bestellvorgangs?

Vor allem der Punkt Zahlungssicherheit spielt eine wichtige Rolle.

VF: Wieso?

Patzer: Seriöse Händler werden ihren Kunden verschiedene Bezahlwege anbieten wie beispielsweise Pay Pal, Lastschrifteinzug, Sofortüberweisung oder Rechnung. Eine Zahlung per Vorkasse sollte immer vermieden werden. Wenn Konto- oder Kreditkartendaten direkt an den Händler übermittelt werden, kann ein Risiko für Datendiebstahl und -missbrauch bestehen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt gute Tipps für Verbraucher, klärt über die gängigen Bezahlarten im Internet auf und hilft bei der Entscheidung für den richtigen Zahlungsweg.

VF: Woran kann ich unseriöse Anbieter noch erkennen?

Patzer: Achten Sie unbedingt auf eine sichere, verschlüsselte Übertragung Ihrer Daten. Sie erkennen diese an verschiedenen Merkmalen, beispielsweise wenn am Anfang der Webadresse im Browser https anstatt http angezeigt wird. Verzichten Sie auf eine Bestellung, wenn Daten nicht verschlüsselt übertragen werden.

VF: Wie kann ich eine sichere Übertragung noch erkennen?

Patzer: Neben diesem Warnhinweis gibt es noch ein zweites Sicherheitsmerkmal, auf das Sie achten sollten: die Stärke des Zertifikats. Diese wird Ihnen in verschiedenen Browsern auf unterschiedliche Art angezeigt. Im Internet Explorer, Mozilla Firefox oder Google Chrome ändert sich die Farbe des Feldes oder der Schrift vor beziehungsweise hinter der Adresszeile in grün – das steht für die höchste Zertifikatstufe. Auch ein kleines geschlossenes Schloss vor der Webadresse signalisiert eine sichere Übertragung. Ignorieren Sie auf keinen Fall Fehlermeldungen, die Ihnen Ihr Webbrowser beim Aufruf einer Webseite anzeigt, diese können auch auf einen unseriösen Anbieter hinweisen.

VF: Muss ich skeptisch werden, wenn der Verkäufer nach der Bestellung den Kaufvorgang nicht über die Plattform, sondern per E-Mail regeln will?

Patzer: Hinter einem solchem Kaufangebot könnte ein unseriöser Anbieter lauern. Nur wenn Sie einen Kauf über die Plattform abwickeln, wirken auch die Garantien und Hilfestellungen der Plattformanbieter.

VF: Wo lauern beim Online-Kauf  noch Fallen?

Patzer: Um besondere Tage herum fluten Werbe-E-Mails die Postfächer von Nutzern. Öffnen Sie nicht jeden Link, hinter dem sich angeblich ein attraktives Angebot verbirgt. Denn darunter könnten sich wahrscheinlich Phishing-Mails befinden. Teilweise genügt schon ein Klick auf einen Link, um den Computer mit unerwünschter oder schädlicher Software zu infizieren. Da Phishing-Mails oftmals Fälschungen im Namen bekannter Online-Händler und Bezahlanbieter sind, führen die Links häufig zu authentisch nachgeahmten Webseiten, die auf Datendiebstahl und -missbrauch oder Online-Betrug ausgelegt sind.

VF: Woran erkenne ich diese Seiten?

Patzer: Wichtig ist ein genauer Blick auf die Artikelbeschreibung und -abbildung. Hinweise auf Fälschungen liefern Rechtschreibfehler oder auch fehlerhafte Satzstellungen. 

Weitere Hinweise sind kyrillische Buchstaben oder falsch aufgelöste oder fehlende Umlaute. So z.B. nur "a" statt "ä" bzw. "ae" sowie weitere Fehler. Auch können fehlerhafte Bilder oder langsame Ladezeiten auf eine gefälschte Webseite oder E-Mail hindeuten.

Sie sollten vorsichtig sein, wenn Sie direkt auf eine Seite geleitet werden, wo Sie Ihre Zugangsdaten eingeben müssen.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen,  habe ich noch folgenden Tipp: Suchen Sie die Webseite über eine der bekannten Suchmaschinen und rufen Sie die Webseite über den Link der Suchmaschine auf.

Alle großen Onlinehändler oder Bezahldienste haben Emailadressen eingerichtet, bei denen Sie gefälschte Emails oder nachgeahmte Webseiten melden können, zum Beispiel: 

Paypal - spoof@paypal.com

Amazon - stop-spoofing@amazon.com

spoof@eBay.de

VF: Was mache ich, wenn ich in eine Falle getappt bin?

Patzer: Geschädigte sollten bei der Polizei Anzeige erstatten und sich mit der Bank in Verbindung setzten, wenn das Geld schon weg ist. Auch wenn die Aussicht das Geld wieder zu bekommen aussichtlos ist. Aber nur durch das Melden kann den kriminellen Machenschaften nachgegangen werden.

VF: Vielen Dank für das Gespräch.