Heizen mit Strom

Immer wieder werden Elektroheizungen beworben. Das Heizen mit Strom wird als komfortable und preiswerte Alternative zum Heizen mit Öl oder Gas angeboten. Ist das wirklich so?

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Stecker in Hand

In Deutschland sind in etwa 1,6 Millionen Haushalten noch elektrisch betriebene Heizungen vorhanden, insbesondere in Altbauten.

Das Heizen mit Strom ist mit unterschiedlichen Technologien möglich

  • Nachtspeicherheizung
    Bei einer Nachtspeicherheizung handelt es sich um elektrische Öfen, die die Wärmenergie speichern. Der Wärmespeicher wird dabei zu Zeiten, wo wenig Strom verbraucht wird, mit günstig angebotenem Strom aufgeheizt. Dort wird die Wärme über mehrere Stunden gehalten. Mit Hilfe eines eingebauten Lüfters wird die gespeicherte Wärme an den Raum abgegeben.
    Der Nachtstrom wird nach dem so genannten Niedertarif abgerechnet. Mittlerweile bieten aber nur noch wenige Energieversorger den etwas günstigeren Nachtstrom (Stromkosten inklusive Grundkosten durchschnittlich 21 Cent/kWh) an, so dass die Nachtspeicherheizung mit dem üblichen Haushaltsstrom mit durchschnittlich 27 Cent/kWh verrechnet wird und damit teurer wird.
     
  • Direktheizung wie Infrarotheizung, Heizstrahler, Heizlüfter
    Die Wärme wird direkt an die Umgebung angeben.

Werbeversprechen der Anbieter kontra Verbraucherschützer

Während der Wintermonate, wenn es in den Wohnungen kuschelig warm sein soll, wird vermehrt das Heizen mit Strom beworben. Nach Angaben der Anbieter punkten Elektroheizungen  nicht nur mit niedrigen Heizkosten, sondern auch mit einem hohen Komfort und einer guten Klimabilanz.

Diese Aussagen können Energieberater, Verbraucherschützer und Umweltverbände nicht bestätigen.

Nachtspeicherheizungen sind teuer

In Zeiten der Energiewende scheinen elektrische Nachtspeicherheizungen eine Möglichkeit zu sein, Strom aus erneuerbaren Energien in privaten Speicherheizungen zwischen zu speichern. "Die Idee ist gut", bestätigt Beate Barczyk, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Hessen. "Die Praxis sieht aber ganz anders aus: Die Netzbetreiber können viele Anlagen nicht aus der Distanz regeln und bei Bedarf zuschalten. Daher brauchen die Geräte eben auch dann Strom, wenn er knapp und teuer ist und nicht nur an den Tagen, an denen überschüssige Energie verfügbar wäre. Und so bleiben Nachtspeicherheizungen in erster Linie teure Strom- und Geldfresser."

So betragen die Heizkosten in einem typischen Einfamilienhaus mit Nachtstrom 3.940 Euro im Jahr, mit Erdgas 1.900 Euro und mit Heizöl 2.120 Euro.

In einer Mietwohnung mit 70 Quadratmetern hat der Mieter jährlich für eine warme Wohnung mit einer Nachtspeicherheizung 1.760 Euro zu bezahlen, mit einer Gasetagenheizung 810 Euro und mit  einer Ölheizung 890 Euro.

Infrarot-Flächenheizung nicht empfehlenswert

Infrarot-Flächenheizungen werden von Anbietern auch als kostengünstig und umweltfreundlich angepriesen. Sie heizen mit einem etwas höheren Anteil Strahlungswärme, so dass nach Angaben der Hersteller niedrigere Raumtemperaturen für ein behagliches Wohnklima reichen. Der große Nachteil dieses Heizungssystems ist jedoch, dass vor allem tagsüber Strom verbraucht wird, der im Vergleich zu anderen Energiearten recht teuer ist. So kostet derzeit ein Kilowatt Strom durchschnittlich 27 Cent, während man für ein Kilowatt Gas etwa 6 Cent und für Heizöl bzw. Holzpellets etwa 5 Cent zu zahlen hat. Den relativ niedrigen Anschaffungskosten einer Infrarot-Flächenheizung stehen also hohe Betriebskosten gegenüber.

Heizen mit Strom ist nicht umweltfreundlich

Die vom Bundesumweltministerium geförderte Kampagne „Klima sucht Schutz“ hat ermittelt, dass der Kohlendioxid-Anteil, der bei der Gewinnung von Heizstrom entsteht, mehr als 50 Prozent über dem liegt, der bei der Erzeugung von Heizöl oder Erdgas entsteht.

Kohlekraftwerke liefern über 40 Prozent des deutschen Stroms. Weniger als 60 Prozent der in Kohlekraftwerken eingesetzten Energie wird in elektrischen Strom umgewandelt, so dass bereits hier erhebliche Energieverluste vorkommen. In den Nachtspeicheröfen wird dann der Strom in Heizwärme umgewandelt, wobei wieder Energieverluste auftreten.

Beratung hilft weiter

Wer bereits eine Elektroheizung hat und auf ein anderes System umsteigen möchte, muss für die Installation von Leitungen der Montage von Heizkörpern zunächst aber Geld investieren. Eine Energieberatung kann hier bei der Entscheidung helfen, das Heizungssystem zu wechseln. Ansprechpartner für eine unabhängige Energieberatung sind bei der Verbraucherzentrale zu finden. Die Berater informieren anbieterunabhängig und individuell. Für einkommensschwache Haushalte ist die Beratung sogar kostenfrei. Mehr Informationen hierzu gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder unter der kostenfreien Telefonnummer 0800-809 802 400.

Fazit

Als Dauer- oder Hauptheizung sind elektrische Heizungen nicht sinnvoll, da sie zu teuer sind, auch wenn kaum Wartungskosten und keine Schornsteinfegergebühren anfallen. Wer eine Übergangs- oder Zusatzlösung fürs Heizen von einzelnen Räumen benötigt, muss im Einzelfall prüfen, ob es keine bessere Alternative gibt.

Stand: Mai 2018