Spionage-Apps: Die Detektive der Neuzeit

Ist mein Partner treu? Ist mein Kind sicher auf dem Schulweg? Leistet mein Angestellter effiziente Arbeit im Außendienst oder lässt er es sich unterwegs im Café gut gehen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, braucht es heute keinen Detektiv mehr. Spionage-Apps sind das Medium der Moderne, um Untreue auf die Schliche zu kommen, Gefahren zu sehen oder Missstände aufzudecken. Kennen Sie diese digitale Spionagemethode?

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Handy und Kaffeetasse

VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke wollte wissen, was Spionage-Apps können, wie sie funktionieren, ob sie überhaupt legal sind und woran man erkennt, dass man ausspioniert wird. Hierzu hat sie mit dem Präventions-Experten Niklas Trottner vom Hessischen Landeskriminalamt gesprochen.

Ist mein Partner treu? Ist mein Kind sicher auf dem Schulweg? Leistet mein Angestellter effiziente Arbeit im Außendienst oder lässt er es sich unterwegs im Café gut gehen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, braucht es heute keinen Detektiv mehr. Spionage-Apps sind das Medium der Moderne, um Untreue auf die Schliche zu kommen, Gefahren zu sehen oder Missstände aufzudecken. VerbraucherFenster-Redakteurin Barbara-Maria Birke wollte wissen, was Spionage-Apps können, wie sie funktionieren, ob sie überhaupt legal sind und woran man erkennt, dass man ausspioniert wird. Hierzu hat sie mit dem Präventions-Experten Niklas Trottner vom Hessischen Landeskriminalamt gesprochen.

VF: Sind Spionage-Apps die Detektive der Neuzeit?

Trottner: Durchaus. Sie können sogar noch mehr als ein Detektiv. Installierte Spionage-Apps protokollieren sämtliche Aktivitäten auf dem Smartphone. Der Funktionsumfang der Spionage-App ermöglicht, dass Gespräche mitgehört oder aufgezeichnet werden können und alle gängigen Messenger wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Snapchat mitgelesen werden können. In sensiblen Bereichen wie beispielsweise Besprechungsräumen ist das besonders problematisch. Ebenfalls können Multimediadateien wie Fotos, Videos, Audiodateien angesehen oder angehört und E-Mails gelesen werden.

VF: Das ist ja unvorstellbar.

Trottner: Ja, aber möglich. Auch können SMS über das überwachte Smartphone gesendet werden, Adressbuch und Kalender eingesehen, Passwörter ausspioniert und das Gerät per GPS geortet werden. Die Liste lässt sich beliebig erweitern, je nach gewähltem Anbieter und gebuchtem Paket. So lassen sich zum Beispiel bestimmte Zonen festlegen: Verlässt das Zielgerät dieses Gebiet, schlägt die App Alarm. Die Protokollierung und Eingriffsmöglichkeiten können sich so bis in die kleinsten Bereiche jeder Smartphone-Funktion erstrecken, bis hin zur Anzeige des aktuellen Akkustandes.

VF: Erschreckend. Wie kann ich denn jemand anderen überhaupt ausspionieren? Ich muss doch erst mal in den Besitz des Handys kommen?

Trottner: Ja, aber das ist  oft nicht schwer, wenn das Handy beispielsweise mal ein paar Minuten unbeobachtet herumliegt oder abends wenn der andere schläft. Denkbar ist auch das Zusenden eines Links per E-Mail oder SMS, Whatsapp auf die „Internet-Dateiablage“  z.B. Dropbox, um von dort eine „coole“ App aus einer Drittquelle zu installieren. Wenn Sie die Kontrolle über das Gerät erlangt haben, ist alles ganz einfach. Sie buchen ein Paket über die Website eines kommerziellen Anbieters und werden von diesem durch den Installationsprozess geführt. Die Installation ist auch ohne größere technische Vorkenntnisse umsetzbar.

Sobald die Software aktiviert ist, verschleiert das Programm sämtliche Spuren und wird so für den Benutzer des Gerätes unsichtbar. Je nach gebuchtem Paket verschickt das Programm dann die entsprechenden Daten an den Server der Betreiberfirma. Hierzu ist eine aktive Internetverbindung erforderlich. Diese Server befinden sich in der Regel im Ausland. Durch das abgeschlossene Abonnement mit dem Anbieter erhält der Kunde dann über ein Webinterface der Firma Zugriff auf die eingehenden Daten und kann diese jederzeit einsehen, beziehungsweise die Funktionen des Gerätes fernsteuern.

VF: Geht das über jedes Handy?

Trottner: In der Regel bieten die Anbieter ihre kommerziellen Spionage Apps für alle gängigen Plattformen wie Android, iOS und Windows Phone an. Jedoch findet man selbst für weniger verbreitete Plattformen wie BlackBerry OS oder Symbian entsprechende Software.

VF: Wer nutzt die Spionage-Apps?

Trottner: Maßgebliche Zielgruppe von kommerziellen „Spionage Apps“ sind „besorgte“ Eltern, misstrauische Partner aber auch Vorgesetzte, denen suggeriert wird, dass sie sich durch den Einsatz derartiger Software weniger Sorgen machen müssten.

Insbesondere durch den Hinweis, dass Eltern derartige Apps zum Schutz ihrer Kinder nutzen könnten, soll den Erziehungsberechtigten suggeriert werden, sie würden nur ihrer „elterlichen Fürsorgepflicht“ nachkommen, ohne sich des gravierenden Eingriffs in die Privatsphäre ihrer Kinder und dem damit einhergehenden Vertrauensbruch in der zwischenmenschlichen Beziehung bewusst zu sein.

Letzteres gilt insbesondere auch für den Einsatz in einer Partnerschaft. Hier wird jedoch auf Seiten der kommerziellen Anbieter explizit mit der Unsicherheit der potenziellen Kunden gespielt und versucht aus bestehender Eifersucht Kapital zu schlagen. Neben diesen beiden Gruppen wäre es ebenso denkbar, dass ein Vorgesetzter derartige Software gegen seine Mitarbeiter einsetzt, um deren „Arbeitsqualität“ zu überprüfen.

VF: Solche Apps können doch nicht legal sein oder?

Trottner: Der Einsatz gegen eine Person, die hierzu nicht ihr Einverständnis gegeben hat, wie beispielsweise der unwissende Partner oder Arbeitnehmer, ist nicht erlaubt. Ein Missbrauch derartiger Software ist illegal und somit strafbar. Die ernsthaften rechtlichen Konsequenzen sind demjenigen, der die Spionage-App nutzt, meist gar nicht bewusst. Zudem stellt sich die Frage, wie gesund eine Beziehung tatsächlich ist, wenn die vorherrschende Vertrauensbasis so instabil ist, dass man auf eine Überwachung des eigenen Partners angewiesen ist. Gleiches gilt natürlich auch für die Vertrauensatmosphäre innerhalb eines Unternehmens.

Die Polizei warnt daher auch eindringlich vor dem Missbrauch derartiger Software.

VF: Wie rechtfertigen Unternehmen die Bereitstellung dieser Dienste?

Trottner: Es wird natürlich darauf hingewiesen, dass derartige Apps nur für das eigene Smartphone benutzt werden sollen bzw. dass die Installation mit Zustimmung und Wissen des Gerätebesitzers erfolgt. Ein legales Anwendungsbeispiel kann zum Beispiel sein, dass jemand diese Software auf seinem eigenen Smartphone einsetzt, um im Fall eines Diebstahls sein eigenes Gerät wieder zu finden.

VF: Woran erkenne ich die Spionage Apps?

Trottner: Grundsätzlich sind diese Apps so konstruiert, dass sie ihre Anwesenheit auf dem mobilen Endgerät verbergen. Verdächtige Icons oder auffällige Dateien sucht man also vergeblich. Diese Apps gibt es schon eine ganze Zeit. Früher ließen sich die Aktivitäten solcher „Spionage Apps“ durch „unerklärlichen“ Datenverbrauch enttarnen, da eine Verbindung zum Internet aufgebaut werden muss, um ihre Protokollfunktion zu erfüllen.

Da heute Smartphones in der Regel eine permanente Verbindung zum Internet haben und es zudem bei Flatrate-Kunden keine Möglichkeit gibt, einen ungewollten Verbindungsaufbau über verdächtige Einträge im Einzelverbindungsnachweis zu erkennen, wird es sehr schwer.

VF: Wie kann ich mich schützen?

Trottner: Gegen den Einsatz kommerzieller Spionage Apps ist das beste Mittel, Ihr mobiles Endgerät nicht aus den Händen zu geben. Um eine Spionagesoftware zu installieren, ist es erforderlich, das zu überwachende Gerät auch physisch in seiner Gewalt zu haben. Hier ist ganz klar, dass man sein Smartphone keinesfalls unbeaufsichtigt Personen überlässt, denen man nicht vertraut. Eine Tastensperre mit PIN- Abfrage sollte selbstverständlich sein.

VF: Was kann ich noch tun?

Trottner: Neben kommerzieller Spionagesoftware gibt es auch einen großen Markt für Schadsoftware im Bereich der mobilen Endgeräte. Diese Programme spionieren ebenfalls das jeweilige Gerät aus, jedoch geht es dabei meist um Zugangsdaten zum Onlinebanking oder Kreditkartendaten. Dem Opfer soll hier also finanziell geschadet werden.

Eine Risikominimierung für diesen Bereich ist zum Beispiel durch aktuelle Software und regelmäßige Updates möglich. Zusätzlich sollte auch auf den mobilen Endgeräten ein Antiviren-Programm installiert sein.

Die Installation von Apps sollte nur aus seriösen App-Stores erfolgen. Wenn man trotzdem Apps aus unbekannten Quellen installieren möchte, sollte man vorher kritisch prüfen, ob es sich hierbei um ein vertrauenswürdiges Angebot handelt oder nicht. Zugesandte Links oder Anlagen in E-Mail, SMS oder Messenger mit der Aufforderung zur Installation von unbekannten Apps sollten nicht angeklickt werden. Im Zweifel sollte auf die Installation sicherheitshalber verzichtet werden.

VF: Danke für das Gespräch!

Stand: April 2016

Spionage-App: Die wichtigsten Tipps auf einen Blick
  • Behalten Sie immer die Gewalt über Ihr Handy und sichern Sie es mit einer PIN, so ist sichergestellt, dass sich niemand Zugang verschaffen und die Spionage-App installieren kann.
  • Wenn Sie Ihre Kinder in Sicherheit wissen wollen, sprechen Sie mit diesen, bevor Sie die Spionage-App installieren und erbitten ihr Einverständnis. Die illegale Verwendung ist nicht erlaubt und Sie machen sich strafbar.
  • Zum Wiederauffinden Ihres eigenen Handys ist die Überwachung erlaubt. Für sich selbst dürfen Sie diese daher auf Ihrem Handy installieren.
  • Sie können die App auf Ihrem Handy nicht erkennen. Deshalb ist es so wichtig, das Gerät zu schützen.
  • Installieren Sie niemals unbekannte Apps. Verlangt eine App umfangreiche Rechte, informieren Sie sich vorher über diese App und fragen kritisch nach, ob diese Rechte überhaupt erforderlich sind. Im Zweifel verzichten Sie auf die Installation.