„Internet und Soziale Netzwerke – Gefahren und Risiken“ (Teil VII): Falsche Gewinnversprechen

Herzlichen Glückwunsch – Sie haben gewonnen! Wer freut sich nicht über solch eine Botschaft? Doch Vorsicht – hinter solchen Gewinn-Benachrichtigungen stecken oft Betrugsversuche mit dem Zweck, Geld oder Daten abzuzocken. Wie die Gewinn-Betrugsmaschen funktionieren und wann Sie hellhörig werden sollten, verrät Ihnen in unserer Serie „Internet und Soziale Netzwerke – Gefahren und Risiken“ ein Experte vom Hessischen Landeskriminalamt.

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Mann reißt die Arme hoch, weil er von einer Hand aus dem Bildschirm heraus Geldscheine bekommt

VerbraucherFenster-Redaktionsmitglied Barbara-Maria Birke hat mit Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt über das lukrative Geschäft mit den Gewinnversprechen gesprochen.
 

VF: Herr Schulte, Gewinne sind doch etwas Feines. Wieso sollte ich also skeptisch sein?

Schulte: Gewinne sind in der Tat eine tolle Sache. Jeder freut sich, wenn er etwas geschenkt bekommt. Weil sich nicht hinter jedem angepriesenen Gewinn auch wirklich ein Gewinn versteckt, muss man aufpassen, dass man nicht Opfer einer dreisten Betrugsmasche wird.

VF: Die wie abläuft?

Schulte: Hierbei gibt es kein einheitliches Vorgehen. Das wäre ja zu einfach. Die Nachricht, man habe etwas gewonnen, kann Ihnen auf verschiedenen Wegen zugestellt werden. Vielleicht kennen Sie die Pop-ups im Internet, die Ihnen suggerieren, Sie seien der 999.999 Besucher der aufgerufenen Seite und hätten deshalb etwas gewonnen. Klicken Sie darauf, müssen Sie natürlich direkt Ihre Daten angeben. Dass sie eigentlich gar nicht gewonnen haben und der Anbieter dieses „Gewinnspiels“ nur Ihre Daten wollte, ist erst mal nicht ersichtlich. Es kann auch passieren, dass Sie einen Brief erhalten, in dem Sie aufgefordert werden, eine bestimmte Telefonnummer anzurufen, um sich Ihren Gewinn bestätigen zu lassen. Dass diese Nummer kostenpflichtig ist, wird natürlich nicht erwähnt. In manchen Fällen melden sich die Täter per E-Mail bei ihren Opfern und behaupten, diese hätten bei einem Gewinnspiel eine hohe Summe, einen hochwertigen Pkw oder einen anderen Sachwert gewonnen. Allerdings könne der Gewinn nur nach Zahlung einer Bearbeitungsgebühr übergeben werden.

VF: Das klingt ja abenteuerlich.

Schulte: Ja. Aber die Leute fallen trotzdem drauf rein. Eine andere Masche ist, dass den Opfern ein Gewinn versprochen wird und sie lediglich an einer Veranstaltung teilnehmen müssten, an der das Geld ausgezahlt werde. Darüber hinaus gebe es dort auch kostenlose Speisen und Getränke, ebenso sei der Bustransfer zur Veranstaltung umsonst, behaupten die Betrüger. Auch mit Zusatzpräsenten wird gelockt.

VF: Was ist hier das Ziel?

Schulte: Die „glücklichen Gewinner“ auf eine Verkaufsveranstaltung zu locken, auf der minderwertige Ware zu überhöhten Preisen angepriesen wird.

VF: Aber so eine Art von Betrug erkennt man doch…

Schulte: Nicht immer. Die Betrüger sind teilweise so raffiniert, dass die Betrugsmasche erst auf den zweiten Blick erkennbar wird. Dieser zweite Blick kann dann schon mal teuer werden.

VF: Wenn ich mir die Sozialen Netzwerke anschaue – besteht da auch die Gefahr, auf Gewinnversprechen hereinzufallen?

Schulte: Ja, die Masche macht natürlich nicht vor den Sozialen Netzwerken Halt. Gerade hier stehen mir als Täter genügend potentielle Opfer zur Verfügung. Auch wenn hier in etwas anderer Form vorgegangen wird. Aktuell werden beispielsweise in verschiedenen Sozialen Netzwerken zinslose Darlehen von vermeintlichen Gönnern angeboten. Die können dann natürlich erst nach einer entsprechenden Gebühr ausbezahlt werden. Dieser sogenannte „Vorschussbetrug“ kann im Gewand vieler interessanter Geschichten eingeleitet werden. Da gibt es den Veteranen aus Afghanistan, der ein geheimes Konto entdeckt hat. Auch treibt ein Mitarbeiter einer Bank in Sozialen Netzwerken sein Unwesen, der verzweifelt auf der Suche nach dem letzten Erben einer Industriedynastie ist. Durch seine Recherche kommt er dann auf Sie. Die Hintermänner oder Hinterfrauen dieser Straftaten sind vielen als die sogenannte „Nigeria-Connection“ bekannt. Das ist keine strukturierte Organisation, sondern es handelt sich um Gruppen von afrikanischen Betrügern, die teilweise in Europa, teilweise in Nigeria leben. Die Absender behaupten, Kenntnisse von Konten ehemaliger Machthaber oder Großkonzerne in Entwicklungsländern zu besitzen und nun die Hilfe des Mailempfängers zu benötigen, um die Millionen-Summen ins Ausland zu transferieren. Die dafür in Aussicht gestellten Provisionen im zweistelligen Bereich locken die Opfer, im Vorfeld Gelder für angebliche Gebühren zu bezahlen.

Auch unverhoffte Lottogewinne, die eingelöst werden müssen, gehören zum Repertoire der Nigeria Connection.

VF: Gibt es weitere Gewinn-Abzocke-Maschen?

Schulte: Man muss zwischen den Abzocke-Maschen differenzieren, die einen direkten finanziellen Schaden für die Opfer zur Folge haben und denen, die „lediglich“ eine Datensammlung zum Zweck haben.
Ein Beispiel sind vermeintliche Gewinnspiele, bei denen man mindestens 100 oder mehr Freunde einladen muss, bevor eine Teilnahme, also die Eingabe von persönlichen Daten, überhaupt möglich ist. Das hat einen gewissen Schneeballeffekt zur Folge, da die Empfänger denken, wenn mir ein „Freund“ diese Einladung zum Gewinnspiel schickt, kann das ja nur mit rechten Dingen zu gehen.

VF: Besteht auch hier die Gefahr, eine Menge Geld zu verlieren?

Schulte: Natürlich. Wir hatten in unserer Interview-Reihe vergangene Woche über den Identitätendiebstahl gesprochen. Dadurch, dass ich vermeintlich etwas gewonnen habe, gebe ich natürlich meine richtigen Daten an. Somit könnten die Empfänger dieser „Gewinnspiele“ im schlechtesten Fall meine Identität übernehmen und auf meinen Namen kostenpflichtige Leistungen in Anspruch nehmen. Weiterhin haben die Täter die Möglichkeit, Ihre persönlichen Daten an die Werbewirtschaft zu verkaufen. Die Folge sind Spams, Massenmails und infizierte Mails. Seien Sie also wachsam.

VF: Das heißt konkret, was zu tun?

Schulte: Seien Sie vorsichtig bei Gewinnversprechen, insbesondere dann, wenn die Übergabe an Bedingungen geknüpft ist, zum Beispiel an das Zahlen einer Geldsumme, den Besuch einer Veranstaltung oder den Anruf einer Hotline.

Nehmen Sie nur Gewinne an, wenn Sie auch bewusst an einem Gewinnspiel – und zwar bei einem seriösen Unternehmen – teilgenommen haben.

Geben Sie niemals Geld aus, um einen vermeintlichen Gewinn abzufordern, d.h. keine Gebühren zahlen. Seien Sie äußerst vorsichtig mit der Herausgabe Ihrer Konto- oder Kreditkarten. Geben Sie diese nur bei absolut vertrauenswürdigen Anbietern an. Sobald Sie den Verdacht haben, dass etwas nicht stimmt, brechen Sie die Dateneingabe ab und schließen Sie die Webseite. Werden Sie misstrauisch, wenn für ein angeblich kostenloses Angebot die Eingabe Ihrer persönlichen Daten gefordert wird.

VF: Warum?

Schulte: Es könnte passieren, dass Sie ein kostenpflichtiges Abo untergeschoben bekommen, das Sie erst wieder lästig loswerden.

Werden Sie misstrauisch bei Mails, die Links enthalten.

Öffnen Sie keine Anhänge in Mails von Absendern, die Sie nicht kennen.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sind Sie gut gerüstet. Und „echte Gewinne“ sollten trotzdem Anlass zur Freude geben.

VF: Vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen im Laufe der Serie.
 

Stand: Januar 2015