Gesundheitliche Trinkwasser-Leitwerte

Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt, um Pflanzen oder ihre Produkte vor Schädlingen oder Krankheiten zu schützen. Bei der Ausbringung gelangen sie in die Umwelt und je nach Bedingungen auch in das Grund- und Trinkwasser. Deshalb gibt es für das Vorkommen von Pflanzenschutzmitteln in Trinkwasser Grenzwerte, die von den Bundesländern überwacht werden. Hier erfahren Sie mehr über die Grenzwerte für Trinkwasser.

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Wasser in einem Glas

Wie hoch ist der Grenzwert für Pflanzenschutzmittel in Trinkwasser?

Für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und ihre relevanten Stoffwechselprodukte in Trinkwasser besteht in der EU ein allgemeiner, stoffunabhängiger Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser (Trinkwasserverordnung (TrinkwV) 2001). Diesen Grenzwert überwachen die Bundesländer. Wenn sie Überschreitungen feststellen, klären die Landesbehörden, ob für die Verbraucher eine gesundheitliche Besorgnis gegeben sein könnte. Dabei stützen sich die Bundesländer auf den gesundheitlichen Trinkwasser-Leitwert, der vom  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ermittelt wird.

Gesundheitlicher Trinkwasser-Leitwert auf der Basis des ADI-Wertes ermittelt

Das BfR ermittelt den gesundheitlichen Trinkwasser-Leitwert, der für eine bestimmte Wirkstoffmenge in Mikrogramm (μg) pro Liter Trinkwasser festgesetzt wird. Das BfR berechnet Trinkwasser-Leitwerte für in Deutschland zugelassene Pflanzenschutzmittelwirkstoffe auf der Basis von ADI-Werten, d.h. auf Grundlage von der Dosis, die ohne gesundheitliches Risiko täglich ein Leben lang aufgenommen werden kann (ADI = acceptable daily intake).

Analog zum ADI-Wert gibt der Trinkwasser-Leitwert die Höchstkonzentration des betreffenden Stoffes im Trinkwasser an, die ein Leben lang ohne Gesundheitsschädigung aufgenommen werden kann. In Übereinstimmung mit Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet das BfR 10 % Ausschöpfung des ADI-Wertes einer täglichen Wasseraufnahme von 2 Litern und einer Körpermasse von 70 kg zu. Dies entspricht dem Vorgehen auch für andere Stoffe im Trinkwasser. Als absolute Obergrenze für einen Trinkwasser-Leitwert gilt für das BfR eine Konzentration von 1000 Mikrogramm eines Pflanzenschutzmittelwirkstoffes je Liter Trinkwasser.

Maßnahmewerte für Trinkwasser - gesundheitlich duldbar

Das Umweltbundesamt (UBA) leitet auf Basis der vom BfR ermittelten Trinkwasser-Leitwerte sogenannte Maßnahmewerte für Trinkwasser (in μg Wirkstoff/Liter Trinkwasser) ab. Nach Auffassung des UBA sind Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln oder relevanten Stoffwechselprodukten in Trinkwasser bis zum Maßnahmewert für Trinkwasser gemäß § 9 TrinkwV 2001 gesundheitlich und auch trinkwasserhygienisch duldbar. Die Beachtung des Maßnahmewertes für Trinkwasser stellt beispielsweise sicher, dass in 2 Litern Trinkwasser pro Tag niemals mehr, meistens sogar wesentlich weniger als 10 % einer gesundheitlich duldbaren Stoffmenge (ADI) enthalten sind. Unter dieser Voraussetzung bieten selbst solche Wirkstoffe oder ihre Stoffwechselprodukte, die während der Bodenpassage oder der Trinkwasseraufbereitung zu toxikologisch nicht oder nur eingeschränkt bewertbaren Reaktionsprodukten transformiert werden könnten, nach aller praktischer Erfahrung keinen Anlass für eine gesundheitliche Besorgnis.

Tabelle über ADI-Werte, Trinkwasser-Leitwerte, Maßnahmewerte für Trinkwasser

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellt eine regelmäßig aktualisierte Tabelle der ADI-Werte, Trinkwasser-Leitwerte und Maßnahmenwerte für Trinkwasser von in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittelwirkstoffen bereit. Diese ist der aktualisierten Information Nr. 036/2015 des BfR vom 1. September 2015 zu entnehmen:

Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe: ADI-Werte und gesundheitliche Trinkwasser-Leitwerte