„Internet und Soziale Netzwerke – Gefahren und Risiken“ (Teil VI): Identitäten-Diebstahl bei Facebook & Co

Soziale Netzwerke sind aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken, sie bergen aber auch Risiken. Immer mehr Nutzer werden Opfer vom sogenannten Identitäten-Diebstahl. Dieser Missbrauch fremder Identitäten kann für den einzelnen enormen Schaden anrichten - nicht nur finanziell, wenn Dritte die Identität eines Menschen missbrauchen. Was können Betroffene tun?

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Soziale Netzwerke sind aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Sie besitzen viel Potential, bürgen aber auch Risiken. Immer mehr Nutzer werden Opfer vom sogenannten Identitäten-Diebstahl.
Dieser Missbrauch fremder Identitäten kann für den einzelnen enormen Schaden anrichten. Nicht nur finanziell: Karrieren und sogar Leben können zerstört werden, wenn Dritte die Identität eines Menschen missbrauchen.

VerbraucherFenster-Redaktionsmitglied Barbara-Maria Birke hat in unserer Serie mit Christoph Schulte über das Phänomen „Identitäten-Diebstahl“ gesprochen. Im Interview gibt der Fachberater „Prävention Cybercrime“ des Hessischen Landeskriminalamtes Tipps, was Betroffene tun können.

VF: Herr Schulte, was genau muss ich mir unter Identitäten-Diebstahl vorstellen?

Schulte: Im Klartext bedeutet dies, ich beschaffe mir Ihre persönlichen Daten und handele dann, entweder im geschäftlichen oder im privaten Bereich, in Ihrem Namen. Dadurch kann ich Ihnen einen wirtschaftlichen oder persönlichen Schaden zufügen.

VF: Klingt nach dramatischen Konsequenzen

Schulte: Ja. Der Identitäten-Diebstahl kann mit der Eröffnung eines Ebay-Accounts unter Ihrem Namen, der Nutzung Ihres e-Mailaccounts oder anderer Ihnen gehörender Konten einhergehen. Beispielsweise erhalten Sie eine Anfrage eines Freundes über Facebook, mit dem Sie aber schon befreundet sind. Auch kann es passieren, dass Sie eine Mail vom E-Mail-Postfach eines Freundes erhalten, der sich angeblich in einer Notsituation im Ausland befindet und Geld benötigt. Natürlich kann ich auch einen von Ihnen eingerichteten Account übernehmen und so in Ihrem Namen agieren.

VF: Gibt es verschiedene Formen?

Schulte: Wir erkennen verschiedene Zielrichtungen. Zum einen kann und können der oder die Täter ein wirtschaftliches Interesse haben. Zum anderen kann es dem Täter auf die bloße Rufschädigung des Opfers ankommen.

VF: Kann ich so was im Vorfeld verhindern?

Schulte: Komplett verhindern kann man so etwas nicht. Wer allerdings ein paar Grundlagen in Bezug auf den Umgang mit dem Internet beachtet, kann das Risiko minimieren, Opfer einer solchen Straftat zu werden. Erste Regel lautet deshalb immer: Seien Sie sparsam bei der Preisgabe von persönlichen Daten aller Art! Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit kostenlosen Angeboten. Im Internet gibt es nichts geschenkt! Aus technischer Sicht sollten Sie das Betriebssystem sowie die dazugehörigen Zusatzprogramme auf Ihrem Rechner immer auf aktuellem Stand halten und nur über einen Account ohne Administratorenrechte im Internet surfen. Wenn Sie dann sichere Passwörter nutzen, diese regelmäßig ändern und noch ein aktuelles Virenschutzprogramm nutzen, haben Sie alle Grundlagen gelegt, damit Sie kein Opfer von Daten-Diebstahl und Identitäten-Diebstahl werden.

VF: Was, wenn mir trotzdem die Identität gestohlen wurde? Gerade bei Facebook scheint dies in letzter Zeit die Runde zu machen

Schulte: Wenn ich bemerke, dass meine Identität missbraucht wird, muss ich als erstes meine Freunde darüber informieren. Auch die Überprüfung der genutzten Accounts ist wichtig. So können Sie bei Bedarf den Anbieter über die Geschehnisse informieren und beispielsweise von Unbekannten getätigte Bestellungen widerrufen. Natürlich ist auch der Gang zur nächsten Polizeidienststelle Pflicht, um Anzeige zu erstatten. Der Identitäten-Diebstahl kann auf allen Social Media-Plattformen oder bei anderen Dienstleistungsanbietern im Internet stattfinden. Da Facebook mit Abstand das größte Soziale Netzwerk ist, fallen hier zahlenmäßig logischerweise die meisten Fälle an.

VF: Welche Folgen hat der Identitäten-Diebstahl für die Betroffenen?

Schulte: Die Folgen können sehr unterschiedlich sein. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass Sie den Identitäten-Diebstahl im schlechtesten Fall erst Monate später bemerken. Die Täter können beispielsweise Waren auf Ihren Namen bestellen und an eine andere Adresse versenden. Die Rechnung kann dann ebenfalls an diese Adresse gehen und Sie erfahren frühestens im Rahmen eines Mahnverfahrens etwas von der Tat. Zusätzlich können der oder die Täter auch über Ihre Identität weitere Identitäten Ihrer Freunde ausspionieren und so weiter. Neben dem finanziellen Schaden kann ein immaterieller Schaden weitaus schwerwiegender sein, wenn der oder die Täter Ihren Ruf beschädigen.

VF: Die Folgen treffen also nicht nur mich?!

Schulte: Wie bereits gesagt, können die Täter, wenn Sie in Ihrem Namen auftreten, auch an die Daten Ihrer Freunde gelangen und so, ähnlich wie in einem Schneeballsystem, weitere Identitäten oder Zugangsdaten stehlen. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten über ein soziales Netzwerk eine Freundschaftsanfrage von jemandem, den Sie kennen. Durch die Akzeptanz der Anfrage erlauben Sie den Zugriff auf Ihre Freundesliste und somit auf weitere potentielle Identitäten. Diese können dann einfach kopiert werden. Wichtig ist es deshalb, kritisch zu hinterfragen, ob das Profil der anschreibenden Person auch identisch mit der dahinterstehenden realen Person ist.

VF: Ist Identitäten-Diebstahl strafbar?

Schulte: Das bloße Anlegen eines Accounts auf Ihren Namen kann zwar gegen die AGB des Anbieters verstoßen, ist an sich aber noch nicht strafbar. Sind die Daten zum Anlegen des Accounts ausgespäht worden, liegt hierin bereits ein strafbares Verhalten. Spätestens, sobald ich in Ihrem Namen tätig werde, können Straftatbestände erfüllt werden. Da können beispielsweise Betrugsdelikte oder Beleidigungsdelikte zum Tragen kommen. Sollte es zu einem Schaden für Sie gekommen sein, können Sie in jedem Fall zivilrechtliche Ansprüche gegenüber der Person haben, die in Ihrem Namen gehandelt hat. Um diese geltend zu machen, müssten Sie sich allerdings an einen Anwalt wenden.

VF: Bringt es irgendwas, juristisch gegen die Täter vorzugehen, die man ja nicht kennt?

Schulte: Wichtig ist es in jedem Fall, eine Strafanzeige zu erstatten. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben andere Möglichkeiten als Privatpersonen, die Identität eines vermeintlich anonymen Internetnutzers zu ermitteln. Auch kann Ihnen die Erstattung einer Strafanzeige in eventuell folgenden Zivilverfahren bei der Darstellung Ihrer Position helfen. Es gibt beispielsweise Fälle, in denen bei einem Opfer eines Identitäten-Diebstahles aufgrund mutmaßlich nicht bezahlter Ware der Scoringwert bei der Schufa gelitten hat. Das kann sich bei der realen Person dahingehend auswirken, dass bei der nächsten Kreditanfrage schlechtere Zinsen angeboten, im schlimmsten Fall der Antrag vollständig abgelehnt wird. Kann ich dann nachweisen, dass ich, und zu welcher Zeit, Opfer eines Identitäten-Diebstahls geworden bin, kann ich Zahlungsansprüche und daraus resultierende Probleme entkräften. Ein anderes Beispiel ist, wenn sich beleidigende Inhalte negativ auf das Arbeitsverhältnis auswirken oder ich in Ihrem Namen öffentlich zur Begehung von Straftaten aufrufe.

VF: Was raten Sie Opfern von Identitäten-Diebstahl? Was können diese konkret tun?

Schulte: Wenn Sie den Verdacht haben, Opfer eines Identitäten-Diebstahls geworden zu sein, setzen Sie sich mit dem Support des jeweiligen Anbieters in Verbindung und erklären Sie die Situation. Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannte. Ändern Sie Ihre Passwörter. Gibt es Hinweise darauf, dass die Daten zum Anlegen eines Accounts von Ihrem Rechner durch Schadsoftware abgegriffen wurden, sollten Sie den Rechner neu installieren. Dann erstatten Sie Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle. Im Rahmen der Anzeigenaufnahme erhalten Sie bei den hessischen Polizeidienststellen ein Merkblatt über Ihre Rechte als Opfer einer Straftat. Hierin sind Hinweise für das weitere allgemeine Vorgehen aufgeführt

http://verwaltung.hessen.de/irj/HMdJ_Internet?cid=f4c1e359b7dec4eb28f3e3...

Weitere Tipps und Hinweise, wie Sie sich schützen können, Opfer einer Straftat zu werden, erhalten Sie unter

http://www.polizei.hessen.de und  www.polizei-beratung.de

Stand: Januar 2015